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Drei Spiele vor dem Ziel - komplette NES-Sammlung gestohlen

Einbrecher räumen in Washington ein Regal mit über 860 Modulen leer, das ein Sammler seit fast 40 Jahren gefüllt hat

Republic of Pixels Redaktion25. August 2026 · 00:04 Uhr3 Min. Lesezeit
Drei Spiele vor dem Ziel - komplette NES-Sammlung gestohlen
Bild: Polygon
Kurzfassung
  • In Puyallup (US-Bundesstaat Washington) wurden mehr als 860 NES-Module aus dem Haus von Sammler Roger Holler gestohlen
  • Der Wert der Sammlung wird auf 50'000 bis 100'000 US-Dollar geschätzt - es fehlten nur noch drei Titel zur kompletten NES-Bibliothek
  • Holler sammelte fast 40 Jahre lang, seit ihm seine Mutter mit elf Jahren die erste Konsole schenkte
  • Die Sammlung sollte an seine Enkel gehen und deren Studium mitfinanzieren

In Puyallup im US-Bundesstaat Washington fehlt seit vergangener Woche eine Sammlung, die es in dieser Vollständigkeit kaum ein zweites Mal gibt. Unbekannte drangen gewaltsam in das Haus von Roger Holler ein und räumten das Regal leer, in dem mehr als 860 Module für das Nintendo Entertainment System standen. Die Familie war verreist; erst bei der Rückkehr am Sonntagabend entdeckte sie den Einbruch. Das berichtet der lokale Sender KING5, dessen Bericht Polygon aufgegriffen hat.

860+

gestohlene NES-Module aus einem einzigen Regal

50'000-100'000 $

geschätzter Wert der Sammlung

3

Spiele fehlten noch zur kompletten NES-Bibliothek

Fast 40 Jahre Sammelarbeit an einem Abend verschwunden

Holler sammelt seit fast vier Jahrzehnten. Angefangen hat alles mit einer NES-Konsole, die ihm seine Mutter zu seinem elften Geburtstag schenkte. Danach führte ihn die Suche nach fehlenden Titeln durch Läden, über Gaming-Conventions und quer durch den Bundesstaat Washington. Aus dem Hobby wurde eine Familienangelegenheit: Sein Sohn Chris Sterling begleitete ihn über Jahre bei der Jagd nach dem nächsten Modul.

Zuletzt fehlten Holler nur noch drei Spiele zur vollständigen NES-Bibliothek. Den Wert der Sammlung beziffert er selbst auf 50'000 bis 100'000 US-Dollar. Geplant war, sie später an seine Enkel weiterzugeben - in der Hoffnung, dass sie eines Tages beim Bezahlen von deren Studium hilft.

Ich zittere, ich bekomme Kopfschmerzen. Ich will sie nicht einmal ansehen - die Regale.
Roger Holler gegenüber KING5
Mitanzusehen, wie eine im Grunde lebenslange Sammlung einfach herausgerissen wird, ist herzzerreissend.
Chris Sterling, Sohn des Sammlers

Warum NES-Module heute Beträge im sechsstelligen Bereich erreichen

Dass eine Kiste voller grauer Plastikmodule so viel wert ist, hat mit einem Markt zu tun, der seit Jahren nach oben zeigt. Im Juni wechselte bei Heritage Auctions ein versiegeltes Exemplar von Super Mario Bros. für rekordverdächtige drei Millionen US-Dollar den Besitzer. Auch sonst dominierten NES-Klassiker die teuersten Lose der Auktion, darunter eine Ausgabe von The Legend of Zelda für 375'000 Dollar. Insgesamt setzte das Auktionshaus bei dem Event mehr als fünf Millionen Dollar um.

Mehr als 40 Jahre nach dem Erscheinen der Konsole ist das Interesse an Nintendos Frühwerk also ungebrochen - was Sammlungen wie jene von Holler nicht nur zu Erinnerungsstücken macht, sondern zu Wertanlagen mit einem sehr realen Diebstahlrisiko.

Das Dilemma zwischen Modul und Download

Der Fall trifft eine Debatte, die gerade ohnehin läuft. Sony hat angekündigt, ab 2028 keine physischen PlayStation-Discs mehr zu produzieren - ein Schritt, der Fragen zu Besitz, Wiederverkauf und Bewahrung von Spielen neu aufwirft. Physische Datenträger gelten vielen als Rückversicherung für den Fall, dass digitale Titel aus den Stores verschwinden oder schlicht nicht mehr erreichbar sind.

Nur schützt ein Regal voller Module vor genau den Risiken nicht, die es lösen soll:

  • Beschädigung durch Alterung, Feuchtigkeit oder Unfälle
  • Verlust bei Umzügen, Erbschaften oder Auflösungen
  • Diebstahl - je wertvoller die Sammlung, desto attraktiver das Ziel

Wer Nintendos Geschichte erleben will, ohne teure Module zu jagen, findet über Nintendo Switch Online Bibliotheken mit NES- und SNES-Spielen, darunter Super Mario Bros. 3, The Legend of Zelda und Super Mario World. Ein Ersatz für ein über Jahrzehnte zusammengetragenes Archiv ist das freilich nicht - dort steckt neben dem Marktwert eine Familiengeschichte in jedem einzelnen Modul.

Einordnung

Die eigentliche Pointe dieses Diebstahls ist nicht die Zahl auf dem Preisschild, sondern die Drei: drei fehlende Spiele bis zu einem Ziel, an dem ein Mensch fast 40 Jahre gearbeitet hat. Retro-Sammeln ist längst kein Nischenhobby mehr, sondern ein Markt mit Auktionsrekorden in Millionenhöhe - und mit allen Begleiterscheinungen, die solche Summen mit sich bringen. Wie gut sich eine derart auffällige Sammlung überhaupt weiterverkaufen lässt, ohne aufzufallen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.

Warum das wichtig ist

Physische Sammlungen gelten vielen als letzte Absicherung gegen verschwindende Digitalversionen - doch Module und Discs lassen sich stehlen, beschädigen und verlieren. Der Fall zeigt, wie hoch der finanzielle und emotionale Einsatz inzwischen ist, wenn Retro-Preise durch Rekordauktionen weiter steigen.

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