Tim Curry
Tim Curry ist tot - Games verlieren ihren ersten Hollywood-Star
Der Schauspieler starb mit 80 Jahren und hinterlässt eine Spur, die 1993 in einem Point-and-Click-Horrorspiel beginnt

- Tim Curry ist im Alter von 80 Jahren gestorben, eine Todesursache wurde nicht mitgeteilt
- Der Schauspieler gilt als erster grosser Hollywood-Star, der 1993 eine Videospiel-Hauptrolle übernahm: Gabriel Knight: Sins of the Fathers
- Weitere Rollen: Emperor Doviculus in Brutal Legend, Arl Rendon Howe in Dragon Age und Premier Anatoly Cherdenko in Red Alert 3
- 2012 erlitt Curry einen schweren Schlaganfall, der seine Bewegungsfähigkeit stark einschränkte
Tim Curry ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Der britische Schauspieler wurde weltweit als Frank-N-Furter in The Rocky Horror Picture Show, als Pennywise in der ursprünglichen Verfilmung von Es und durch Auftritte in Legend, Clue, Annie, FernGully und Muppets - Die Schatzinsel bekannt. Eine Todesursache wurde nicht mitgeteilt; Curry hatte 2012 einen schweren Schlaganfall erlitten und kämpfte seither mit gesundheitlichen Folgen. Für Spielerinnen und Spieler hinterlässt er allerdings ein Erbe, das in den Nachrufen der Filmbranche meist nur am Rand vorkommt - dabei beginnt hier eine der wichtigsten Entwicklungen des Mediums.
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80
Jahre alt wurde Tim Curry
1993
erste Videospiel-Hauptrolle in Gabriel Knight
2012
schwerer Schlaganfall, der seine Bewegungsfähigkeit einschränkte
1993: Als Hollywood zum ersten Mal ins Tonstudio ging
Der Startpunkt heisst Gabriel Knight: Sins of the Fathers. Das von Jane Jensen geschriebene und inszenierte Point-and-Click-Adventure setzte 1993 auf etwas, das damals alles andere als selbstverständlich war: eine vollwertige Sprachbesetzung mit bekannten Namen. Curry sprach die Titelrolle, an seiner Seite stand Mark Hamill. Damit war er der erste grosse Hollywood-Schauspieler in einer Videospiel-Hauptrolle - und das Projekt einer der ersten Versuche der Branche, Sprachausgabe von einem reinen Informationsträger zu einem Mittel der Immersion zu machen.
Unumstritten war das nicht. Currys Akzent als Gabriel Knight spaltete die Spielerschaft schon damals und tut es in Retro-Diskussionen bis heute. Der Effekt auf das Medium blieb davon unberührt: Was 1993 als Experiment begann, ist heute Standard - von Metal Gear über Mass Effect bis zu jeder grossen Produktion, die ihre Figuren mit Namen aus Film und Fernsehen besetzt.
Vom Adligen bis zum Dämonenkaiser
Curry blieb dem Medium treu, oft so unauffällig, dass viele seine Beteiligung gar nicht bemerkten. Eine Auswahl seiner bekanntesten Rollen:
- Gabriel Knight in Gabriel Knight: Sins of the Fathers (1993) - die Titelrolle im Horror-Adventure von Jane Jensen
- Emperor Doviculus in Brutal Legend (2008) - der Hauptschurke in Tim Schafers Heavy-Metal-Actionspiel
- Arl Rendon Howe in der Dragon-Age-Reihe - der intrigante Adlige in BioWares Fantasy-Rollenspielen
- Premier Anatoly Cherdenko in Command & Conquer: Red Alert 3 (2008) - der sowjetische Staatschef in den Live-Action-Sequenzen
Cherdenko und die Flucht ins All
Keine dieser Rollen hat sich so tief ins kollektive Gedächtnis der Gaming-Community gebrannt wie Premier Cherdenko. Red Alert 3 lebte 2008 von seinen bewusst überzeichneten Live-Action-Zwischensequenzen, und Curry spielte den sowjetischen Staatschef mit genau der Mischung aus Grössenwahn und Selbstironie, die das Spiel brauchte. Die Szene, in der er ankündigt, den Planeten zu verlassen und an den einzigen Ort zu fliehen, den der Kapitalismus noch nicht verdorben hat, gilt bis heute als die ikonischste Sequenz der gesamten Command-&-Conquer-Reihe - und lebt als Meme längst unabhängig vom Spiel weiter.
der einzige Ort, der nicht vom Kapitalismus verdorben ist
Ein Karriereende, das keines hätte sein müssen
2012 traf Curry ein beinahe tödlicher Schlaganfall, der seine Bewegungsfähigkeit massiv beeinträchtigte. Wie viele weitere Rollen dadurch nie entstanden sind, lässt sich nur erahnen - gerade in einem Bereich wie der Sprachaufnahme, in dem die Stimme das entscheidende Werkzeug ist. Curry hinterlässt keine Kinder, aber ein Werk, das über Jahrzehnte in Kinos, Wohnzimmern und eben auch vor Bildschirmen für Gelächter und Albträume gesorgt hat.
Einordnung: Currys Tod ist für die Spielebranche mehr als ein prominenter Nachruf. Er markiert das Ende einer Biografie, die zufällig an genau jener Stelle stand, an der Videospiele anfingen, sich als erzählendes Medium ernst zu nehmen. Dass heute Hollywood-Besetzungen in Grossproduktionen niemanden mehr überraschen, ist eine direkte Folge von Entscheidungen wie jener, die 1993 zu Gabriel Knight führte. Wer sich erinnern will, braucht dafür keinen Kinobesuch - eine Runde Red Alert 3 genügt.
Tim Curry war der erste Hollywood-Name, der einer Videospielfigur seine Stimme lieh - und damit ein früher Wegbereiter dafür, dass Sprachausgabe in Spielen heute selbstverständlich ist. Wer Red Alert 3, Brutal Legend oder Dragon Age gespielt hat, kennt seine Stimme, auch ohne es zu wissen.
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