Capcom
Capcom zeigt sich unbeeindruckt vom Rückgang physischer Spiele
Der Resident-Evil-Publisher verweist auf einen Digitalanteil von rund 90 Prozent und sieht keinen nennenswerten Handlungsbedarf

KURZFASSUNG
- Ein Investor fragte Capcom nach den mittel- bis langfristigen Folgen des schrumpfenden Marktes für physische Spiele
- Capcoms Antwort: Rund 90 Prozent der Verkäufe seien bereits digital, ein spürbarer Effekt werde nicht erwartet
- Die Verkaufszahlen von Spieleeinheiten stiegen im Jahresvergleich um 68 Prozent, Pragmata übertraf die Erwartungen
- Nettoumsatz und operativer Gewinn legten um 54,7 respektive 81,1 Prozent zu
Capcom hat sich in seinem jüngsten Quartalsbericht zur Zukunft physischer Spiele geäussert und dabei denkbar knapp reagiert. Auf die Frage eines Investors, welche Auswirkungen der schrumpfende Markt für physische Spiele mittel- bis langfristig auf das Unternehmen haben werde, antwortete der japanische Publisher lediglich, rund 90 Prozent der eigenen Stückzahlen würden bereits digital verkauft, weshalb man derzeit keinen spürbaren Effekt erwarte.
Die Antwort im Wortlaut
“Etwa 90 % unserer verkauften Einheiten sind digital. Wir erwarten derzeit keine erhebliche Auswirkung.”
Diese Zurückhaltung fällt insofern auf, als selbst ein Rückgang von zehn Prozent des Umsatzes bei einem Konzern dieser Grössenordnung keine triviale Summe darstellt. Wie viele der verbleibenden physischen Käuferinnen und Käufer tatsächlich auf den Kauf verzichten würden, statt auf digitale Versionen umzusteigen, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Capcom selbst liefert dazu keine weiteren Angaben und begnügt sich mit dem Verweis auf die bereits dominante Digitalquote.
Starke Quartalszahlen als Rückenwind
Die Gelassenheit dürfte auch mit der aktuellen Geschäftsentwicklung zusammenhängen. Capcom meldete für das Quartal einen Anstieg der verkauften Spieleeinheiten um 68 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wobei die neue Marke Pragmata die eigenen Erwartungen übertraf. Der Nettoumsatz legte um 54,7 Prozent zu, der operative Gewinn stieg um 81,1 Prozent. Im offiziellen Finanzbericht betont Capcom zudem gezielte Investitionen zur weiteren Stärkung des digitalen Vertriebs im globalen Markt, unter anderem durch die Einführung neuer Marken wie Pragmata und den Ausbau des Verkaufs bestehender Kataloge.
- Verkaufte Spieleeinheiten: +68 Prozent gegenüber Vorjahresquartal
- Nettoumsatz: +54,7 Prozent
- Operativer Gewinn: +81,1 Prozent
- Digitalanteil an den Stückzahlen: rund 90 Prozent
Kontext: Sonys Disc-Aus und Nintendos Gegenbeispiel
Capcoms Haltung reiht sich in eine breitere Entwicklung der Branche ein. Sony hält trotz anhaltender Kritik von Kundinnen und Kunden an seinem Plan fest, physische PS5-Discs ab 2028 vollständig einzustellen. Der Konzern hat inzwischen sogar Warnhinweise auf PS5-Verpackungen angebracht, die auf das bevorstehende Ende des physischen Vertriebs hinweisen. Nintendo zeichnet demgegenüber ein anderes Bild: Der Konzern berichtete, dass weiterhin 38,5 Prozent seiner Verkäufe physisch erfolgen, wobei in dieser Zahl allerdings auch DLC und rein digitale Titel mitgezählt werden. Der Vergleich zeigt, wie unterschiedlich die grossen Plattformanbieter und Publisher auf den Rückgang physischer Medien reagieren.
Für Capcom scheint die Rechnung angesichts der aktuellen Zahlen aufzugehen: Steigende Verkäufe und wachsende Gewinne lassen wenig Anlass, an der eigenen Strategie zu zweifeln. Für Konsumentinnen und Konsumenten, die Wert auf physischen Spielbesitz legen, bedeutet die Haltung grosser Publisher jedoch, dass sich die Entscheidung für digitale Vertriebswege weiter verfestigt, unabhängig davon, wie gross der Widerstand einzelner Käufergruppen ausfällt.
WARUM DAS WICHTIG IST
Die Aussage zeigt, wie wenig Gewicht grosse Publisher dem Erhalt physischer Spiele beimessen, während Sony den Rückzug aus dem Disc-Geschäft ab 2028 bereits konkret vorbereitet. Für Sammler:innen und Nutzer:innen, die auf Spielbesitz statt Lizenzmodelle setzen, verengt sich der Handlungsspielraum weiter.
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