Ancestors: The Humankind Odyssey
«Ich beende immer, was ich anfange» - Ancestors bekommt ein Sequel
Patrice Désilets besitzt die Rechte an seinem Evolutions-Survival - doch bis zu einer Fortsetzung liegt ein unfertiges Herzensprojekt im Weg

- Patrice Désilets bestätigt, dass er eine Fortsetzung zu Ancestors: The Humankind Odyssey machen wird
- Das Original von 2019 war laut ihm als «Band eins» mehrerer geplanter Teile konzipiert
- Die Rechte an der Marke liegen bei ihm selbst - «aber es ist kompliziert»
- Vorher muss 1666: Amsterdam fertig werden, das derzeit im Early Access steckt und weniger als die Hälfte der geplanten Inhalte enthält
Patrice Désilets, Schöpfer der Assassin's-Creed-Reihe und Director von 1666: Amsterdam, wird eine Fortsetzung zu seinem Evolutions-Survival Ancestors: The Humankind Odyssey machen. Das bestätigte der Entwickler im Gespräch mit Eurogamer auf einem Event zu 1666: Amsterdam. Was nach einer klassischen Ankündigung klingt, ist allerdings vor allem ein Versprechen: Ein Termin, ein Studio-Zeitplan oder gar erstes Material existieren nicht - und ein grosses Hindernis steht noch im Weg.
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verkaufte Exemplare von Ancestors, Stand April 2024
720
Steam-Rezensionen für 1666: Amsterdam - Gesamttendenz «ausgeglichen»
ca. 1 Jahr
geschätzte Dauer des Early Access von 1666: Amsterdam
Ancestors war von Anfang an nur «Band eins»
Dass eine Fortsetzung überhaupt in Désilets' Denken existiert, ist keine spontane Idee. Das 2019 erschienene Ancestors: The Humankind Odyssey sei von Beginn an als erster Teil einer Reihe angelegt gewesen. «Ich habe verschiedene Bände entworfen, um das Spiel im Laufe der Zeit zu erweitern», sagte er. Das Original zeichnete die Entwicklung der Menschheit vom Primaten zum aufrecht gehenden Menschen nach, verteilt über Millionen von Jahren: Man überlebte in Third-Person-Survival-Passagen, während das Spiel epochenweise durch die Zeit sprang. Der Stoff für weitere Kapitel liegt also schon in der Struktur des Spiels.
Auf die Nachfrage, ob er eine Fortsetzung machen könnte, wenn er wollte, wurde Désilets deutlich - und verwies auf die extrem lange Entstehungsgeschichte seines aktuellen Projekts.
Ja. Das werde ich. Und die Leute können mir glauben. Ich bin schliesslich bereit, verdammte 16 Jahre zu warten, um das zu beenden, was ich [mit 1666 Amsterdam] angefangen habe. Ich beende immer, was ich anfange.
Wem gehört Ancestors überhaupt?
Eine Frage lag dabei besonders nahe: Ancestors erschien einst über Private Division, das inzwischen eingestellte Publishing-Label von Take-Two. Naheliegend wäre also, dass die Markenrechte dort gelandet sind. Désilets widersprach: «Mir gehört die IP. Aber es ist kompliziert.» Was genau hinter dieser Einschränkung steckt, führte er nicht aus - klar ist nur, dass der Weg zu einem zweiten Teil rechtlich offenbar nicht völlig frei ist.
Erst muss 1666: Amsterdam fertig werden
Der eigentliche Engpass liegt aber in der Gegenwart. Ancestors diente laut Eurogamer eher als Sprungbrett zu Désilets' langgehegtem Traum: einem düsteren Open-World-Abenteuer im Amsterdam des Jahres 1666. Die Idee begleitete ihn seit Jahren, wurde im Corona-Lockdown überarbeitet und ging kurz darauf in Produktion. Fertig ist das Spiel nicht: Es steckt im Early Access und enthält derzeit «weniger als die Hälfte» dessen, was der Entwickler vorschwebt. Die Steam-Seite nennt «ungefähr ein Jahr» als Schätzung für die Early-Access-Phase, räumt aber selbst ein, dass sich das kaum präzise vorhersagen lasse.
Désilets selbst gibt sich zuversichtlich und griff dabei zu zwei kulinarischen Bildern: «Der härteste Teil ist geschafft. Jetzt geht es nur noch um die Produktion und die Umsetzung - wir würden sagen 'die Poutine'.» Und weiter: «Jetzt heisst es einfach 'Lasst uns Pizzen backen'.» Entscheidend sei etwas anderes.
Wir haben einen Plan. Das ist wichtig. Wir haben einen Plan. Wir haben Dinge, die wir umsetzen wollen. Unser Plan lässt auch Raum für das Feedback der Community. Gleichzeitig könnte das alles ewig so weitergehen. Aber das ist nicht unser Hauptplan. Ihr werdet eine Version 1.0 bekommen.
Einordnung: ein Versprechen mit Bedingung
Die Ausgangslage ist ambivalent. Ancestors galt als ambitioniert, aber sperrig - Eurogamer nannte das Spiel im Test wenig unterhaltsam und gleichzeitig nachdenklich stimmend. Trotzdem verkaufte es sich bis April 2024 rund zwei Millionen Mal. 1666: Amsterdam wiederholt dieses Muster aus starker Idee und unebener Umsetzung, hinzu kommt eine Kontroverse rund um den Einsatz generativer KI.
- 1666: Amsterdam steht auf Steam bei nur rund 720 Rezensionen und einer «ausgeglichenen» Gesamttendenz
- Das deutet auf ein bislang kleines und nicht besonders begeistertes Publikum hin
- Eine Ancestors-Fortsetzung müsste zusätzlich die ungeklärte Rechtelage überwinden
Ein zweites Ancestors muss damit nicht nur warten, bis 1666: Amsterdam die Version 1.0 erreicht hat - es dürfte auch davon abhängen, ob dieses Spiel wirtschaftlich funktioniert. Désilets' Versprechen ist ernst gemeint, seine Bilanz beim Durchhalten von Langzeitprojekten spricht für ihn. Nur liegt zwischen «Ich werde» und «Wir kündigen an» in diesem Fall ein ganzes Entwicklungsjahr - mindestens.
Ancestors war eines der eigenwilligsten Survival-Experimente der letzten Jahre und hat trotz durchwachsener Kritiken zwei Millionen Käufer gefunden - eine Fortsetzung würde dieses Konzept endlich weiterdenken. Gleichzeitig zeigt Désilets' Aussage, wie fragil solche Pläne sind: Ancestors 2 hängt am kommerziellen Erfolg eines Spiels, das gerade erst im Early Access startet.
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Ancestors 2 oder erst 1666: Amsterdam - woran soll Désilets arbeiten?
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