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Double Fine

«Alles kam zurück» - Double Fine besitzt seine Spiele wieder

Tim Schafer bestätigt: IP und Publishing-Rechte an Psychonauts 2, Keeper und Kiln liegen nach der Trennung von Xbox wieder beim Studio

Republic of Pixels Redaktion21. August 2026 · 21:03 Uhr4 Min. Lesezeit
«Alles kam zurück» - Double Fine besitzt seine Spiele wieder
Bild: Kotaku
Kurzfassung
  • Double Fine hat nach der Abspaltung von Microsoft alle eigenen Marken und die Publishing-Rechte an seinen Spielen zurückerhalten - inklusive der unter Xbox entstandenen Titel.
  • Laut Tim Schafer fliessen Einnahmen aus Spielverkäufen jetzt direkt ins Studio; auf manchen Shop-Seiten steht vorerst noch Microsoft.
  • Am 31. August kehrt der Studio-Game-Jam Amnesia Fortnight als öffentliche Live-Veranstaltung mit Kickstarter zurück - Backer stimmen über die Projekte ab.
  • Kiln bekommt kommende Woche ein grosses Update mit neuen Maps und Modi sowie eine Preissenkung.

Double Fine ist seit der Trennung von Microsoft wieder ein unabhängiges Studio - und laut Firmenchef Tim Schafer nimmt es dabei mehr mit, als viele erwartet hätten. Im Podcast Kinda Funny Games Daily bestätigte Schafer am 21. August 2026, dass sämtliche Marken und die Publishing-Rechte an allen Spielen des Studios zurück in dessen Besitz übergegangen sind. Das gilt ausdrücklich auch für jene Titel, die während der Konzernzugehörigkeit entstanden sind: Psychonauts 2, Keeper und das jüngste Spiel Kiln.

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31. Aug.

Termin des öffentlichen Live-Game-Jams Amnesia Fortnight

4

Prototypen, über die Kickstarter-Backer abstimmen dürfen

1600

konzernweite Entlassungen bei Xbox im Juni 2026

Die Rechte sind zurück - die Shop-Seiten hinken hinterher

Anlass für Schafers Aussage war eine Zuhörerfrage: Verdient Double Fine überhaupt noch etwas, wenn jemand heute Psychonauts 2 kauft - ein Spiel, das unter Microsofts Ägide entstand? Die Antwort fiel eindeutig aus.

Alles, wir haben alles zurückbekommen, die Übertragung der IP ist an uns zurückgegangen. Wir haben die Publishing-Rechte an unseren Spielen zurück. Bei einigen steht immer noch Microsoft, aber es dauert einfach eine Weile, bis das alles durchläuft.
Tim Schafer, CEO von Double Fine, im Podcast Kinda Funny Games Daily

Wer also in den kommenden Wochen in einem Store noch Microsoft als Publisher gelistet sieht, sollte sich davon nicht irritieren lassen: Laut Schafer handelt es sich um administrative Nachlaufzeit, nicht um eine geteilte Eigentümerschaft. Wirtschaftlich hat das eine unmittelbare Folge für die Leserschaft - jeder Verkauf zahlt nach Schafers Darstellung nun direkt auf die Zukunft des Studios ein.

Wenn Leute unsere Spiele kaufen, unterstützt das das Studio. Falls ihr euch also fragt: Der Kauf irgendeines unserer Spiele hilft dem Studio, und wir können dieses Geld in Einnahmen verwandeln, die uns helfen, unseren Handlungsspielraum zu verlängern.
Tim Schafer, CEO von Double Fine

Kiln bekommt ein grosses Update - und einen tieferen Preis

Konkret arbeitet das Team derzeit an Nachschub für Kiln, den jüngsten Release des Studios. Kommende Woche soll ein grosses Update erscheinen, das neue Maps und neue Spielmodi bringt. Parallel dazu senkt Double Fine offenbar den Preis des Spiels. Für ein Studio, das gerade seine Einnahmen selbst verantwortet, ist das eine bemerkenswerte Rechnung: mehr Inhalt, tieferer Einstiegspreis - in der Hoffnung, dass die Verkaufszahlen die Differenz mehr als ausgleichen.

Amnesia Fortnight kehrt zurück - und die Community stimmt ab

Der zweite Teil der Neuausrichtung ist eine Rückkehr zu alten Traditionen. Double Fine belebt seinen internen Game-Jam Amnesia Fortnight wieder - diesmal als öffentliche Live-Veranstaltung am 31. August, flankiert von einer bereits online gestellten Kickstarter-Seite. Der Ablauf ist so transparent wie ungewöhnlich:

  • Alle im Studio dürfen eine Spielidee pitchen - Backer der Kampagne sehen sämtliche Pitches.
  • Die Unterstützerinnen und Unterstützer stimmen darüber ab, welche Ideen tatsächlich umgesetzt werden.
  • Aus den Gewinnern entstehen vier Prototypen.
  • In einer zweiten Abstimmung entscheidet die Community, welcher dieser vier Prototypen länger poliert und schliesslich veröffentlicht wird.
  • Das Studio 2 Player Productions begleitet den Jam und macht daraus eine Dokumentation.

Das Ziel formuliert Schafer offen: Ein kleines, per Kickstarter finanziertes Projekt soll dem Studio nach der Trennung Luft verschaffen, damit parallel an grösseren Spielen weitergearbeitet werden kann. Double Fine habe mehrere Titel in Arbeit, brauche für deren Fertigstellung aber Zeit und finanzielle Reichweite. Und die ist nach seiner eigenen Beschreibung endlich.

Es ist eine Startbahn, keine Autobahn, sie geht nicht ewig weiter. Es ist nur ein kleines Stück, auf dem wir aus eigener Kraft abheben können, und wir wollen es ein bisschen verlängern.
Tim Schafer, CEO von Double Fine

Ein Déjà-vu aus der Brutal-Legend-Ära

Schafer selbst zieht die historische Parallele: Die Lage erinnere ihn an die Zeit nach Abschluss von Brutal Legend, als EA die geplante Fortsetzung strich und das Team sich mit einer Reihe kleinerer Projekte über Wasser hielt - Projekte, die genau aus solchen Amnesia Fortnights hervorgingen. Aus dieser Phase stammen Titel, die den Ruf des Studios bis heute mitprägen. Die Wiederbelebung des Formats ist also weniger Nostalgie als bewährte Überlebensstrategie.

Der Weg dorthin war allerdings brutal. Microsoft hatte Double Fine 2019 übernommen; unter dem Konzerndach entstanden Psychonauts 2, Keeper und Kiln. Im Juni 2026 wurde bekannt, dass Xbox über die Schliessung von Double Fine und Ninja Theory verhandelte - das Studio kommentierte die Berichte damals lediglich mit einem einzelnen Emoji. Anfang Juli folgte die Entscheidung: Double Fine, Compulsion Games, Undead Labs und Ninja Theory wurden im Zuge eines Konzernumbaus unter der neuen Xbox-Verantwortlichen Asha Sharma abgespalten. Konzernweit verloren im Juni 1600 Menschen ihre Stelle. Double Fine selbst musste im Juli im Rahmen der vollständigen Trennung eigene Entlassungen vornehmen.

Double Fine ist kein Einzelfall

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei Compulsion Games ab. Das Studio hat kürzlich offengelegt, dass South of Midnight - ebenfalls unter Xbox entstanden - inzwischen dem Studio gehört und in Eigenregie veröffentlicht wird. Beide Fälle deuten darauf hin, dass Microsoft die abgespaltenen Teams nicht mit leeren Händen entlassen, sondern ihnen die Rechte an ihren Werken mitgegeben hat. Für die betroffenen Entwickler ist das der Unterschied zwischen einem Neustart bei null und einem Neustart mit Katalog.

Einordnung: Dass Double Fine seine Marken behält, ist die vergleichsweise gute Nachricht in einer Geschichte, die mit Schliessungsgesprächen und Entlassungen begann. Wie tragfähig das neue Modell ist, entscheidet sich in den nächsten Monaten - am 31. August beim Game-Jam, an der Resonanz auf die Kickstarter-Kampagne und daran, ob Schafer die erwähnten Publishing-Deals für die laufenden Projekte unterschreiben kann. Die Startbahn ist da. Ob sie reicht, hängt jetzt auch an der Community.

Warum das wichtig ist

Wer Psychonauts 2, Keeper oder Kiln kauft, unterstützt damit nach Schafers Aussage direkt ein unabhängiges Studio statt eines Konzerns. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass die Xbox-Abspaltungen für die betroffenen Teams keine reine Schliessung bedeuten - sondern ein Neustart mit begrenztem finanziellem Puffer, über dessen Verlängerung nun teilweise die Community mitentscheidet.

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