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«Früher gab es keine Entlassungen — jetzt jedes Jahr», sagt Bethesda-Dev

Bei den «Save Our Devs»-Kundgebungen in neun Städten schildern Gewerkschaftsmitglieder, wie sich der Alltag bei Bethesda seit der Microsoft-Übernahme verändert hat

Republic of Pixels Redaktion18. August 2026 · 21:08 Uhr3 Min. Lesezeit
«Früher gab es keine Entlassungen — jetzt jedes Jahr», sagt Bethesda-Dev
Bild: Kotaku

KURZFASSUNG

  • Unter dem Motto «Save Our Devs» demonstrieren Xbox-Entwickler am 18. August in neun Städten in den USA und Kanada sowie per Twitch-Stream.
  • Getragen wird die Aktion von der Bethesda-Gewerkschaft OneBGS und der Communications Workers of America.
  • Rund 1600 Stellen wurden bei Xbox bereits gestrichen, noch einmal so viele Kürzungen sollen bis Mitte nächsten Jahres folgen.
  • Gegen Microsoft liegt wegen der Entlassungen eine Beschwerde beim National Labor Relations Board vor.

Xbox-Entwicklerinnen und -Entwickler gehen auf die Strasse: Unter dem Motto «Save Our Devs» finden am 18. August Kundgebungen in neun Städten in den USA und Kanada statt, begleitet von einem Livestream auf dem Twitch-Kanal der United Video Game Workers. Getragen wird die Aktion von der Bethesda-Gewerkschaft OneBGS und der Communications Workers of America. Es geht um die Menschen, die bereits gehen mussten — und um jene, die bleiben und die Arbeit übernehmen.

1600

Stellen wurden bei Xbox bereits gestrichen

+1600

weitere Kürzungen sind bis Mitte nächsten Jahres geplant

9

Städte in den USA und Kanada mit Kundgebungen

Von der Rentenversicherung zur Jahresroutine

Alex Nguyen arbeitet als Lead Character Artist bei Bethesda und war schon vor der Microsoft-Übernahme im Studio. Er beschreibt gegenüber Kotaku eine Zeit, in der ZeniMax noch alleiniger Mutterkonzern war: Entlassungen habe es zwar gegeben, aber selten. Genau das sei für viele ein Argument gewesen, langfristig zu bleiben.

Das war einer der Vorteile. Deshalb waren so viele Leute so lange hier und sagten: Ja, hier gehe ich in Rente, hier höre ich auf, ich bin gern hier, weil ich lange in dieser Branche bleiben will. Das war im Grunde einer der Vorteile, bei Bethesda oder einem ZeniMax-Studio zu sein.
Alex Nguyen, Lead Character Artist bei Bethesda

Auch bei Problemen habe die Devise gelautet: reparieren statt streichen. Nguyen verweist auf die turbulenten Starts von Fallout 76 und The Elder Scrolls Online — in beiden Fällen hätten die Teams die Chance bekommen, das Ruder herumzureissen. «Aber seit wir unter Microsoft sind, fühlt es sich an, als hätte sich etwas verändert. Wir hatten vorher keine Entlassungen, und jetzt haben wir plötzlich jährliche Entlassungen», sagt er.

Wenn Wissen mit den Menschen geht

Der Kern des gewerkschaftlichen Arguments ist nicht nur sozial, sondern auch produktbezogen: Entlassungen schaden dem Klima im Team — und den Spielen. Nathan Hahn, seit vier Jahren technischer Produzent bei Bethesda Game Studios, formuliert es so: «Jede Kollegin und jeder Kollege trägt zum Erfolg unseres Unternehmens bei. Ohne uns sind Bethesda-Spiele keine Bethesda-Spiele.»

Neben der schieren Mehrarbeit für die Verbliebenen trifft es laut Nguyen viele Veteraninnen und Veteranen, die ihr institutionelles Wissen mitnehmen. «Wenn nur fünf Leute wussten, wie etwas funktioniert, und man lässt alle fünf gehen, dann ist das ein Moralkiller — denn wir wussten das ja schon, und jetzt müssen wir es wieder lernen.» Er widerspricht auch der kursierenden Darstellung, es habe vor allem das mittlere Management erwischt: Betroffen seien Leute an der Basis, die dafür sorgen, dass ein Spiel läuft und bei den Spielenden ankommt.

Ein Vorschlag, vier Monate Schweigen

Die Gewerkschaft betont, dass Kürzungen nicht zwangsläufig so ablaufen müssen. Laut Hahn hat OneBGS dem Unternehmen bereits im Februar dieses Jahres einen Vorschlag vorgelegt, wie ein Stellenabbau fair gestaltet werden könnte. Passiert sei zunächst nichts.

Das Unternehmen hat vier Monate lang darauf gesessen und uns keine Antwort gegeben, bevor es diese Entlassungen durchgeführt hat.
Nathan Hahn, technischer Produzent bei Bethesda Game Studios
  • Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmen laufen weiter, während die Entlassungen bereits vollzogen werden.
  • Gegen Microsoft liegt wegen der Kündigungen eine Beschwerde wegen unfairer Arbeitspraktiken beim National Labor Relations Board vor.
  • Die Kundgebungen sollen zusätzlich Gerüchte darüber ausräumen, welche Berufsgruppen tatsächlich betroffen sind.

Einordnung

Die Branche schrumpft seit Jahren, Entlassungen wirken inzwischen wie ein Naturgesetz. Genau diese Selbstverständlichkeit greifen die Kundgebungen an — mit dem Hinweis, dass es bei Bethesda vor der Übernahme anders lief. Für Spielerinnen und Spieler ist der interessanteste Punkt der Wissensverlust: Wer die nächsten Elder-Scrolls- oder Fallout-Projekte erwartet, hat ein handfestes Interesse daran, dass die Leute, die diese Systeme kennen, im Haus bleiben. Wie Microsoft auf die Beschwerde und den Gewerkschaftsvorschlag reagiert, ist derzeit offen. Hahn fasst die Stimmung so zusammen: Die Arbeitsmoral sei nie tiefer gewesen — die Zuversicht, was man gemeinsam erreichen könne, dagegen im Aufwind.

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WARUM DAS WICHTIG IST

Bethesda steht für Elder Scrolls, Fallout und Starfield — Spiele, deren Qualität stark von langjährig gewachsenem Team-Know-how abhängt. Wenn genau dieses Wissen durch jährliche Kürzungsrunden abfliesst, betrifft das direkt die Spiele, auf die Millionen Menschen warten. Die Kundgebungen machen ausserdem sichtbar, wie sich der Arbeitsalltag hinter den grössten Xbox-Marken verändert hat.

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