Compulsion Games
«Lieber Steine essen und Benzin trinken» - Compulsion ist frei
Das Studio hinter South of Midnight hat sein Management-Buyout abgeschlossen und hält die Rechte an allen drei eigenen Marken

KURZFASSUNG
- Compulsion Games hat das Management-Buyout von Xbox am 11. August abgeschlossen und ist wieder ein unabhängiges Studio.
- Die Rechte an Contrast, We Happy Few und South of Midnight liegen wieder beim Studio, die Publishing-Rechte werden derzeit übertragen.
- Verkäufe der Spiele fliessen künftig direkt an Compulsion - laut CEO Guillaume Provost der Grund, warum ein Kauf jetzt das Studio unterstützt.
- Ein Teil des Teams arbeitet weiter an einem Titel, der bei der Schliessungsankündigung bereits in Entwicklung war; Gespräche über Partnerschaften laufen.
Compulsion Games gehört wieder sich selbst. Das Studio aus Montreal, bekannt für South of Midnight, We Happy Few und Contrast, hat sein Management-Buyout von Xbox abgeschlossen und ist damit nach acht Jahren unter Microsofts Dach wieder ein unabhängiger Entwickler. Studiochef Guillaume Provost bestätigte gegenüber GamesBeat, dass der Deal am 11. August vollzogen wurde - inklusive der Rückübertragung sämtlicher eigener Marken.
11. Aug.
an diesem Tag wurde das Management-Buyout abgeschlossen
3
Marken kehren zu Compulsion zurück: Contrast, We Happy Few, South of Midnight
2018
seit diesem Jahr gehörte das Montrealer Studio zu Xbox
Vom Zukauf zum Streichposten
Xbox hatte Compulsion 2018 übernommen, in jener Phase, in der Microsoft sein Entwicklerportfolio in hohem Tempo ausbaute. Im vergangenen Monat kippte die Richtung: Der Konzern kündigte den Abbau tausender Stellen an - laut Xbox-CEO Asha Sharma die bedeutendste Umstrukturierung in der Geschichte der Marke. Compulsion gehörte zu den Studios, die von diesem «Reset» erfasst wurden.
Statt einer Schliessung folgte allerdings ein Ausweg, den es in dieser Form selten gibt: Die Studioleitung verhandelte einen Ausstieg aus dem Xbox-Verbund - und zwar samt der Rechte an den bisherigen Spielen. Angekündigt wurde dieser Plan bereits im Juli, offiziell besiegelt ist er nun.
Was genau zurückgeht - und was noch dauert
Provost stellt klar, dass nicht nur die Namensrechte, sondern auch die Veröffentlichungsrechte zurückwandern. Die Umstellung ist allerdings kein Schalter, der einmal umgelegt wird: Mit den einzelnen Plattformbetreibern läuft eine Übergangsphase, in der die Rechte Schritt für Schritt neu zugeordnet werden.
“Ich kann bestätigen, dass wir das Eigentum an unseren Marken zurückerlangt haben und dass die Publishing-Rechte an Compulsion zurückgehen. Es gibt nur eine Übergangsphase, in der das mit den verschiedenen Plattformbetreibern passiert. Die Spiele zu kaufen unterstützt durch diese Veränderung nun das Studio.”
- Abschluss des Buyouts: 11. August
- Markenrechte an Contrast, We Happy Few und South of Midnight: zurück bei Compulsion
- Publishing-Rechte: Übertragung läuft, mit Übergangsphase je Plattform
- Verkaufserlöse: fliessen künftig direkt an das unabhängige Studio
- Konditionen des Deals: nicht öffentlich
Die Entscheidung fiel im Team
Bemerkenswert ist, wie Provost die Entstehung des Deals schildert. Nicht eine strategische Vision habe am Anfang gestanden, sondern eine Frage an die Belegschaft: zusammenbleiben oder sich einzeln neu orientieren? Die Antwort fiel deutlich aus.
“Ich habe diesen Deal in erster Linie für das Team gemacht. Ich habe das Team gefragt: Wollt ihr zusammenbleiben? Das Team hat mir gesagt, wir würden lieber Steine essen und Benzin trinken, als auseinandergerissen zu werden.”
Ganz ohne Verluste ging das nicht ab. Provost räumt ein, dass einige Mitarbeitende das Studio verliessen oder sich sofort nach neuen Stellen umsahen, als er die drohende Schliessung kommunizierte. Der überwiegende Teil der Studioleitung sei jedoch an Bord geblieben - eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Studio nach einem solchen Bruch überhaupt handlungsfähig bleibt.
Ein Projekt aus Xbox-Zeiten lebt weiter
Woran Compulsion als unabhängiges Studio arbeitet, ist nur in Umrissen bekannt. Laut Provost beschäftigt sich ein Teil des Teams weiterhin mit einem Titel, der bereits in Entwicklung war, als Microsoft die Schliessung des Studios ankündigte. Ob und in welcher Form dieses Projekt erscheint, ist offen - Angaben zu Umfang, Genre oder Zeitplan gibt es nicht.
Parallel dazu sucht das Studio nach zusätzlichen Standbeinen: Compulsion führt Gespräche mit anderen Unternehmen über mögliche Partnerschaften. Bereits im vergangenen Monat hatte das Studio auf LinkedIn andere Entwickler direkt angesprochen und Zusammenarbeit an Projekten angeboten, für die ein Partner gesucht wird. Auftragsarbeit als Brücke, bis ein eigenes Projekt trägt - ein Muster, das viele unabhängige Studios nach einem Ausstieg aus einem Konzern durchlaufen.
Der grössere Rahmen: Xbox' Umbau
Der Fall Compulsion ist ein Einzelfall mit gutem Ausgang in einem Umfeld, das für viele andere weniger glimpflich verlief. Insider Gaming beziffert die Xbox-Umstrukturierung vom Juli auf rund 1'600 unmittelbar betroffene Stellen, weitere 1'600 sollen bis Jahresende folgen. Welche Bereiche das genau trifft, ist offiziell nicht aufgeschlüsselt; kursierende Einschätzungen dazu bleiben Spekulation.
Umso ungewöhnlicher ist, was Compulsion herausgeholt hat. Studioschliessungen enden in der Regel damit, dass Marken beim Konzern verbleiben und in Schubladen verschwinden. Hier verlässt ein Team den Verbund - und nimmt sein Werk mit.
Einordnung
Für Spielerinnen und Spieler ändert sich kurzfristig wenig: South of Midnight, We Happy Few und Contrast bleiben verfügbar, die Rechtelage im Hintergrund wird gerade sortiert. Mittelfristig ist die Nachricht aber mehr als eine Personalie. Ein Studio, das seine Marken selbst hält, kann Fortsetzungen, Portierungen oder Neuauflagen eigenständig anstossen - und ist zugleich darauf angewiesen, dass diese Spiele Geld einspielen, weil kein Konzernbudget mehr dahintersteht. Provosts Hinweis, dass Käufe nun direkt das Studio stützen, ist genau deshalb kein Werbespruch, sondern eine Beschreibung der neuen Realität. Die entscheidende Frage bleibt offen: ob Compulsion ein Projekt finanziert bekommt, das gross genug ist, um das Team dauerhaft zusammenzuhalten.
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WARUM DAS WICHTIG IST
Nach der grössten Umstrukturierung in der Geschichte von Xbox stand Compulsion Games vor dem Aus - stattdessen hat sich das Team freigekauft und hält seine Marken selbst. Für Spielerinnen und Spieler heisst das: Käufe von South of Midnight und Co. stützen künftig direkt das Studio, und die Zukunft dieser Marken hängt nicht mehr an Microsofts Portfolioplanung.
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