Black Pony Immersive
«Wir liessen uns vom Live-Service mitreissen» - Arkane-Team neu
Harvey Smith, Ben Horne und Ricardo Bare gründen Black Pony Immersive und erklären, warum Redfall so schiefging

- Harvey Smith, Ben Horne und Ricardo Bare - früher Leads bei Arkane Austin - haben das Studio Black Pony Immersive angekündigt.
- Im Interview mit The Game Business räumen sie ein, sich beim Redfall-Projekt vom Games-as-a-Service-Trend haben mitreissen lassen.
- Laut Smith drängte Mutterkonzern ZeniMax mehrere Projekte in Richtung Live Service; dazu kamen Stellenabbau und die Pandemie.
- Arkane Austin wurde 2024 geschlossen - ein Jahr nach dem desaströsen Redfall-Start.
Drei ehemalige Führungskräfte von Arkane Austin wagen den Neuanfang: Harvey Smith, Ben Horne und Ricardo Bare haben diese Woche das Studio Black Pony Immersive angekündigt. Und sie liefern gleich ein Versprechen mit - dass ihnen nicht noch einmal ein Redfall passiert. In einem ausführlichen Gespräch mit The Game Business sprechen Smith und Horne über die Spiele, für die man sie liebt, und über jenes, das diesen Ruf beschädigt hat.
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ehemalige Arkane-Austin-Leads gründen das neue Studio
2024
wurde Arkane Austin nach dem Redfall-Debakel komplett geschlossen
Redfall: ein Trend, dem man hinterherlief
Redfall war von Beginn an ein Bruch. Ein Vampirjäger-Spiel aus dem Haus Arkane klang verlockend - bis klar wurde, dass hier vor allem ein Markttrend bedient werden sollte. Laut Smith und Horne lenkte Mutterkonzern ZeniMax damals mehrere Projekte in Richtung Games as a Service. Dazu kamen fehlende Erfahrung mit dem Format, anhaltender Personalabbau und die Corona-Pandemie. Eine saubere Produktion war das nicht.
Das war ein schwieriges Projekt. Arkane ist sehr spezialisiert, aber die Branche wächst, und es gibt immer mehr Mäuler zu stopfen. Und es ist grossartig, wenn man ein breiteres Publikum erreichen kann. Wir liessen uns von der Games-as-a-Service-Sache mitreissen, und ich hatte die törichte Dreistigkeit anzunehmen, dass das für uns immer gutgeht.
Es hätte laut Smith noch schlimmer kommen können: Microsoft habe entlassenen Mitarbeitenden erlaubt, weiter an einem Abschieds-Patch zu arbeiten. Geholfen hat das wenig - zum Start war das Spiel in erbärmlichem Zustand. Ein Jahr später, 2024, wurde Arkane Austin ganz dichtgemacht.
Ihr kennt das alte Klischee: Es geht um die Reise. Manchmal geht es um den goldenen Ring. Und man will diesen goldenen Ring wirklich. Aber manchmal geht es tatsächlich nur um die Erfahrung, gemeinsam etwas sehr Schwieriges zu versuchen.
Auch Dishonored stand einmal kurz vor dem Aus
Wer den Start eines Studios mitten in einer Branchenkrise für tollkühn hält, sollte sich an die Entstehung von Dishonored erinnern. Smith erzählt, dass Arkane während der Entwicklung nur noch Geld für wenige Monate in der Kasse hatte - man hatte sich zuvor von Auftragsarbeiten wie der Unterstützung bei Boom Blox gelöst. Aus dieser Notlage entstand das Spiel, das bis heute als Kronjuwel des Studios gilt.
Der Unterschied zu heute: Immersive Sims waren schon immer ein Risiko. Neu ist, dass sich das Publikum inzwischen auch von Live-Service-Titeln abgewendet hat - was die üblichen Wahrscheinlichkeiten durcheinanderbringt. Ein Studio, das bewusst auf Trendjagd verzichtet, steht damit nicht mehr zwingend schlechter da als eines, das ihr folgt.
Ein Neuanfang im Schatten der Xbox-Krise
Die Gründung fällt in eine Phase, in der Microsofts Spielesparte nach mehreren zermürbenden Entlassungsrunden weiter im Kreis driftet. Aus den Trümmern entsteht immerhin Neues: Compulsion und Double Fine verfügen inzwischen vollständig über ihre eigenen Backkataloge, Double Fine arbeitet bereits an den nächsten Projekten. Arkane selbst blieb von der jüngsten Entlassungswelle verschont, gilt aber seit Jahren als regelmässiges Sorgenkind des Konzerns - Berichte über einen möglichen Verkauf des Studios kursieren seit dem Sommer und sind nicht bestätigt.
Dass die Ankündigung fast zeitgleich mit dem Rückzug von Warren Spector in den Ruhestand kommt, verstärkt den Eindruck eines Generationenwechsels im Genre. Der Deus-Ex- und System-Shock-Schöpfer hatte seinen Abschied nur wenige Tage zuvor bekannt gegeben.
Was bislang bekannt ist
- Studioname: Black Pony Immersive, gegründet von Harvey Smith, Ben Horne und Ricardo Bare
- Ausrichtung: Immersive Sims in der Tradition von Deus Ex und Dishonored
- Ausdrückliche Absage an Live-Service-Modelle - der Kernfehler bei Redfall
- Konkrete Spiele, Plattformen oder ein Zeitrahmen wurden noch nicht genannt
Einordnung
Versprechen sind billig, gerade in Gründungsinterviews. Bemerkenswert ist hier weniger die Ansage als die Offenheit dahinter: Smith benennt den eigenen Anteil am Redfall-Desaster, statt ihn allein auf Konzernvorgaben abzuwälzen. Ob daraus ein Spiel wird, das an Dishonored anknüpft, entscheidet sich an einer Frage, die das Trio schon einmal beantworten musste - ob das Geld reicht, bis das Ding fertig ist.
Immersive Sims wie Dishonored oder Deus Ex haben eine kleine, aber treue Fangemeinde - und kaum noch Studios, die sie bauen. Dass ausgerechnet die Redfall-Verantwortlichen jetzt ohne Live-Service-Auftrag neu anfangen, ist ein Testfall dafür, ob dieses Genre 2026 überhaupt noch finanzierbar ist.
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