BREAKINGXboxPC

Physint

Sony wollte Physint streichen - jetzt rettet Xbox Kojimas Spionage-Spiel

Hideo Kojima schildert, wie im Juni eine Absage von Sony kam - und warum sein Metal-Gear-Nachfolger nun bei Xbox Game Studios erscheint

Republic of Pixels Redaktion10. September 2026 · 05:03 Uhr4 Min. Lesezeit
Sony wollte Physint streichen - jetzt rettet Xbox Kojimas Spionage-Spiel
Bild: Gematsu
Kurzfassung
  • Physint erscheint künftig bei Xbox Game Studios, Sony Interactive Entertainment zieht sich aus dem Projekt zurück
  • Laut Kojima erreichte Kojima Productions Mitte Juni 2026 eine Mitteilung von SIE, das Projekt zu streichen - danach folgten drei Monate Partnersuche
  • Die Zusammenarbeit mit Xbox geht über Spiele hinaus und umfasst künftig auch Film und Fernsehen
  • Plattformen und Erscheinungstermin sind weiterhin offen, OD kommt vor Physint

Physint, das im Januar 2024 angekündigte Action-Spionage-Spiel von Kojima Productions, wechselt den Publisher: Künftig veröffentlicht Xbox Game Studios das Projekt. Sony Interactive Entertainment zieht sich zurück - und laut Hideo Kojima selbst hätte das Spiel um ein Haar gar nicht überlebt. Der Entwickler schildert auf X, dass Sony das Projekt im Juni stoppen wollte und Kojima Productions daraufhin drei Monate lang nach einem neuen Partner suchte.

EXTERNER INHALT VON X

Beim Laden werden Daten an X übermittelt, und X kann Cookies setzen.

Juni 2026

Zeitpunkt, zu dem laut Kojima die Streichungsmitteilung von SIE eintraf

3 Monate

Dauer der Suche nach einem neuen Publisher-Partner

5-6 Jahre

Zeitraum, den Kojima im vergangenen Jahr bis zur Fertigstellung veranschlagte

Kojimas Version: Erst die Absage, dann die Suche

Am deutlichsten wird der Ablauf in Kojimas eigener Schilderung. Der Studiogründer beschreibt, dass Kojima Productions Mitte Juni dieses Jahres eine Mitteilung von Sony Interactive Entertainment erhielt, wonach das laufende Projekt Physint eingestellt werde. Statt es dabei zu belassen, habe das Studio Rat bei Fachleuten aus verschiedenen Bereichen eingeholt und parallel Verhandlungen geführt.

Für mich persönlich und auch für Kojipro ist «PHYSINT» ein wichtiges Projekt, und um es unter allen Umständen fortzuführen, haben wir in den vergangenen drei Monaten nach einem «neuen Partner» gesucht. Das «Espionage Action»-Spiel der nächsten Generation «PHYSINT» befindet sich weiterhin in Produktion, macht euch also bitte keine Sorgen.
Hideo Kojima auf X (aus dem Japanischen übersetzt)

Das Ergebnis: Kojima Productions arbeitet erneut mit Xbox zusammen - mit einem Partner, mit dem man laut Kojima eine gemeinsame «Vision für die Zukunft» teile.

Sonys Formulierung klingt anders

Sony Interactive Entertainment bestätigte den Ausstieg in einer knappen Mitteilung - allerdings in deutlich weicherer Sprache. Von einer Streichung ist dort keine Rede, stattdessen von einer schwierigen Entscheidung.

Nach sorgfältiger Abwägung haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, uns aus der Zusammenarbeit mit Kojima Productions an dessen Projekt Physint zurückzuziehen. Wir haben weiterhin grosse Bewunderung für Hideo Kojimas Vision für das Spiel. Unsere Beziehung ist nach drei Jahrzehnten branchenführender, genreprägender kreativer Zusammenarbeit weiterhin stark.
Sony Interactive Entertainment

Der Kontrast zur ursprünglichen Ankündigung könnte kaum grösser sein. Bei der State of Play im Jahr 2024 stand PlayStation-Studios-Chef Hermen Hulst persönlich neben Kojima auf der Bühne, schüttelte ihm die Hand und sprach von einem Abenteuer, zu dessen Neuerfindung er Kojima seit Jahren ermutigt habe. Man werde das Projekt mit den neuesten Innovationen unterstützen, die Sony zu bieten habe. Der Teaser endete damals mit einer Kamerafahrt aus dem Gebäude heraus - hin zu einem Schriftzug von Columbia Pictures, dem zu Sony gehörenden Filmstudio.

Für Xbox ist es mehr als nur ein Spiel

Auf Seiten von Microsoft fällt die Reaktion entsprechend selbstbewusst aus. Xbox-CEO Asha Sharma, die in diesem Jahr auf den in den Ruhestand gegangenen Phil Spencer folgte, ordnet den Deal in ihrem Beitrag im Xbox Wire als kreatives Bekenntnis ein.

Kreative haben die Wahl, wo und wie sie ihre Ideen zum Leben erwecken. Wir fühlen uns geehrt, dass Kojima-san sich für Xbox entschieden hat, um mit Kojima Productions an Physint zu arbeiten. Sein Ehrgeiz, Konventionen herauszufordern, spiegelt genau die Kreativität wider, die wir bei Xbox unterstützen wollen.
Asha Sharma, CEO von Xbox

Physint ist dabei nicht das erste gemeinsame Projekt. Xbox veröffentlicht bereits den Horrortitel OD, der als geistiger Nachfolger des nie fertiggestellten P.T. gilt. Kojima selbst betont, dass sich die Beziehung nun ausweite - und zwar über Spiele hinaus: Beide Seiten wollen künftig auch bei Film und Fernsehen zusammenarbeiten, um Geschichten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Damit besetzt Microsoft ausgerechnet jenes Feld, das Sony mit dem Columbia-Pictures-Auftritt 2024 für sich reklamiert hatte.

Einzuordnen ist der Schritt auch im Kontext des laufenden Umbaus bei Xbox: Sharmas «Reset» kostete Tausende Beschäftigte den Job, mehrere Studios wurden in die Unabhängigkeit entlassen, diverse Projekte gestrichen. OD galt laut IGN bereits im Juli als von diesen Massnahmen ausgenommen. Parallel setzt Xbox wieder verstärkt auf Konsolenexklusivtitel - beginnend mit Gears of War: E-Day in diesem Jahr und fortgesetzt mit Clockwork Revolution 2027.

Was über Physint bislang bekannt ist

Inhaltlich ist der Wissensstand weiterhin schmal. Physint ist ein Arbeitstitel; Kojima beschrieb das Projekt bei der Ankündigung als interaktives Spiel, das zugleich ein Film sei. Optik, Story, Thema, Besetzung, Schauspiel, Mode und Sound sollen auf einer Stufe stehen, die er als nächste Stufe der digitalen Unterhaltung bezeichnet. Zuletzt äusserte sich Kojima im September 2025 beim Jubiläumsevent zum zehnjährigen Bestehen von Kojima Productions in Japan offiziell zum Spiel.

  • Damals hiess es, die Entwicklung stehe erst am Anfang - Kojima arbeitete allein an Konzepten, Figuren und der Besetzung
  • Die technische Basis soll fortschrittlicher sein als jene der Death-Stranding-Spiele und von OD; welche Engine zum Einsatz kommt, ist unbekannt
  • Bestätigt sind drei Darstellende: Charlee Fraser (Furiosa), Don Lee (Eternals) und Minami Hamabe (Godzilla Minus One)
  • OD erscheint vor Physint; Plattformen und ein Erscheinungstermin wurden bislang nicht genannt

In dieser Woche kursierte zudem die Vermutung, dass Batman-Darsteller Robert Pattinson eine Rolle übernehmen könnte. Bestätigt ist das nicht - es handelt sich um Spekulationen aus der Community. Ebenso unbestätigt bleibt, für welche Hardware Physint letztlich erscheint; IGN vermutet einen Zusammenhang mit Project Helix, offiziell bestätigt ist auch das nicht.

Einordnung

Dass ein Plattformhalter ein AAA-Projekt an einen direkten Konkurrenten verliert, ist eine Seltenheit - IGN zieht den Vergleich zum Wechsel von Final Fantasy von Nintendo zu PlayStation in der PS1-Ära. Für Xbox ist das ein PR-Erfolg zum richtigen Zeitpunkt, nach einem Jahr voller Streichungen und Entlassungen. Für die Spielerschaft bleiben zwei offene Fragen: auf welchen Systemen Physint erscheint - und wann. Kojimas eigene Schätzung von fünf bis sechs Jahren stammt aus dem vergangenen Jahr, ein Publisherwechsel mitten in der Entwicklung dürfte den Zeitplan kaum verkürzen.

Warum das wichtig ist

Physint galt als eines der grössten Prestigeprojekte von PlayStation - und wechselt nun zur direkten Konkurrenz. Für Spielerinnen und Spieler heisst das: Wer den geistigen Metal-Gear-Nachfolger spielen will, muss womöglich das Ökosystem wechseln. Und für die Branche ist es ein seltener Fall, in dem ein First-Party-Anbieter ein AAA-Projekt an einen anderen verliert.

COMMUNITY-UMFRAGE

Wer verliert bei diesem Wechsel am meisten?

Anonym abstimmen und sehen, was die Community denkt.

HYPE-METER

Noch keine Stimmen - gib die erste ab

QUELLEN (2)
TEILEN

Kommentare

Kommentare werden geladen …

Mehr zum Thema