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«Diese Kritik ist berechtigt» - Gamescom entschuldigt sich bei Bestohlenen

Sechs Tage nach dem ersten Statement rudern die Veranstalter zurück und kündigen einen Runden Tisch mit Indie-Ausstellern an

Republic of Pixels Redaktion04. September 2026 · 20:03 Uhr3 Min. Lesezeit
«Diese Kritik ist berechtigt» - Gamescom entschuldigt sich bei Bestohlenen
Bild: Kotaku
Kurzfassung
  • Während der Gamescom 2026 wurden mehrere Stände über Nacht durchsucht, Indie-Entwickler verloren Laptops mit ihrer Arbeit
  • Die erste Stellungnahme der Veranstalter vom 29. August verwies auf die Eigenverantwortung der Aussteller und löste heftige Kritik aus
  • Am 4. September folgte eine Entschuldigung samt Zusage für eine gesonderte Sicherheitsprüfung und einen Runden Tisch mit Indie-Ausstellern
  • Zu einer möglichen Entschädigung der Betroffenen äussert sich die Gamescom nicht

Sechs Tage nach ihrer ersten, viel kritisierten Stellungnahme hat die Gamescom sich öffentlich bei jenen Indie-Entwicklern entschuldigt, denen während der diesjährigen Messe Hardware gestohlen wurde. In einem Statement auf X räumen die Veranstalter am 4. September ein, die erste Reaktion habe nicht den richtigen Ton getroffen - und kündigen konkrete Schritte an.

EXTERNER INHALT VON X

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29. Aug.

erste Stellungnahme, die auf die Eigenverantwortung der Aussteller verwies

4. Sept.

Entschuldigung der Veranstalter auf X

6 Tage

lagen zwischen Backlash und Kurskorrektur

Was in Köln passiert ist

Während der Gamescom berichteten mehrere Aussteller, ihre Stände seien über Nacht durchwühlt worden. Besonders sichtbar wurde der Fall von Ryan Laley, Entwickler des Spiels Mimic, der sich in einer emotionalen Videobotschaft an die Öffentlichkeit wandte, nachdem seine Laptops verschwunden waren. Für kleine Teams sind solche Geräte nicht einfach Hardware, sondern häufig der einzige Ort, an dem der aktuelle Stand eines Projekts liegt.

Die Reaktion der Branche kam schnell und ohne Nachfragen: Zahlreiche Studios und Einzelpersonen boten Hilfe an, CD Projekt Red - aktuell an The Witcher 4 - erklärte sich bereit, gestohlene Ausrüstung zu ersetzen. Die Veranstalter selbst wiesen in ihrer ersten Antwort am 29. August dagegen darauf hin, dass es Sache der Aussteller sei, sich gegen Diebstahl abzusichern, unabhängig vom vorhandenen Sicherheitspersonal. Diese Haltung sorgte für breiten Widerspruch.

Die Entschuldigung im Wortlaut

Im neuen Statement geht die Gamescom deutlich weiter. Sie räumt ein, dass die Kritik der vergangenen Tage an ihrer Kommunikation zutreffend war, und benennt sowohl den emotionalen als auch den finanziellen und beruflichen Schaden.

In den vergangenen Tagen haben wir viel Kritik dafür bekommen, wie wir über den Diebstahl von Hardware mehrerer Indie-Entwickler kommuniziert haben. Diese Kritik ist berechtigt. Unsere erste Reaktion traf nicht den richtigen Ton und zeigte den Betroffenen nicht die Empathie, die sie verdient hätten. Es tut uns leid.
Gamescom, Statement auf X vom 4. September 2026

Die Veranstalter beschreiben den Vorfall als weit mehr als einen materiellen Verlust: Ein solcher Diebstahl könne die gesamte Messe für die Betroffenen ruinieren und Arbeit vernichten, die über Monate oder Jahre entstanden sei - für ein kleines Studio unter Umständen nahezu alles.

An alle Betroffenen: Wir verstehen, was euch das gekostet hat, und wir hätten das vom ersten Moment an sagen müssen.
Gamescom, Statement auf X vom 4. September 2026

Zugleich betont die Messe, die Hilfsbereitschaft der Branche entbinde die Organisatoren nicht von ihrer eigenen Verantwortung, gemeinsam mit Ausstellern und Partnern ein bestmögliches Umfeld zu schaffen.

Was die Gamescom jetzt konkret zusagt

  • Eine gesonderte Überprüfung der Sicherheit speziell für Indie-Aussteller, zusätzlich zur üblichen Auswertung des Ausstellerfeedbacks nach der Messe
  • Ein Runder Tisch mit den Organisatoren der Indie-Standflächen, um gemeinsam konkrete Massnahmen zu erarbeiten
  • Der Aufruf an weitere Betroffene, Diebstähle sowohl bei der Polizei als auch bei den Veranstaltern zu melden
  • Die Zusage, Sicherheitsprozesse gemeinsam zu prüfen und weiter zu verbessern

Die offene Frage: Entschädigung

Was in dem Statement fehlt, ist jeder Hinweis auf eine mögliche Entschädigung der bestohlenen Aussteller. PC Gamer wandte sich nach eigenen Angaben an die Koelnmesse GmbH und fragte, wie viele Vorfälle gemeldet wurden, ob eine Entschädigung geprüft oder angeboten wurde und welchen Prüf- und Kontrollverfahren das Sicherheitspersonal der Messe unterliegt. Eine inhaltliche Antwort blieb aus, die Pressestelle verwies lediglich auf die beiden veröffentlichten Stellungnahmen.

Einordnung

Die Gamescom ist die grösste Spielemesse der Welt und für viele kleine Studios der wichtigste Termin des Jahres - dort entstehen Kontakte zu Publishern, Partnern und Publikum, die sich anderswo kaum ersetzen lassen. Genau deshalb wiegt der Vorwurf schwer, dass unklar blieb, wann Geräte weggeschlossen werden müssen und wofür die Messe selbst geradesteht. Die Entschuldigung kommt spät, aber sie benennt das Problem und stellt erstmals Prozesse in Aussicht statt Eigenverantwortung. Ob daraus mehr wird als Schadensbegrenzung, entscheidet sich nicht im Statement, sondern daran, wie die Stände 2027 gesichert sind - und ob die Betroffenen von 2026 am Ende auf ihrem Schaden sitzen bleiben.

Warum das wichtig ist

Die Gamescom ist die grösste Spielemesse der Welt - für kleine Studios oft die einzige Chance, ihr Projekt vor Publikum und Geschäftspartnern zu bringen. Wenn dort Arbeit von Monaten oder Jahren verschwindet, trifft das am Ende auch die Spiele, die nie erscheinen. Wie die Messe mit Sicherheit umgeht, entscheidet mit darüber, wer sich einen Auftritt in Köln überhaupt noch leisten kann.

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