The Sinking City 2
Resident Evil mit Fedora - so schlägt sich The Sinking City 2
Frogwares kopiert Capcoms Survival-Horror-Formel offensiv, doch die Kritik sieht darin keinen Makel, sondern das grösste Argument für Arkham

- The Sinking City 2 orientiert sich laut IGN-Test sehr eng an den modernen Resident-Evil-Spielen, besonders am Remake von Resident Evil 2
- Das überflutete Arkham des Jahres 1929 gilt als grösste Stärke: dichte Details, starkes Sounddesign, drei klar unterscheidbare Kapitel-Schauplätze
- Eigene Ideen sind ein Runen-Perk-System über mehrere Durchgänge und eine Indizientafel mit roten Fäden
- Kritisiert werden schwache Bosskämpfe, zu einfache Ermittlungsrätsel und das Fehlen einer Sanity-Mechanik
Frogwares macht kein Geheimnis daraus, bei wem das Studio in die Lehre gegangen ist: The Sinking City 2 spielt sich laut dem Test von IGN wie ein Resident Evil, das sich einen Fedora aufgesetzt hat. Testautor Len Hafer brauchte nach eigener Aussage keine 15 Minuten, um diese Parallele zu ziehen - und meint das ausdrücklich als Kompliment. Denn der Lovecraft-Horror aus der Ukraine kopiert nicht nur Steuerung, Inventar und Munitionsknappheit der Capcom-Vorbilder, er stellt darüber ein Setting, das dem Ganzen eine eigene Persönlichkeit gibt.
1929
Jahr, in dem die Flut Arkham verschlingt
15 Min.
brauchte der IGN-Test bis zum Resident-Evil-Vergleich
4 Stufen
an Runen-Perks, nicht in einem Durchgang freischaltbar
Arkham 1929: eine Stadt, die im Wasser verrottet
Im Zentrum steht Calvin Rafferty, ein Okkultist, der in einem Arkham erwacht, das eine apokalyptische Flut auszulöschen droht. Der Held sei ein Stück weit Pulp-Archetyp - kantiges Kinn, schnelle Fäuste, mehr Mut als Verstand -, zeige aber immer wieder Zwischentöne, heisst es im Test. Die emotionale Triebfeder liefert eine nur halb erinnerte Expedition in Lovecrafts Traumlande, von der Calvins Partnerin und Geliebte Faye im Koma zurückkehrte. Diese Ausgangslage trage laut IGN durch die etwas zähe erste Hälfte des Auftaktkapitels.
Die überflutete Stadt selbst gilt als das eigentliche Prunkstück. Texturarbeit und Sounddesign erzeugen dem Test zufolge eine klamme Atmosphäre, die Dichte der Details in jedem heruntergekommenen Hotelzimmer und jeder Krankenstation wird als beeindruckend beschrieben. Grenzen zeigt die Produktion dagegen bei Zwischensequenzen und Gesichtsanimationen - hier fange die durchweg solide Sprachausgabe einiges auf.
Drei Kapitel, drei sehr unterschiedliche Albträume
Jedes Kapitel führt an einen neuen Ort in Arkham, und jeder Schauplatz habe eine eigene Stimmung und ein eigenes Layout - bei durchgehend stimmigem Gesamtbild:
- Kapitel 1: überflutete Strassenzüge, Fortbewegung per Boot, Höhepunkt ist ein unheimliches Hotel
- Kapitel 2: ein verlassenes Spital - laut Test der gruseligste Abschnitt, inklusive eigener unsterblicher Verfolgerfigur im Geiste von Mr. X und Nemesis
- Kapitel 3: der Fischmarkt von Arkham, der für Calvin genau so verläuft, wie es Lovecraft-Kundige befürchten
Die Capcom-Schule: knappe Munition, gefährlicher Nahkampf
Mechanisch bleibt The Sinking City 2 nah am Vorbild. Calvin sammelt ein kleines Waffenarsenal an, doch die Munition reicht nie für alle Gegner - das Durchwühlen jeder Schublade nach der letzten Patrone gehört zum Spielrhythmus. Nahkampf ist möglich, aber wenig effektiv: Selbst gegen einfache, zombieartige Feinde kassiert man laut Test fast garantiert Treffer, wodurch der Faustkampf zur bewussten Entscheidung wird, Heilgegenstände statt Munition zu verbrauchen. Calvin sei verletzlicher als ein Actionheld vom Schlag eines Leon S. Kennedy, aber robuster als Grace aus Resident Evil Requiem - eine Balance, die der Test als gelungen bezeichnet.
Auch Inventar, Kräuter-Crafting, Türrätsel mit drei einzusetzenden Objekten und ein Erfolgssystem, das mächtige Perks für New Game+ freischaltet, wirken vertraut. Kritisch sieht IGN die Bosskämpfe und grösseren Arenagefechte: Dort tauchen unendlich nachwachsende Loot-Aufsammelpunkte auf, damit niemand ohne Munition festhängt - eine Notlösung, die den Schwierigkeitsgrad untergrabe. Immerhin, so der Test augenzwinkernd, seien mässige Bosskämpfe ebenfalls sehr Resident Evil.
Wo Frogwares eigene Wege geht
The Sinking City 2 ist nicht bloss Frogwares als Capcom-Coverband.
Zwei Systeme heben das Spiel ab. Erstens ein Perk-System mit Runen in vier Machtstufen, die etwa den Schaden erhöhen, solange die Taschenlampe ausgeschaltet bleibt - man wird also belohnt, wenn man Gegner trifft, die man gar nicht sieht. Die stärksten Runen lassen sich in einem einzigen Durchgang nicht freischalten, was einen konkreten Anreiz für einen zweiten Anlauf schafft. Zweitens eine Indizientafel: Überall in den Arealen finden sich schriftliche Hinweise, die sich mit roten Fäden zu Gruppen verknüpfen lassen. Richtige Verbindungen bringen Fortschrittspunkte, teils Hinweise auf Story-Ziele, teils auf optionale Schätze.
Die Lücken: zu leichte Ermittlungen, kein Wahnsinn
Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel lässt sich unabhängig vom Kampf einstellen - was der höhere Grad tatsächlich bewirkt, sei allerdings nur das Ausblenden markierter Textstellen und Symbole. Der Test beschreibt den Sprung deshalb als Wechsel von "sehr einfach" zu "einfach" und wünscht sich mehr echte Detektivarbeit; nur ein optionales Rätsel im späteren Verlauf habe wirklich gefordert. Auffällig ist zudem eine Leerstelle: Eine Sanity-Mechanik fehlt komplett. Zwar gebe es Momente, in denen die Realität ins Wanken gerät, doch nie den Zweifel, ob das Erlebte überhaupt stattfindet - für einen Cthulhu-Stoff eine Enttäuschung.
Es weicht den schwereren metaphysischen Aspekten von Lovecraft nicht aus.
Einordnung
Frogwares hat mit dem ersten The Sinking City bereits einen Lovecraft-Titel mit Ermittlungsschwerpunkt vorgelegt; der Nachfolger verschiebt den Fokus deutlich Richtung Survival-Horror-Action und nimmt dafür flachere Detektivarbeit in Kauf. Die Kritik liest das nicht als Rückschritt, sondern als bewusste Neuausrichtung eines kleineren Studios, das eine bewährte Formel sauber umsetzt und mit einem Setting kombiniert, das Capcom so nicht im Programm hat. Wer auf Capcoms nächsten grossen Horror-Auftritt wartet, bekommt in Arkham eine gut gemachte Zwischenmahlzeit - Lovecraft-typisch ohne Happy End.
Frogwares liefert mit The Sinking City 2 einen Survival-Horror, der die Lücke zwischen zwei Capcom-Grossreleases füllen könnte - ohne Capcom-Budget, aber mit einem Setting, das es so bei Resident Evil nicht gibt. Wer die moderne Over-the-Shoulder-Formel mag und auf Nachschub wartet, bekommt hier laut Kritik eine ernstzunehmende Alternative.
COMMUNITY-UMFRAGE
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DAS SAGT DIE FACHPRESSE
EmpfehlenswertDie Kritik bewertet The Sinking City 2 als sehr nah an seinen Vorbildern, aber als lobenswerte Umsetzung: Ressourcenknappheit, bedrohliche Gegner und aussergewöhnlich detaillierte Schauplätze erinnern laut IGN an das Beste des Genres. Abzüge gibt es für Produktionsgrenzen in der Inszenierung und für zu zahme Detektivarbeit. Unterm Strich fällt das Fazit klar positiv aus.
STÄRKEN
- +Das überflutete Arkham überzeugt laut Kritik mit dichten Details, starker Texturarbeit und klammer Atmosphäre
- +Drei klar unterscheidbare Kapitel-Schauplätze halten das Tempo hoch, das Spital gilt als Gruselhöhepunkt
- +Runen-Perks in vier Stufen schaffen einen echten Anreiz für einen zweiten Durchgang
- +Die Geschichte bleibt trotz kosmischem Horror verständlich und bietet laut Test wirksame emotionale Momente
SCHWÄCHEN
- -Bosskämpfe und Arenagefechte mit endlos nachwachsendem Loot untergraben den Schwierigkeitsgrad
- -Die Ermittlungsrätsel sind selbst auf höherem Schwierigkeitsgrad kaum fordernd
- -Keine Sanity-Mechanik, und Zwischensequenzen sowie Gesichtsanimationen zeigen Produktionsgrenzen
FÜR WEN?
Für alle, die die moderne Over-the-Shoulder-Formel der Resident-Evil-Spiele mögen und sie in einem Lovecraft-Setting der 1920er erleben wollen.
KAUFEMPFEHLUNG
Wer auf Survival-Horror-Nachschub wartet, kann direkt zugreifen; wer vor allem knifflige Ermittlungsarbeit sucht, wartet besser auf einen Rabatt.
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