The Witcher 3
«Fast wie ein 2.0-Overhaul» - Witcher 3 wird tief umgebaut
CD Projekt Red krempelt Kampf, Bewegung und Fähigkeitenbaum um - und verlangt dafür keinen Rappen

- Der Witcher-3-Remaster erscheint am 29. September und ersetzt die Complete Edition in den digitalen Shops.
- Quest-Director Paweł Sasko beschreibt das Update als «fast wie ein 2.0-Overhaul» nach dem Vorbild von Cyberpunk 2077.
- Kampf, Bewegung, Erkundung, Reiten und Fotomodus werden angefasst, der Fähigkeitenbaum setzt stärker auf aktive Fähigkeiten.
- Wer das Spiel besitzt, erhält das Upgrade gratis - inklusive Hearts of Stone und Blood and Wine.
Als CD Projekt Red den Remaster von The Witcher 3 ankündigte, klang das nach dem üblichen Programm: schärfere Texturen, bessere Beleuchtung, stabilere Bildraten. Inzwischen zeichnet das Studio ein deutlich grösseres Bild. Quest-Director Paweł Sasko beschrieb das Projekt an der Gamescom 2026 gegenüber Kotaku als etwas, das man sich am besten als «Witcher 3 2.0» vorstellt - also als denselben Eingriff, den Cyberpunk 2077 mit seinem Update 2.0 erlebt hat. Betroffen ist dabei nicht die Optik, sondern das, was 2015 am meisten kritisiert wurde: das Spielgefühl.
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29. Sept.
Termin für den Remaster, der die Complete Edition in den Stores ersetzt
0 Franken
kostet das Upgrade für alle, die The Witcher 3 bereits besitzen
+25 %
Umsatzplus von CD Projekt im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum
Der Ausgangspunkt: Was Spielerinnen und Spieler am meisten gestört hat
Sasko formuliert unmissverständlich, wo das Team angesetzt hat. Nicht die Quests, nicht die Welt, nicht die Vertonung standen zur Debatte - sondern die Mechanik dazwischen. Das Studio hat laut ihm ausgewertet, welche Kritikpunkte über die Jahre am hartnäckigsten geblieben sind, und daraus die Prioritätenliste abgeleitet.
Wenn man sich The Witcher 3 und die Meinungen von Spielern und Presse ansieht, wurde das Gameplay am meisten kritisiert - es ist der Aspekt, der am veraltetsten ist. Das ist die Hauptsache, die wir beheben wollten.
Konkret nennt er drei Dauerbrenner: die Erkundung, Geralts Bewegungssteuerung und das Fehlen von Finishern. Alle drei seien angegangen worden, und genau das mache «den grössten Unterschied darin, wie sich das Spiel anfühlt». Dazu kommen Anpassungen an Details, die man bei einem reinen Grafik-Update kaum erwarten würde - vom Reiten bis zum Fotomodus. Von dutzenden neuen Funktionen ist die Rede.
RedEngine 3 lernt von RedEngine 4
Der Vergleich mit Cyberpunk 2077 ist mehr als eine Marketingfloskel. Sasko selbst hat am 2.0-Update für den Shooter-RPG mitgearbeitet, das damals aus einem gebrochenen Release ein gefeiertes Spiel machte - nicht in erster Linie durch Performance-Gewinne, sondern weil Kernsysteme wie Kampf und Progression neu gedacht wurden. Dieselben Designprinzipien wandern nun rückwärts in die ältere Technik.
Wir haben dieselben Designprinzipien auf RedEngine 3 angewendet, die wir bei Cyberpunk mit RedEngine 4 gelernt haben.
Das letzte grössere Update für The Witcher 3, die Next-Gen-Fassung, war im Kern eine optische Aufwertung für stärkere Konsolen. Der Remaster zielt erklärtermassen tiefer - und bereitet gleichzeitig den Boden für die Erweiterung Songs of the Past, die 2027 folgen soll und ihrerseits neue Funktionen mitbringt.
Aktive Fähigkeiten statt Passiv-Einerlei - und eine Eisenkette
Am Fähigkeitenbaum wird ebenfalls geschraubt. Sasko kritisiert am Original, dass sich unterschiedliche Builds zu viele passive Fertigkeiten geteilt hätten. Der Remaster setzt deshalb stärker auf aktive Fähigkeiten, die im Kampf spürbar sind, samt neuer Bewegungen und Synergien. Dazu kommt ein Werkzeug, das Fans der Vorlage sofort einordnen dürften.
Wir fügen auch neue Werkzeuge hinzu, etwa die Eisenkette. Die Kette wurde in den Büchern mehrfach erwähnt und war in berühmten Szenen zu sehen, etwa im CGI-Intro von Witcher 1. Ich bin froh, dass wir dieses dynamische Element endlich in den Kampf bringen können.
- Überarbeiteter Nahkampf mit neuen Finishern
- Neue Verhaltensweisen für Monster
- Runderneuerter Fähigkeitenbaum mit mehr aktiven Optionen
- Angepasste Bewegungssteuerung und Erkundung
- Überarbeitetes Reiten und ein erweiterter Fotomodus
- «Immersive Meditation» als neues Detail im Ablauf
Warum das Upgrade nichts kostet
Die zweite Nachricht ist die kommerzielle. CD Projekt hätte für eine modernisierte Fassung eines Millionensellers problemlos Geld verlangen können - erst recht kurz vor einer neuen Erweiterung. Co-CEO Michał Nowakowski sagte im Gespräch mit The Game Business, dass diese Option nie auf dem Tisch lag. Der Remaster sei überhaupt erst aus der Arbeit an Songs of the Past mit dem Studio Fool's Theory entstanden.
Wir haben angefangen darüber zu reden, was wir verbessern könnten. Es fing mit kleinen Dingen an, dann wurde ein grösseres Projekt daraus, und plötzlich merkten wir, dass wir einen Remaster in den Händen halten.
Verdient werden soll an der Erweiterung, nicht am Unterbau: Es sei «die Art von CDPR», den Remaster jenen zu schenken, die das Spiel bereits besitzen, so Nowakowski. Die Frage nach einem Preis habe man sich schlicht nie gestellt. Wirtschaftlich hat das Unternehmen dabei Spielraum - die Halbjahreszahlen weisen ein Umsatzplus von knapp 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus, beim Gewinn aus dem laufenden Geschäft fällt der Zuwachs noch deutlicher aus.
Was Besitzerinnen und Besitzer konkret erwartet
Der Remaster erscheint am 29. September und ersetzt The Witcher 3: Complete Edition in den digitalen Shops. Enthalten sind Hearts of Stone und Blood and Wine - wer bislang nur das Hauptspiel besass, bekommt die beiden Erweiterungen damit ohne Aufpreis dazu. Zwei Sorgen, die in der Community schnell aufkamen, hat das Studio bereits ausgeräumt: Spielstände wandern mit, und Trophäen beziehungsweise Erfolge werden nicht zurückgesetzt. Ein zweiter Durchgang beginnt also nicht bei null, auch wenn Kampfsystem und Fähigkeitenbaum neu erlernt sein wollen.
Einordnung
Remaster sind in den letzten Jahren zu einem verlässlichen Geschäftsmodell geworden - meist gegen Vollpreis, oft mit überschaubarem Mehrwert. CD Projekt Red dreht die Rechnung um: Der technische und mechanische Umbau ist der Türöffner, bezahlt wird für die Geschichte, die 2027 folgt. Ob der Eingriff tatsächlich die Tiefe des Cyberpunk-2.0-Updates erreicht, lässt sich erst nach dem 29. September beurteilen. Der Anspruch, den Sasko formuliert, ist jedenfalls kein kleiner: Nicht das Aussehen eines elf Jahre alten Rollenspiels soll modernisiert werden, sondern das, was man in jeder Sekunde davon in den Händen hält.
The Witcher 3 gilt als eines der wichtigsten Rollenspiele des letzten Jahrzehnts, doch sein Kampfsystem war schon zum Release der Schwachpunkt. CD Projekt Red greift jetzt genau dort ein - und verschenkt den Umbau an alle, die das Spiel bereits gekauft haben. Für Millionen Besitzer bedeutet das einen kostenlosen Neustart in einer bekannten Welt.
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