Sony
Sony sieht sich mit Kartellklagen in fünf Ländern konfrontiert
USA, Grossbritannien, Niederlande, Portugal und Mexiko werfen dem PlayStation-Hersteller ein geschlossenes Store-System vor

KURZFASSUNG
- Sony sieht sich in den USA, Grossbritannien, den Niederlanden, Portugal und Mexiko mit Kartellklagen konfrontiert
- Kern der Vorwürfe: die 30-Prozent-Provision im PS Store und der Wegfall physischer Alternativen durch das Disc-Aus ab 2028
- In den USA einigte sich Sony bereits auf einen Vergleich über 7,85 Millionen US-Dollar
- In Grossbritannien fordern Kläger:innen umgerechnet 7,9 Milliarden US-Dollar, eine Entscheidung wird noch 2026 erwartet
Sony steht in gleich fünf Ländern vor Gericht: In den USA, Grossbritannien, den Niederlanden, Portugal und Mexiko laufen beziehungsweise liefen Klagen und Beschwerden gegen die Geschäftspraktiken rund um den PS Store. Auslöser der juristischen Serie war der Stopp des Verkaufs von Download-Codes für digitale Spiele im Einzelhandel im Jahr 2019, wie Kotaku in einer aktuellen Zusammenfassung aufzeigt. Seither gibt es für digitale PS4- und PS5-Spiele nur noch eine Bezugsquelle: den hauseigenen PS Store. Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch Sonys Ankündigung vom 1. Juli, ab Januar 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc zu pressen.
5
Länder mit laufenden oder abgeschlossenen Klagen gegen Sonys PS-Store-Praxis
30 %
Provision, die Sony bei jedem Verkauf im PS Store einbehält
7,85 Mio. $
Vergleichssumme im US-Verfahren zur Entschädigung betroffener Kund:innen
Fünf Verfahren, ein gemeinsamer Nenner
- USA (Caccuri v. Sony Interactive Entertainment): Anwälte belegten anhand von Preisdaten, dass digitale Titel im PS Store im Schnitt 74 Prozent teurer waren als physische Discs bei Händlern wie Amazon oder Best Buy. Der Rechtsstreit endete mit einem Vergleich über 7,85 Millionen US-Dollar.
- Grossbritannien (PlayStation You Owe Us): Verbraucherschützerin Alex Neill und die Kanzlei Milberg London reichten beim Competition Appeal Tribunal eine Sammelklage über umgerechnet 7,9 Milliarden US-Dollar ein. Eine Entscheidung wird noch 2026 erwartet.
- Niederlande (Fair PlayStation): Die Stiftung Stichting Massaschade & Consument fordert rund 500 Millionen Euro Entschädigung und nimmt gezielt das drohende Ende des Gebrauchtmarkts durch das Disc-Aus ins Visier. Die entscheidende Phase wird für 2027 erwartet.
- Portugal (Ius Omnibus v. Sony): Die Verbraucherschutzorganisation zog vor das nationale Wettbewerbsgericht und wirft Sony den Missbrauch seiner Plattform-Monopolstellung auf PS4 und PS5 vor.
- Mexiko: Die Abgeordnete Iraís Reyes und Senator Luis Donaldo Colosio reichten Beschwerde bei der nationalen Kartellkommission ein – das einzige Verfahren mit direktem politischem Rückenwind, das das Disc-Aus als Kernargument nutzt.
Sonys Verteidigung
Sony weist die Vorwürfe zurück und stützt seine Verteidigung im Kern auf zwei Argumente: Erstens sei der relevante Markt nicht das eigene PlayStation-Ökosystem, sondern der globale Videospielmarkt insgesamt, auf dem man mit Microsoft, Nintendo, Valve und dem Mobile-Segment im Wettbewerb stehe. Zweitens habe man als Plattforminhaber das Recht, die Vertriebswege für die eigene Hardware selbst festzulegen, ohne dass darin automatisch ein Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung liege.
“Physische Spiele fungierten historisch gesehen als indirektes wettbewerbliches Korrektiv für Verbraucher mit einer PlayStation. Verbraucher konnten eine Disc bei Händlern kaufen, auf Rabatte warten, gebrauchte Spiele erwerben oder leihen. Diese Alternativen begrenzen die Abhängigkeit vom Store.”
Juristen bezweifeln zunehmend, dass Sonys Argumentation auf Dauer standhält – insbesondere weil mit dem Disc-Aus ab Januar 2028 genau jenes Korrektiv wegfällt, auf das sich Verteidigungsstrategien bislang stützen konnten. Als möglicherweise wegweisend für den gesamten Markt gilt das Urteil der britischen Wettbewerbsbehörde, das noch im Laufe dieses Jahres erwartet wird.
COMMUNITY-UMFRAGE
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WARUM DAS WICHTIG IST
Sollte sich in einem der Verfahren ein Missbrauch der Marktmacht bestätigen, könnte das Auswirkungen auf Preise und Vertriebsstruktur im PS Store haben. Die Verfahren zeigen zudem, wie stark das geplante Ende der Disc ab 2028 auch juristisch als Verschärfung eines bestehenden Problems gewertet wird.
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