Valheim
«Ein Tag in der Sonne» - Valheim verlässt nach 5,5 Jahren den Early Access
Die Kritik feiert Valheim 1.0 als Höhepunkt des Survival-Genres - nur Bogenschützen und Nebelhasser knirschen mit den Zähnen

- Valheim verlässt nach fünfeinhalb Jahren den Early Access und erscheint als Version 1.0
- Seit dem Start 2021 wurden Biome und Bosse laut IGN nahezu verdoppelt, dazu kamen Magie, Trinkets und Perfect Dodges
- Feinjustierbare Schwierigkeitsregler entschärfen den früheren Grind - ein 3x-Rohstoffmultiplikator gilt für Solospieler als angenehm
- Kritikpunkte: Boss-KI in unebenen Arenen, dazu ist die Hälfte der Bosse resistent gegen Stichschaden
Fünfeinhalb Jahre nach dem Start im Early Access ist Valheim fertig. Iron Gates Wikinger-Survivalspiel erscheint als Version 1.0 - und die internationale Kritik reagiert überraschend einhellig: IGN-Autor Len Hafer, der seine Reise in Valheim vor knapp sechs Jahren begann, bezeichnet das Ergebnis als das Beste, was das Genre bisher zu bieten hatte. Polygon spricht in seinem Fazit von einem Spiel, das seinen Status als «all-time great» des Survival-Genres nun endgültig zementiert.
5,5 Jahre
verbrachte Valheim im Early Access, bevor Version 1.0 erschien
8 Biome
umfasst die fertige Welt - die Zahl der Biome und Bosse wurde seit 2021 nahezu verdoppelt
80 Std.
war der IGN-Test in der 1.0-Welt unterwegs, als das Erkunden noch neu wirkte
Vom Überraschungshit zum fertigen Spiel
Als Valheim im Februar 2021 in den Early Access startete, war es der Zufallshit des Jahres: ein bewusst grob aufgelöstes Survivalspiel mit nordischer Mythologie, das trotzdem erstaunlich rund wirkte. Genau das macht die Bewertung der Endfassung heikel - denn viele Spielerinnen und Spieler hatten schon damals das Gefühl, ein vollständiges Spiel vor sich zu haben. Laut IGN sind die Änderungen seither dennoch «zu viele, um sie aufzuzählen», selbst wenn man die offensichtlichen Punkte wie die fast verdoppelte Zahl an Biomen und Bossen beiseitelässt.
- Ein vollwertiges Magiesystem sowie Trinkets erweitern den Kampf um neue Bauweisen
- Perfect Dodges und Parieren mit Timing-Fenster machen das Kampfsystem tiefer
- Feinjustierbare Schwierigkeitseinstellungen erlauben eigene Rohstoff- und Tempo-Regler
- Animierte 2D-Zwischensequenzen nach jedem Boss kündigen das nächste Biom an
Besonders die Regler dürften Rückkehrer interessieren. Einer der grössten Kritikpunkte am Valheim von 2021 war der Grind bei bestimmten Fortschrittsstufen. Im Test von IGN sorgte eine dreifache Rohstoff-Dropchance dafür, dass das Tempo für einen Solospieler «unglaublich flüssig» wurde - für grössere Gruppen sei derselbe Wert womöglich schon zu viel. Wer die frühen Biome zum zweiten Mal durchläuft, kann die Wiederholung damit deutlich abkürzen.
Acht Biome - und ein Finale im hohen Norden
Die fertige Welt umfasst acht Biome, die sich laut Kritik in Stimmung, Gegnern und Geografie klar unterscheiden. Die insektenverseuchten Mistlands haben in der IGN-Wertung die Sümpfe als unbeliebtestes Gebiet abgelöst: sperriges Gelände, dazu dichter Nebel, der die Orientierung zusätzlich erschwert - schön anzusehen sei das Biom nur, solange man nicht gerade umschwärmt wird. Die Ashlands markieren dagegen den dramatischen Sprung ins Endgame, mit deutlich höherem Schwierigkeitsgrad und bedrohlichen Vulkanlandschaften.
Den grössten Eindruck hinterlässt der Deep North, das letzte Gebiet. Ohne Details zu verraten, schreibt IGN, es stelle den Ehrgeiz aller anderen Biome in den Schatten und führe zu einem Abschluss, der eines Wikingerhelden würdig sei. Gerade hier werde Valheim so nordisch wie nie - das Spiel spiele seine stärksten visuellen und mythologischen Themen also ausgerechnet zum Schluss aus.
Ein voller Bauch, ein volles Segel, das Gewicht eines Speers in der Hand und ein Lied auf den Lippen. Mögen alle Berge zerfallen und die Meere zu Salz verkochen - ein Tag in der Sonne ist ein gelebtes Leben.
Segeln, kämpfen, schlemmen
Der erste grosse Aha-Moment im IGN-Test kam nach rund 15 Stunden Vorbereitung: die Jungfernfahrt auf dem selbst gebauten Schiff. Reisen über weite Strecken laufen in Valheim über Meere und Flüsse, und die Steuerung sei bewusst sperrig - genau dafür lobt der Test sie. Enge Wendemanöver und Geschwindigkeitskontrolle müsse man sich erarbeiten, Wellen werfen das Boot herum, plötzliche Stürme können es beschädigen und zur Notlandung zwingen. Weil der Wind ständig dreht, lohnt der Umweg oft mehr als die direkte Linie.
Das Kampfsystem wird ausdrücklich nicht nur als «gut genug für ein Survivalspiel» eingeordnet, sondern als System mit derselben Sorgfalt wie alle anderen: viele Waffen- und Gegnertypen, elementare Schadensarten und Resistenzen, Ausweichen und Parieren nach Timing. Die Bosse sind mechanisch klar unterscheidbar und heben die geforderte Fertigkeitsschwelle Stück für Stück an. Zwei Schwächen benennt der Test aber deutlich: Die Boss-KI komme mit den unterschiedlich geformten Arenen gelegentlich sichtbar nicht zurecht - und exakt die Hälfte der Bosse ist resistent gegen Stichschaden. Für Bogenschützen fühle sich das an wie ein Schild mit der Aufschrift «Ab hier kein Bogen erlaubt», zumal spürbare Upgrades auf Elementarschaden erst spät kommen.
Der klügste Trick des Spiels bleibt das Essen: Lebens- und Ausdauerbalken hängen nicht an Erfahrungspunkten, sondern am Mageninhalt. «Aufleveln» heisst hier, neue Zutaten und Rezepte zu finden. Bis zu drei verschiedene Nahrungsmittel wirken gleichzeitig, doppelt gegessen bringt dagegen nichts - eine ausgewogene Ernährung ist also Pflicht. Laut IGN wirkt die Figur dadurch stärker mit der Welt verbunden als in klassischen Rollenspiel-Fortschrittssystemen.
Dungeons, Festungen und das Bauen
Die zufällig generierten Dungeons reichen von werwolfverseuchten Eishöhlen bis zu klebrigen Insektenstöcken, jeweils mit eigenem Aufbau, Beute und Hindernissen. In den Plains und den Ashlands ersetzen grosse, verzweigte Bauwerke über Tage die unterirdischen Anlagen - die Belagerung einer verkohlten Festung liess die Erkundungsroutine laut IGN selbst nach 80 Stunden wieder frisch wirken. Beim Bauen fällt das Urteil gemischter aus: Valheim ist voxelbasiert, erlaubt beim Verändern des Geländes aber weit weniger als etwa Minecraft. Bis Strukturen nicht mehr im Boden stecken oder leicht zu schweben scheinen, brauche es Übung - dafür sorgt das detaillierte System aus Gewicht und Stützbalken für glaubwürdig wirkende Gebäude.
Einordnung
Bemerkenswert ist vor allem, wie die Kritik den langen Early Access bewertet: Valheim 1.0 wirke nicht wie ein endlich aufgefülltes Skelett, sondern wie ein Klassiker von vor Jahren, der inzwischen drei grosse Erweiterungen erhalten habe. In der persönlichen Genre-Bestenliste des IGN-Autors landet Valheim auf Platz drei - hinter Subnautica und Project Zomboid, vor Minecraft. Auch bei MeinMMO fällt die Bilanz euphorisch aus: Nach fünf Jahren und 120 Stunden habe schon das neue Intro genügt, um wieder zu schwärmen. Für Wartende heisst das: Der Moment, in dem sich der Einstieg lohnt, ist gekommen - wer allerdings vor allem mit dem Bogen kämpft oder Nebelgebiete verabscheut, sollte wissen, worauf er sich einlässt.
Valheim war 2021 der Überraschungshit des Survival-Genres - und blieb danach jahrelang unfertig. Mit Version 1.0 gibt es erstmals ein definiertes Ende, was für alle relevant ist, die den Early Access bewusst ausgesessen haben. Wer jetzt einsteigt, bekommt laut Kritik ein Spiel, das wirkt, als hätte es längst drei Erweiterungen hinter sich.
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DAS SAGT DIE FACHPRESSE
EssenziellDie Kritik bewertet Valheim 1.0 als Höhepunkt des Survival-Genres: IGN nennt es das Beste, was das Genre je hatte, Polygon sieht die Legende endgültig zementiert. Die fertige Fassung wirke weniger wie ein spät vollendetes Gerüst als wie ein Klassiker mit drei Erweiterungen. Als Schwächen bleiben die Stichschaden-Resistenzen der Bosse, die gelegentlich überforderte Boss-KI und das zähe Gelände der Mistlands.
STÄRKEN
- +Acht klar unterscheidbare Biome, deren Höhepunkt laut Kritik der Deep North mit einem würdigen Finale ist
- +Kampfsystem mit Elementarschaden, Timing-Ausweichen und Parieren, das nicht hinter reinen Actionspielen zurücksteht
- +Fortschritt über Essen und Rezepte statt über klassische Erfahrungspunkte
- +Segeln mit Wind, Wellen und Stürmen als eigenständige, erlernbare Disziplin
SCHWÄCHEN
- -Die Hälfte der Bosse ist resistent gegen Stichschaden, was Bogenbauten benachteiligt
- -Boss-KI kommt mit unebenen Arenen gelegentlich sichtbar nicht zurecht
- -Die Mistlands gelten als sperrigstes Gebiet: schwieriges Gelände plus dichter Nebel
FÜR WEN?
Für alle, die Survival-Crafting mit echtem Kampfanspruch, Erkundung per Schiff und einem klaren Ende suchen - allein oder in der Gruppe.
KAUFEMPFEHLUNG
Wer den Early Access bewusst ausgesessen hat, kann laut Kritik jetzt ohne Zögern zugreifen.
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