Double Fine
«Asha erschiesst meinen Hund nicht» - Schäfer über das Xbox-Aus
Double Fine ist nach sieben Jahren wieder unabhängig - und Tim Schäfer erzählt, wie er vom Ende erfuhr, bevor es ihm jemand sagte

- Double Fine ist seit dem 6. Juli 2026 wieder unabhängig - zusammen mit drei weiteren Studios, darunter Compulsion Games
- Tim Schäfer sagt Bloomberg, er habe die Trennung an unbeantworteten Nachrichten gemerkt, bevor sie offiziell war
- Nach dem Abschied von Microsoft musste das Studio 23 Personen entlassen, das Startbudget von Microsoft reicht laut Schäfer nicht lange
- Am 4. September kündigte Double Fine «Thank You Bus Driver» an, parallel läuft ein Kickstarter über 400'000 Dollar für den nächsten Game Jam
Sieben Jahre lang gehörte Double Fine zu Microsoft, seit dem 6. Juli ist das Studio wieder eigenständig. In einem Gespräch mit Bloomberg hat Gründer Tim Schäfer nun erzählt, wie es zu dieser Trennung kam, wie er sie kommen sah - und warum er trotz 23 Entlassungen von einem «kreativen Erwachen» spricht. Die drastischste Formulierung des Abends gehört ihm selbst: Niemand ausser ihm werde Double Fine je den Stecker ziehen.
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6. Juli
seit diesem Tag ist Double Fine wieder unabhängig
23
Stellen musste das Studio nach dem Abschied von Xbox streichen
400'000 $
Kickstarter-Ziel für den nächsten Game Jam des Studios
Ein Konzernvater, den Schafer nie wollte
Als Microsoft 2019 anbot, das komplette Studio zu kaufen, war Schäfer nach eigener Aussage alles andere als begeistert. Sein erster Gedanke sei gewesen, dass er ausgerechnet von diesem Konzern nicht übernommen werden wolle - weil dieser Konzern eine Vorgeschichte mit geschlossenen Entwicklerteams habe. Ausschlaggebend war am Ende das Personal: Der damalige Microsoft-Gaming-Chef Phil Spencer galt als echter Fan des Studios, und Matt Booty, heute Chief Creative Officer bei Xbox, sicherte Schäfer zu, dass Double Fine weitgehend eigenständig arbeiten könne.
Ich will nicht von euch gekauft werden. Ihr liebt es doch, Studios zu schliessen.
Die Rechnung ging eine Weile auf. In dieser Phase entstand mit «Psychonauts 2» das bislang grösste Kritikerlob der Studiogeschichte, dazu kamen Experimente wie das Töpfer-Partyspiel «Kiln» und «Keeper», das 2025 gute Kritiken, aber schwache Verkaufszahlen einfuhr. Schäfer beschreibt das Verhältnis rückblickend als Zweckbündnis, das funktionierte, solange beide Seiten dasselbe wollten.
Wir hatten eine Mission, von der beide Seiten profitierten: einfach grossartige Spiele auf den Game Pass zu bringen. Und dann änderte sich ihre Mission.
Wie man erfährt, dass man nicht mehr dazugehört
Mit dem Führungswechsel bei Xbox, bei dem Asha Sharma auf Phil Spencer folgte, kippte die Lage. Laut Bloomberg gab es noch zu Sommerbeginn keine Klarheit darüber, was Sharma mit dem Studio vorhatte. Schäfer habe vergeblich versucht, eine klare Antwort zu bekommen - manche Ansprechpersonen hätten schlicht nicht mehr auf seine Nachrichten reagiert. Der Entwickler beschreibt das als schleichenden Prozess, nicht als einen einzelnen Schock.
Es kommt nicht alles auf einmal aus heiterem Himmel. Es ist eher so: Ah, diese Person hat nicht auf meine Scherz-Nachricht geantwortet. So findet man solche Dinge heraus. Ich wusste es also, bevor ich es wusste.
Illusionen über die eigene Rettung macht sich Schäfer keine. Er könne sich keine Profitabilität vorstellen, die Double Fine im Konzern gehalten hätte - ausser das Studio hätte in genau diesem Jahr einen Überraschungserfolg in der Grössenordnung von «Minecraft» gelandet. Die Trennung erfolgte am 6. Juli gemeinsam mit drei weiteren Teams, darunter Compulsion Games, bekannt für «South of Midnight».
Der Preis der Freiheit
Unabhängig heisst nicht unbeschadet. Double Fine musste nach dem Ausstieg 23 Personen entlassen - ein Schritt, den Schäfer damals damit begründete, dass nur das Überleben des Studios eine derart schmerzhafte Massnahme rechtfertigen könne. Dazu kommt: Microsoft hat dem Studio ein Startbudget mitgegeben, doch das reicht laut Schäfer nicht lange. Die Reaktionen im Team fielen entsprechend unterschiedlich aus.
Manche sagten: Ich steige aus, das ist ein Kampf zu viel für mich. Aber für den Rest von uns fühlt es sich an wie ein kreatives Erwachen.
Neues Spiel, neuer Kickstarter
Wie es weitergeht, hat das Studio bereits skizziert. Am 4. September kündigte Double Fine «Thank You Bus Driver» an - ein Spiel, in dem man einen Buschauffeur steuert, der sich von seinen Fahrgästen ein Dankeschön wünscht. Parallel läuft eine Kickstarter-Kampagne über 400'000 Dollar für den nächsten Game Jam des Studios. Kotaku berichtet zudem von einem sehr ambitionierten Zusatzziel: «Brütal Legend 2» soll es geben, falls die Kampagne 100 Millionen Dollar erreicht.
- 6. Juli: Double Fine wird gemeinsam mit drei weiteren Studios wieder unabhängig
- Danach: 23 Entlassungen, Startbudget von Microsoft mit begrenzter Laufzeit
- 4. September: Ankündigung von «Thank You Bus Driver»
- Laufend: Kickstarter über 400'000 Dollar für den nächsten Game Jam
Schäfer selbst räumt ein, dass ihm die Branche bis heute Rätsel aufgibt. Wie wenig er nach all den Jahren vom Geschäft verstehe, zeige vor allem, wie schwer es sei, es überhaupt zu verstehen. Sein Fokus liege deshalb darauf, das Team am Leben zu halten - und genau dafür brauche es die schrägen Ideen: Diese Spiele seien nicht lukrativ genug, um für ihren Entstehungsaufwand zu entschädigen, also müssten sie wenigstens Spass machen und sich lohnend anfühlen. Gegenüber Kotaku stellte er zugleich klar, dass sein Studio nie aktiv ein Spiel entwickelt habe, von dem es annahm, es werde Verlust machen.
Einordnung
Der Fall Double Fine ist ein Lehrstück darüber, wie wenig eine Übernahme über die langfristige Sicherheit eines Studios aussagt: Was 2019 als Schutzschirm gedacht war, hing letztlich an einzelnen Personen im Konzern - und mit deren Abgang war die Grundlage weg. Für Spielerinnen und Spieler bedeutet das ein Studio, das seine kreative Freiheit zurückhat, aber ohne Sicherheitsnetz arbeitet. Ob die nächsten Projekte entstehen, entscheidet damit wieder deutlich direkter das Publikum. Schäfers eigenes Bild dazu ist so nüchtern wie trotzig.
Ich bin wie der Kapitän eines kleinen Fischerboots. Sich zu sorgen, ob das Meer fair ist, bringt nichts. Man hält einfach dieses kleine Boot über Wasser.
Double Fine steht für eine Art von Spiel, die grosse Konzerne immer seltener finanzieren: schräg, klein, experimentell. Der Fall zeigt, wie schnell eine Übernahme von Sicherheitsnetz zu Risiko wird - und dass die Zukunft solcher Studios künftig wieder stärker davon abhängt, ob die Community mitzieht.
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- Tim Schafer Calls Double Fine Leaving Xbox A Creative Awakening : Asha’s Not Going To Shoot My Dog - Kotaku
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