Doom: The Dark Ages
«Es war brutal» - id-Entwickler über 17-Stunden-Tage
Ein entlassener Producer schildert, wie der Doom-DLC Revelations in nur drei bis vier Monaten entstand - und was das Team dafür geopfert hat

- Producer Andrew Willis berichtet von bis zu 17-Stunden-Tagen beim Doom-DLC Revelations
- Der Grossteil des Zusatzinhalts entstand laut ihm in nur drei bis vier Monaten
- Willis wurde im Zuge der Microsoft-Entlassungen von 3200 Stellen gekündigt - direkt vor dem Release
- id Software soll über die Hälfte seiner Belegschaft verloren haben, Co-Studioleiter Hugo Martin widerspricht dem Untergangsnarrativ
Der Zusatzinhalt Doom: The Dark Ages - Revelations erschien im Juli, in derselben Woche, in der Microsoft die Streichung von 3200 Stellen bekanntgab. Betroffen war nahezu das gesamte Studioportfolio von Xbox - darunter auch id Software. Einer der Entwickler, die wochenlang durchgearbeitet hatten, um den DLC pünktlich fertigzustellen, verlor seinen Job praktisch zeitgleich mit dem Release. Producer Andrew Willis hat gegenüber Insider Gaming nun geschildert, wie die Schlussphase der Produktion ablief.
17 Std.
längste Arbeitstage, die Willis nach eigener Aussage erreichte
3-4 Monate
in denen laut Willis der Grossteil des DLC entstand
3200
von Microsoft gestrichene Stellen im selben Zeitraum
Zwei Monate mit mindestens zwölf Stunden pro Tag
Willis beschreibt die letzten beiden Monate vor dem Launch als Dauerbelastung: Man habe «so etwas wie mindestens zwölf Stunden jeden Tag» gearbeitet. An einzelnen Tagen sei es deutlich mehr geworden. Der Preis dafür war privat spürbar - und laut ihm nicht nur für ihn allein.
Ich weiss, dass ich an ein paar Tagen 17 Stunden erreicht habe. Es war brutal, und der Grossteil des Spiels wurde in drei oder vier Monaten gemacht.
Es gab Tage, an denen ich meinen Sohn den ganzen Tag nicht gesehen habe; mehrere solcher Tage habe ich geopfert, um das hier in dieser Qualität rauszubringen. Und das gilt nicht nur für mich, sondern alle im Team haben wirklich die Stunden reingesteckt.
Angeordnet wurde der Crunch nicht - aber die Arbeit war da
Bemerkenswert ist Willis' Einordnung: Das Studio habe die Überstunden nicht verordnet. Stattdessen sei schlicht mehr Arbeit verteilt worden, als in eine normale Woche passt - mit einem Qualitätsanspruch, den die Beteiligten selbst nicht unterschreiten wollten. Er nennt das eine Art «pseudo-erzwungenen Crunch».
Man bekommt 60 Stunden Arbeit für eine Woche aufgeladen, und was macht man dann? Man kann daraus eine Version basteln, die wahrscheinlich gerade so durchgeht - aber will man das mit seinem Namen unterschreiben?
Laut Willis hätten Teammitglieder, die 20 Jahre in Hollywood und zehn Jahre in der Spieleentwicklung gearbeitet haben, gesagt, dies sei der schlimmste Crunch gewesen, an dem sie je beteiligt waren. Die Kündigung kam für ihn unmittelbar danach: «Man steckt so viel Energie und Lebenszeit hinein und opfert eine Menge, um etwas fertigzubekommen - und dann entlassen sie einen am Tag davor. Das ist so ein irres Gefühl.»
Ein Studio, über dessen Zustand gestritten wird
id Software traf die Entlassungswelle Berichten zufolge besonders hart - das Studio soll über die Hälfte seiner Mitglieder verloren haben, darunter langjährige und leitende Kräfte, die für die id-Tech-Engine und weitere Kerndisziplinen zuständig waren. Wie gravierend das wirklich ist, wird seither diskutiert.
- Ein Teil der Branche sieht id Software als ausgehöhlt an, weil zentrales Engine-Know-how abgeflossen sei
- Co-Studioleiter Hugo Martin widerspricht: Das verbleibende Team habe etwa die Grösse jenes Teams, das Doom (2016) gemacht hat
- Chris Hayes, weiterhin bei id tätig, hält es dagegen für unmöglich, mit der verbliebenen Mannschaft Spiele vom Kaliber Doom (2016) zu produzieren
Für Spielerinnen und Spieler heisst das konkret: Revelations bleibt der einzige Zusatzinhalt für Doom: The Dark Ages. Was id Software als Nächstes entwickelt, ist bislang nicht bekannt.
Einordnung
Willis' Schilderung ist eine persönliche Darstellung, keine offizielle Stellungnahme des Studios - id Software oder Microsoft haben sich dazu nicht geäussert. Sie fügt sich aber in ein Muster ein, das die Debatte um die Xbox-Entlassungen seit Monaten prägt: Ein Team liefert unter maximalem Druck ab, und der Sparbeschluss trifft es unabhängig vom Ergebnis. Wer auf ein neues Doom hofft, sollte das im Hinterkopf behalten - nicht weil das nächste Projekt zwangsläufig schlechter wird, sondern weil die Zeitpläne dahinter offenbar deutlich weniger Puffer haben, als das Endprodukt vermuten lässt.
Revelations ist der einzige Zusatzinhalt für Doom: The Dark Ages - und offenbar unter Bedingungen entstanden, die selbst erfahrene Branchenveteranen als aussergewöhnlich hart beschreiben. Wer wissen will, in welchem Zustand id Software als Studio ist und wie zuverlässig kommende Doom-Projekte sein können, findet hier die konkreten Zahlen hinter der Debatte.
COMMUNITY-UMFRAGE
Wie beurteilt ihr die Lage bei id Software nach den Entlassungen?
Anonym abstimmen und sehen, was die Community denkt.
HYPE-METER
Noch keine Stimmen - gib die erste ab
QUELLEN (1)
MEHR ZU DIESEN THEMEN
WEITERLESEN
Kommentare
Kommentare werden geladen …



