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Black Pony Immersive

«Wir haben den schlechtesten Zeitpunkt gewählt» — Arkane-Veteran gründet Studio

Harvey Smith stellt Black Pony Immersive vor und erklärt, warum er ein NFT-Angebot ausgeschlagen hat

Republic of Pixels Redaktion19. August 2026 · 15:17 Uhr4 Min. Lesezeit
«Wir haben den schlechtesten Zeitpunkt gewählt» — Arkane-Veteran gründet Studio
Bild: GamesIndustry.biz

KURZFASSUNG

  • Harvey Smith und Ben Horne gründen Black Pony Immersive, ein Studio für Immersive Sims und First-Person-Action-RPGs
  • Das Studio öffnete im August und beschäftigt aktuell 26 Personen, verteilt über die USA und im Remote-Betrieb
  • Mit an Bord sind Arkane-Weggefährten wie Ricardo Bare und Monte Martinez sowie Leute aus der Indie-Szene
  • Ein Spiel wird noch nicht gezeigt — laut Smith existierte der Pitch aber schon vor der Firma

Im Mai 2024 schloss Microsoft Arkane Austin. 96 Entwicklerinnen und Entwickler verloren ihre Stelle, darunter Studioleiter Harvey Smith, dessen Laufbahn von Deus Ex über Dishonored bis Prey reicht. Nach rund zwei Jahren Funkstille steht nun fest, was daraus geworden ist: Smith gründet gemeinsam mit dem früheren Arkane-Kollegen Ben Horne das Studio Black Pony Immersive — und macht keinen Hehl daraus, dass der Zeitpunkt schlechter kaum sein könnte.

96

Entwickler verloren mit der Schliessung von Arkane Austin ihren Job

26

Personen arbeiten aktuell bei Black Pony Immersive

Mai 2024

Microsoft schliesst Arkane Austin

Ein Start gegen jede Vernunft

Smith formuliert die Ausgangslage im Gespräch mit GamesIndustry.biz ohne Beschönigung. Die Gründung sei in ein Umfeld gefallen, in dem Geld für neue Studios praktisch nicht zu holen war. Trotzdem, so seine Logik, gebe es in einer solchen Lage kaum eine Alternative.

Ben und ich haben den schlechtesten Zeitpunkt der Geschichte gewählt [um ein Spielestudio zu gründen]. Denn, na ja, was willst du sonst machen?
Harvey Smith, Mitgründer von Black Pony Immersive

Dahinter steckt eine Beobachtung, die Smith selbst beschreibt: Solange es einem gut gehe, sei der Antrieb für etwas Verrücktes gering. Erst wenn alles auseinanderfliegt, entstehe die Bereitschaft zum Sprung — verbunden mit dem Gedanken, es besser machen zu können als die Strukturen, die man gerade verloren hat. Für Smith ist es die erste eigene Firma, obwohl er bei Arkane und Midway bereits Director-Rollen innehatte. Ein Ziel, sagt er, das er lange verfolgt habe: «Es hat nur eine Weile gedauert, dorthin zu kommen.»

Das Angebot, das sie ausgeschlagen haben

Besonders aufschlussreich ist, was Horne über die Finanzierungsphase erzählt. Der frühere Production Director von Redfall spricht von einem furchtbaren Umfeld für Fundraising und von vielen Gesprächen mit sehr unterschiedlichen Gruppen. Einige Angebote lehnten die beiden ab, weil sie sich nicht richtig anfühlten.

Sie kamen mit Sachen wie: «Hey, wenn ihr bereit wärt, über diese NFT-Blockchain-Sache nachzudenken …» So sehr wir das Projekt starten wollten — lasst es uns bitte auf die richtige Art tun.
Ben Horne, Mitgründer von Black Pony Immersive

Was «besser machen» konkret bedeutet, beschreibt Smith an zwei Punkten. Erstens: möglichst wenig Einmischung von oben. Man müsse kaum irgendwo Genehmigungen einholen, das mache das Team beweglich. Zweitens, und das ist im US-Kontext keine Selbstverständlichkeit: Krankenversicherung für die Angestellten, auch bei einem vergleichsweise kleinen Start-up. Gearbeitet wird remote, alle Vollzeitkräfte sitzen laut Horne in den USA, unterstützt von Auftragnehmern und externen Entwicklern weltweit.

Wer an Bord ist

Black Pony hat im August die Türen geöffnet und zählt inzwischen 26 Köpfe. Für Smith ist das vor allem eine Chance, ein Team wieder zusammenzuführen, das zerstreut worden war — inklusive Leuten, die inzwischen anderswo untergekommen waren. Horne selbst wechselte nach dem Arkane-Aus zum Meta-Studio Twisted Pixel und arbeitete dort an Marvel's Deadpool VR, verliess das Studio im August 2025 — wenige Monate, bevor auch Twisted Pixel vom Mutterkonzern geschlossen wurde.

  • Ricardo Bare, Smiths kreativer Partner seit den gemeinsamen Designer-Tagen bei Deus Ex
  • Monte Martinez, früher bei Ion Storm, 2K Marin und WolfEye — von Smith als «geheime Waffe der Immersive-Sim-Welt» bezeichnet
  • Ben Horne als Mitgründer, zuvor Production Director bei Redfall
  • Ein noch nicht namentlich genannter Art Director aus der Indie-Szene
  • Weitere Mitarbeitende mit Stationen bei Insomniac, Epic, Avalanche und Volition

«Wir haben Leute aus grossen Firmen herausgeholt, weil sie dort unglücklich waren oder einfach weil sie von der Idee begeistert waren», sagt Smith über die Rekrutierung. Und er formuliert einen Satz, der wie eine Rechnung an die Konzerne klingt: «Ich glaube, die Leute, die die Studios schliessen, verstehen noch nicht, was sie verloren haben.»

Was für ein Spiel soll das werden?

Ein Projekt wird noch nicht gezeigt. Smith sagt lediglich, der Pitch habe schon existiert, bevor es die Firma gab. Über die Richtung lässt der Studioname aber wenig Zweifel: Black Pony Immersive will laut eigener Ankündigung «einfallsreiche First-Person-Action-RPGs in glaubwürdig ausgestalteten Welten» bauen, in denen Spielende mit ausdrucksstarken, emergenten Systemen ihre eigenen Erinnerungen erschaffen. Die Ankündigung enthält zudem eine Formel, die Kenner sofort einordnen: «Durch den Spiegel jagen wir einem Traum von Geheimnis, Bedeutung und kreativem Spiel nach» — eine Anspielung auf Looking Glass Studios, den Urahn des Genres.

Smith beschreibt seine Wohlfühlzone präzise: Man sei leicht unterlegen, verfüge aber über kreative Werkzeuge, bewege sich in einer erkundungsbasierten Landschaft, bestimme das Tempo selbst. Single-Player, erzählerisch dicht. Ob man das Action-RPG, FPS-RPG-Hybrid oder Immersive Sim nenne, sei ihm egal. Rückblickend erklärt er die weniger gelungenen Projekte seiner Vergangenheit damit, dass man diese Spur verlassen habe: Sobald man dort geblieben sei, seien die Ergebnisse deutlich besser gewesen.

Bei allem Branchen-Aufruhr bin ich stolz, den nächsten Schritt meiner Videospiel-Reise anzukündigen. Wir bauen an unserem neuen Studio genau die Art von Single-Player-Spielen, für die wir am meisten brennen.
Harvey Smith, Mitgründer von Black Pony Immersive

Einordnung

Die Meldung fällt in eine bemerkenswerte Woche: Wenige Tage zuvor hatte Deus-Ex-Director Warren Spector seinen Abschied aus der Branche erklärt, und bei Arkane Lyon verhandeln die Entwickler laut Rock Paper Shotgun aktuell mit dem Xbox-Team über Verkauf, Schliessung oder Buyout. Ausgerechnet in diesem Klima formiert sich ein Team neu, dessen Mitglieder teils seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. Horne nennt die Gruppe «eigens dafür gebaut, die ambitionierten Spiele zu machen, die wir lieben — Immersive Sims». Konkretere Details sollen «bald» folgen. Bis dahin bleibt Black Pony ein Versprechen — aber eines mit ungewöhnlich viel Erfahrung im Rücken.

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WARUM DAS WICHTIG IST

Immersive Sims wie Prey oder Dishonored gelten als kreatives Herz des Genres, verschwinden aber zunehmend aus den Portfolios der grossen Publisher. Dass ein Kernteam aus Arkane Austin wieder zusammenfindet und ausdrücklich Single-Player-Spiele bauen will, ist für Fans dieser Nische eine der besseren Nachrichten der letzten Jahre.

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