NEWSPCPlayStationXbox

Star Wars Zero Company

Bestes Star-Wars-Spiel seit 22 Jahren - Team unbezahlt freigestellt

Bis zu 80 Prozent der Belegschaft von Bit Reactor sollen kurz vor dem Launch von Star Wars Zero Company in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt worden sein

Republic of Pixels Redaktion01. September 2026 · 07:04 Uhr4 Min. Lesezeit
Bestes Star-Wars-Spiel seit 22 Jahren - Team unbezahlt freigestellt
Bild: Kotaku
Kurzfassung
  • Laut einem Bericht von Game File wurden bis zu 80 Prozent der Bit-Reactor-Belegschaft vor dem Launch unbezahlt freigestellt - offiziell nicht entlassen, aber ohne Lohn.
  • Star Wars Zero Company erschien Ende August und ist laut Metacritic das bestbewertete Star-Wars-Spiel zum Start seit Knights of the Old Republic II (2004).
  • Ein Studiosprecher bestätigte die Freistellungen, nannte aber keine Zahlen; Grund sei die Unsicherheit über die Verkaufsleistung - die Entscheidung sei von Bit Reactor ausgegangen, nicht von EA oder Disney.
  • Parallel läuft eine Klage der früheren COO Alison Kelly gegen Mitgründer Greg Foertsch, ein Prozess ist erst für 2027 angesetzt.

Star Wars Zero Company ist der Achtungserfolg dieses Sommers: Das Taktik-Rollenspiel im XCOM-Stil ist das Debüt des Studios Bit Reactor, hat laut Metacritic die höchsten Startwertungen aller Star-Wars-Spiele seit 2004 und stand nach dem Launch Ende August an der Spitze der Steam-Verkaufscharts. Doch ein grosser Teil der Menschen, die das Spiel gebaut haben, hat davon nichts. Laut einem Bericht des Branchenmagazins Game File wurden in den Wochen vor der Veröffentlichung bis zu 80 Prozent der Belegschaft in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt.

80 %

der Belegschaft sollen unbezahlt freigestellt worden sein

22 Jahre

so lange lag das letzte Star-Wars-Spiel mit besseren Startwertungen zurück

2027

erst dann ist der Prozess im Streit der Studiogründung angesetzt

Freigestellt heisst: angestellt, aber ohne Lohn

Der Unterschied zwischen einer Entlassung und einem sogenannten Furlough ist juristisch erheblich, praktisch aber bitter: Die Betroffenen bleiben formal beim Unternehmen angestellt, erhalten für die Dauer der Freistellung jedoch keinen Lohn. Ein Sprecher von Bit Reactor bestätigte gegenüber Game File, dass es solche Freistellungen gegeben hat, wollte aber nicht sagen, wie viele Personen betroffen sind. Die Zahl von bis zu 80 Prozent stammt laut Bericht von weiteren Quellen.

Als Begründung nennt der Sprecher die Unsicherheit darüber, wie sich das Spiel zum Start verkaufen würde. Die Entscheidung sei von Bit Reactor selbst getroffen worden, nicht von Publisher Electronic Arts oder von Lizenzgeber Disney. Man hoffe, die freigestellten Mitarbeitenden bei voller Bezahlung zurückholen zu können. Im Studio soll aktuell nur eine Minimalbesetzung arbeiten, die nach dem Launch auftretende Fehler und Probleme abfängt.

Entscheidend für die Einordnung: Die Freistellungen fielen bereits vor den ersten Testberichten. Das Management traf die Entscheidung also, ohne zu wissen, dass das Spiel wenige Wochen später als kleine Sensation gefeiert werden würde.

«Es fühlt sich an, als hielte man das Team in der Warteschleife»

Öffentlich gemacht hat die Sache Zachariah Scott, ein ehemaliger Entwickler von Bit Reactor, der das Studio bereits Anfang des Jahres verlassen musste. Auf LinkedIn kritisierte er den Kontrast zwischen den Jubelposts zum Launch und der Situation des Teams.

Es ist krank und seltsam, dass all diese Leute von EA und Disney sowie die leitenden Mitarbeitenden von Bit Reactor diese ganzen 10/10-Posts über Star Wars Zero Company als riesigen Erfolg absetzen und die Arbeit des Teams loben, während sie offenbar verschweigen, dass das Team vor Wochen freigestellt wurde.
Zachariah Scott, ehemaliger Entwickler bei Bit Reactor, auf LinkedIn

Scott legte nach und sprach von einem Muster, das sich in der Branche wiederhole: wieder ein Konzernspiel an der Spitze von Steam, während das Team auf Jobsuche sei und von jeder möglichen Gewinnbeteiligung abgeschnitten bleibe. Es wäre laut Scott eine ganz andere Geschichte gewesen, wenn das Studio früher offen damit umgegangen wäre. So aber fühle es sich an, als wolle man das Team mit guter Stimmung und weiteren leeren Versprechen in einer Warteschleife halten.

Ein Debüt, das eigentlich alles richtig gemacht hat

Der Widerspruch ist der eigentliche Kern der Geschichte. Star Wars Zero Company ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bit Reactor und Respawn Entertainment, veröffentlicht von Electronic Arts, und es erschien Ende August gleichzeitig für PC, PS5 und Xbox. Die Fachpresse reagierte nahezu einhellig positiv. Bei PC Gamer sprach Tester Ted Litchfield von «einem neuen Star-Wars-Klassiker für die Ewigkeit und einem herausragenden Debüt für Bit Reactor». In den Metacritic-Startwertungen liegt kein Star-Wars-Spiel seit Knights of the Old Republic II - The Sith Lords aus dem Jahr 2004 höher.

  • Genre: rundenbasiertes Taktik-Rollenspiel, wiederholt mit XCOM verglichen
  • Entwicklung: Bit Reactor gemeinsam mit Respawn Entertainment, Publisher ist Electronic Arts
  • Plattformen: PC (Steam), PlayStation 5 und Xbox
  • Status kurz nach Launch: meistverkauftes Spiel auf Steam

Offen bleibt bislang, wie viele Exemplare tatsächlich verkauft wurden - und vor allem, wie viele es sein müssten, damit die freigestellten Mitarbeitenden wieder Lohn erhalten. Von einem Bonus für ein kritisch gefeiertes Debüt ist ohnehin nicht die Rede.

Im Hintergrund: Streit zwischen den Gründungsköpfen

Die Freistellungen tauchen auch in einem laufenden Rechtsstreit auf. Die frühere Chief Operating Officer des Studios, Alison Kelly, wirft Mitgründer Greg Foertsch vor, sie aus dem Unternehmen gedrängt und ihr einen gleichwertigen Eigentumsanteil verweigert zu haben. Foertsch weist die Vorwürfe zurück; seine Anwälte argumentieren, Kellys Rolle im Unternehmen sei wegen mangelhafter Arbeitsleistung reduziert worden.

Die Behauptungen der Klägerin, Foertsch habe ihr den Zugang zu den Büchern verweigert, sich selbst finanzielle Vorteile zugeschanzt und sie zu Unrecht entlassen, sind haltlos.
Aus einer Gegendarstellung von Foertschs Anwälten, zitiert nach Game File

Ein Prozesstermin ist erst für 2027 angesetzt. Bis dahin dürfte sich manche Frage von selbst beantwortet haben - oder eben nicht: Wie das Studio in gut einem Jahr aussieht, ist derzeit völlig offen.

Was das für die Zukunft der Marke bedeutet

Für Spielerinnen und Spieler ist die unmittelbare Konsequenz überschaubar, aber real: Wenn nur eine Minimalbesetzung an Bord ist, dürften Patches und Fehlerbehebungen nach dem Launch langsamer kommen als bei einem voll besetzten Team. Mittelfristig geht es um mehr. Ob eine Fortsetzung überhaupt grünes Licht bekommt, entscheidet inzwischen Electronic Arts, das seit Kurzem in saudi-arabischem Besitz ist - und die Personalsituation bei Bit Reactor macht diese Rechnung nicht einfacher.

Einordnung: Der Fall reiht sich in eine Serie von Berichten über Entlassungen und Kürzungen ein, die 2026 quer durch die Branche gehen. Neu ist hier die Konstellation. Bislang traf es meist Teams nach enttäuschenden Verkäufen oder eingestellten Projekten. Bit Reactor hat ein hoch bewertetes, gut verkauftes Spiel abgeliefert - und trotzdem sassen weite Teile des Teams zum Launch ohne Lohn zu Hause. Das ist der eigentlich beunruhigende Teil dieser Geschichte: Qualität und Erfolg reichen offenbar nicht mehr aus, um Arbeitsplätze abzusichern.

Warum das wichtig ist

Star Wars Zero Company ist genau das Spiel, das sich viele wünschen: ein Debüt mit Top-Wertungen, das gerade die Steam-Charts anführt. Wenn selbst dieser Erfolg das Team nicht vor unbezahlter Freistellung schützt, sagt das mehr über den Zustand der Branche aus als jede Entlassungswelle bei einem Grosskonzern. Und es beeinflusst, ob Fortsetzungen solcher Nischenprojekte überhaupt noch entstehen.

COMMUNITY-UMFRAGE

Bit Reactor stellt kurz vor dem Launch einen Grossteil des Teams unbezahlt frei - wie bewertet ihr das?

Anonym abstimmen und sehen, was die Community denkt.

HYPE-METER

Noch keine Stimmen - gib die erste ab

QUELLEN (2)
TEILEN

Kommentare

Kommentare werden geladen …

Mehr zum Thema