Nova Games Foundation
Keighley und Cerny verschenken Millionen - ohne einen Cent Beteiligung
Die Nova Games Foundation vergibt jedes Jahr 20 sechsstellige Stipendien an frische Absolventinnen und Absolventen - Rückzahlung ausgeschlossen

- Geoff Keighley und Mark Cerny gründen die Nova Games Foundation und geben ab sofort jährlich rund zwei Millionen Dollar an junge Entwickler:innen weiter.
- 20 Stipendien pro Jahr, Startsumme 100'000 Dollar, in Ausnahmefällen bis zu 500'000 Dollar - gebunden an Entwicklungs-Meilensteine.
- 13 Hochschulprogramme weltweit sind Partner, darunter NYU, USC, Abertay, Cnam-Enjmin, RMIT und die TH Köln.
- Die Stiftung nimmt keine Anteile und verlangt kein Geld zurück; bewerben können sich die Jahrgänge 2026 und 2027.
Zwei der bekanntesten Gesichter der Spielebranche legen zusammen: Geoff Keighley, Erfinder und Moderator von The Game Awards, und Mark Cerny, Systemarchitekt der PlayStation 5, haben die Nova Games Foundation gegründet. Die Stiftung soll jedes Jahr rund zwei Millionen Dollar an frisch diplomierte Spieleentwickler:innen ausschütten, damit deren Abschlussprojekte tatsächlich als fertige Spiele auf den Markt kommen. Beide haben laut eigener Aussage jeweils einen Millionenbetrag eingebracht. Zuerst berichtete Stephen Totillo für Game File über das Vorhaben.
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2 Mio. $
Fördersumme, die die Stiftung pro Jahr ausschütten will
20
Stipendien jährlich für Absolventinnen und Absolventen
100'000-500'000 $
Spanne pro Förderung, gestaffelt nach Meilensteinen
Sechsstellig ab dem ersten Tag - der Rest kommt in Etappen
Das Modell ist bewusst schlicht gehalten. Wer ausgewählt wird, startet mit 100'000 Dollar. Projekte, die als besonders vielversprechend gelten, können auf bis zu 500'000 Dollar aufgestockt werden - allerdings nicht auf einen Schlag: Die volle Summe wird erst freigegeben, wenn definierte Entwicklungs-Meilensteine erreicht sind. Es ist also kein Blankoscheck, sondern eine Förderung mit Taktung, wie man sie sonst von Publisher-Verträgen kennt. Nur ohne die üblichen Gegenleistungen.
- 20 Stipendien pro Jahr an Absolventinnen und Absolventen von Partnerhochschulen
- Einstiegssumme 100'000 Dollar, Aufstockung auf bis zu 500'000 Dollar möglich
- Auszahlung an Entwicklungs-Meilensteine gekoppelt
- Keine Firmenanteile, keine Rückzahlung, keine Beteiligung am Umsatz
- Bewerbungen offen für die Abschlussjahrgänge 2026 und 2027
13 Hochschulen weltweit - eine davon in Deutschland
Nova arbeitet mit 13 universitären Studiengängen rund um den Globus zusammen. Dazu gehören die New York University und die University of Southern California, die traditionsreiche Abertay University in Schottland, das Cnam-Enjmin in Frankreich, das Royal Melbourne Institute of Technology in Australien - und mit der TH Köln auch eine deutsche Hochschule. Für den deutschsprachigen Raum ist das die vielleicht wichtigste Fussnote der ganzen Meldung: Wer in Köln Game Development studiert, hat ab dem Jahrgang 2026 plötzlich Zugriff auf einen Fördertopf, den es in dieser Form bislang nicht gab.
Organisatorisch steht die Stiftung bereits: John Maconga übernimmt als Executive Director die Leitung, Ashley Corrigan, ehemalige Direktorin der Game Developers Conference, verantwortet als Head of Grants die Vergabe. Mit Corrigan holen sich Keighley und Cerny jemanden an Bord, der die internationale Entwicklerszene und ihre Nachwuchsstrukturen aus jahrelanger Praxis kennt.
«Wir nehmen keine Anteile» - warum Keighley kein Investor sein will
Für Keighley ist die Konstruktion als reine Philanthropie kein Detail, sondern die Voraussetzung. Als Moderator und Kurator der grössten Branchenshows wäre jede finanzielle Beteiligung an einzelnen Spielen ein Interessenkonflikt - ein Vorwurf, der ihm ohnehin regelmässig entgegengehalten wird.
Ich wollte immer etwas zurückgeben, aber angesichts meiner Rolle in der Branche habe ich es nie für angemessen gehalten, kommerziell in Spiele zu investieren. Ich habe nie Aktien eines Spieleunternehmens besessen oder eine finanzielle Beteiligung an einem Spiel gehalten. Nova ist Philanthropie: Wir nehmen keine Anteile und wollen die Zuschüsse nicht zurückerhalten. Die Rendite, die wir uns erhoffen, ist kreativ - neuen Stimmen dabei zu helfen, Spiele zu machen und Fuss zu fassen.
Als Vorbilder nennen die Gründer ausdrücklich das Rhodes-Stipendium und die sogenannten Genius Grants der MacArthur Foundation - also Programme, die Menschen fördern statt Produkte. Entsprechend sollen bei der Auswahl künstlerischer, literarischer und gesellschaftlicher Wert eines Projekts im Vordergrund stehen, nicht dessen Marktpotenzial. Zur Förderung gehören zudem Mentoring und der Versuch, die Geförderten in feste Anstellungen zu vermitteln.
Cerny sieht das Ende seiner Laufbahn - Keighley denkt an die Zeit danach
Die Idee entstand laut Game File aus der wachsenden Freundschaft der beiden. Cerny, seit den Achtzigern in der Branche und massgeblich für die Hardware-Architektur der PlayStation-Konsolen verantwortlich, sagte demnach, er nähere sich dem Ende seiner Karriere und wolle etwas weitergeben. Keighley wird deutlich persönlicher.
Es gibt auch eine persönliche Seite. Ich habe keine Kinder und habe viel darüber nachgedacht, was ich für kommende Generationen tun kann. Spiele waren meine gesamte Karriere. Ich hatte unglaubliches Glück, und jemand anderem dabei zu helfen, sich in dieser Branche ein Leben aufzubauen, fühlt sich nach einer sinnvollen Art an, etwas zurückzugeben.
Die zwei Millionen pro Jahr sind dabei nur der Anfang. Nova ist als Stiftungskapital angelegt, das über die nächsten zehn bis zwanzig Jahre wachsen soll. Beide Gründer haben angekündigt, weiter einzuzahlen - und laden andere ausdrücklich ein, mitzumachen.
Einordnung: ein Rettungsring, aber keine Rettung
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Genau jene Sprosse der Karriereleiter, auf die Hochschulabsolvent:innen früher gestiegen sind - der Junior-Job im Studio, das erste finanzierte Debütprojekt -, ist in weiten Teilen der Branche verschwunden. Nova setzt bewusst dort an: 20 Menschen pro Jahr sollen den Sprung vom Abschlussprojekt zum veröffentlichten Spiel schaffen und dabei begleitet werden.
Man sollte die Zahlen trotzdem einordnen. 20 Stipendien jährlich sind, gemessen an tausenden Absolventinnen und Absolventen weltweit und an den Entlassungswellen der vergangenen Jahre, ein sehr kleiner Rettungsring. Und die Auswahl über 13 Partnerhochschulen bedeutet, dass Talente ausserhalb dieser Institutionen zunächst aussen vor bleiben. Was Nova von reinen Absichtserklärungen unterscheidet, ist die Konstruktion: kein Equity, keine Rückzahlung, kein Vermarktungsdruck. Wer hier gefördert wird, muss kein Spiel bauen, das eine Umsatzprognose erfüllt - sondern eines, das etwas zu sagen hat. Ob daraus tatsächlich die nächste Generation von Studioleitungen erwächst, wie es die Gründer hoffen, wird sich erst zeigen, wenn die ersten geförderten Spiele erscheinen. Die Bewerbungsphase für die Jahrgänge 2026 und 2027 läuft.
Debütspiele von Hochschulabgängern finden derzeit kaum noch Geldgeber, weil Publisher und Investoren risikoscheu geworden sind. Ein Fördertopf, der weder Anteile noch Rückzahlungen verlangt, kann genau die eigenwilligen kleinen Spiele ermöglichen, die sonst gar nicht erst entstehen. Für Spielerinnen und Spieler entscheidet sich hier mit, wie vielfältig das Angebot in fünf Jahren aussieht.
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