PlayStation
Ohne Discs sollen PS-Store-Preise fallen — GTA 6 spricht dagegen
Ein früherer Square-Enix-Manager sagt für die digitale PlayStation-Zukunft Steam-ähnliche Rabatte voraus — die bisherige Praxis stützt seine These nur bedingt

KURZFASSUNG
- Sony hat am 1. Juli angekündigt, ab Januar 2028 sämtliche physischen Spiele auf PlayStation einzustellen — auch von Drittanbietern
- Jacob Navok, früher Business Development bei Square Enix, erwartet dadurch tiefere Preise und mehr Rabattaktionen im PS Store
- Seine These: Preisdruck entsteht durch Konkurrenz zwischen Publishern, nicht zwischen Stores
- Gegenargumente: GTA 6 erscheint rein digital und bleibt teuer, und die Rabattkultur von Steam hat PSN bislang nicht erreicht
Sonys Entscheidung, die physischen Datenträger auf PlayStation abzuschaffen, gilt in der Community als eine der unpopulärsten der letzten Jahre. Ausgerechnet ein früherer Square-Enix-Manager liefert nun ein Argument dafür, dass Spielerinnen und Spieler davon profitieren könnten: Jacob Navok, einst Director of Business Development bei Square Enix und heute CEO von Genvid, erwartet, dass die Preise im PS Store fallen, sobald die Discs verschwunden sind. Belegt ist diese Prognose bislang nicht — und die aktuelle Marktlage liefert prominente Gegenbeispiele.
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Jan. 2028
Ab dann erscheinen alle PlayStation-Spiele ausschliesslich digital
1. Juli
Tag, an dem Sony das Ende aller physischen Medien ankündigte
90 %
Anteil digitaler Verkäufe bei Capcom — laut dem Publisher schon heute
Die These: Publisher konkurrieren, nicht Stores
Navoks Argumentation, die er auf X ausbreitete, setzt an einem oft missverstandenen Punkt an: Nicht der Store bestimmt den Preis eines Spiels, sondern der Publisher. Der Wettbewerb zwischen Plattformen wie Steam und dem Epic Games Store verbessere deshalb vor allem die Umsatzbeteiligung der Entwickler, nicht das, was an der Kasse bezahlt wird. Preisdruck entstehe erst dort, wo ein Titel direkt gegen andere Titel im selben Schaufenster antreten müsse. Als Beleg verweist Navok auf die Steam-Preisentwicklung von Final Fantasy 16, die über die Zeit stetig nach unten zeigt.
“Je stärker der PlayStation Store rein digital wird, desto mehr beschleunigt sich dieser Trend. Ihr werdet mehr Rabattaktionen und dynamische Preise wie bei Steam sehen, weil die Publisher in grösserem Ausmass untereinander konkurrieren.”
Dahinter steht die Annahme, dass die heutigen Digitalpreise faktisch an den Handel gekoppelt sind: Solange dieselbe Version im Regal steht, kann der digitale Preis kaum stark davon abweichen. Fällt diese Klammer weg, so das Kalkül, entsteht ein breiteres Preisspektrum — nach unten.
Warum die Rechnung nicht aufgehen muss
Die Gegenprobe fällt ernüchternd aus. Der grösste rein digitale Release der Branche, Grand Theft Auto 6, hat trotz fehlender Disc-Version keinen Preisnachlass erfahren. Neue Titel werden auf digitalen Plattformen tendenziell eher teurer als billiger. Und die Rabattkultur, die Navok als Vorbild heranzieht, ist ein Steam-Phänomen: Auf PSN ist sie deutlich schwächer ausgeprägt, in Nintendos eShop praktisch inexistent (unüblich, aber kein Rechtschreibfehler).
Entscheidend ist ein weiteres Argument: Digitale Verkäufe machen seit Jahren die Mehrheit aus — Capcom etwa beziffert den eigenen Digitalanteil auf rund 90 Prozent. Der von Navok beschriebene Preisverfall hätte längst einsetzen können. Genauso plausibel ist das Gegenszenario: Ohne Gebrauchtmarkt, ohne Weitergabe und ohne Handelsaktionen verlieren Publisher den letzten Grund, Preise zu senken.
Sony zieht durch — und der Widerstand wächst
An der Entscheidung selbst gibt es derweil keinen Zweifel mehr. Am 1. Juli kündigte Sony an, sämtliche physischen Medien auf PlayStation einzustellen. Ab Januar 2028 erscheinen alle Spiele digital — auch Titel von Drittanbietern und auch die Zwischenlösung mit Download-Codes in der Verpackung. Neuen PS5-Konsolen mit Laufwerk liegt inzwischen offenbar ein Hinweis bei, der Käuferinnen und Käufer auf das Support-Ende zu Beginn des Jahres 2028 aufmerksam macht.
- Publisher reagieren unterschiedlich: Capcom quittiert das Aus mit einem Achselzucken und verweist auf 90 Prozent Digitalanteil
- Stop Killing Games und DoesItPlay unterstützen eine Klage, die sich gegen Sonys Kontrolle über die Preisgestaltung im PlayStation Store richtet
- Bei Phantom Blade Zero starteten die Vorbestellungen rein digital — ohne Hinweis auf eine physische Fassung
- Wer eigene PlayStation-Discs pressen möchte, stösst bei Sony bislang auf Schweigen
Einordnung
Navoks Prognose ist ökonomisch nachvollziehbar, ruht aber auf einer Kette von Annahmen — vor allem darauf, dass Publisher freiwillig Spielraum nach unten nutzen, statt ihn nach oben auszuloten. Selbst wenn die Preise nachgeben würden, wäre damit kein einziger der eigentlichen Kritikpunkte gelöst: Fragen des digitalen Eigentums bleiben offen, und wer eine Disc im Regal will, hat ab 2028 schlicht keine Option mehr. Ob dieser Tausch am Ende zugunsten der Spielerschaft ausgeht, ist derzeit vor allem eine Frage der Perspektive — und eine, die sich frühestens in den ersten Monaten nach dem Umstieg beantworten lässt.
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Was passiert mit den Preisen im PS Store, wenn 2028 die Discs verschwinden?
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WARUM DAS WICHTIG IST
Ab 2028 gibt es auf PlayStation keine Alternative zum digitalen Kauf mehr — was der PS Store verlangt, ist dann der Preis. Ob dieser Wegfall von Gebrauchtmarkt und Handelsrabatten zu mehr Aktionen oder zu stabil hohen Preisen führt, entscheidet direkt darüber, wie teuer Gaming auf Sonys Plattform in den kommenden Jahren wird.
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