Tetris
«Wir nehmen Copyright sehr ernst» - Tetris gegen das Weisse Haus
Die Trump-Regierung stellt fünf Browser-Klone online, einer stapelt Tetris-Blöcke zur Grenzmauer - und die Rechteinhaber prüfen jetzt ihre Optionen

- Das Weisse Haus hat mit Arcade.Gov eine Sammlung von fünf Browserspielen veröffentlicht, die bekannte Klassiker kopieren.
- Der Tetris-Klon «Build the Wall» fordert Spielende auf, «die Grenze vor der kommenden Horde zu schützen».
- Die Tetris Company distanziert sich öffentlich, betont ihre Haltung zum Urheberrecht und prüft die Angelegenheit.
- Rechtliche Schritte gibt es bislang nicht, «Build the Wall» ist weiter online abrufbar.
Das Weisse Haus hat unter der Adresse Arcade.Gov eine Sammlung simpler Browserspiele veröffentlicht - und dabei ungefragt bei einigen der bekanntesten Spieleklassiker abgeschrieben. Prominentestes Beispiel: «Build the Wall», ein Tetris-Abklatsch, bei dem herabfallende Blöcke zu einer Grenzmauer gestapelt werden. Die Beschreibung fordert Spielende auf, «die Grenze vor der kommenden Horde zu schützen». Einen Tag nach dem Start hat die Tetris Company reagiert - und lässt keinen Zweifel daran, dass sie mit dem Projekt nichts zu tun haben will.
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5
Spiele stehen zum Start auf Arcade.Gov, weitere sind angekündigt
40+
Jahre gibt es Tetris - laut Hersteller als Spiel, das Menschen zusammenbringt
3. Sept.
an diesem Tag bewarben die Kanäle des Weissen Hauses die Sammlung
Fünf Klone, eine politische Agenda
Die Sammlung besteht ausschliesslich aus Nachbauten bekannter Spielprinzipien, garniert mit Themen der Trump-Regierung. Neben dem Tetris-Klon stehen ein Flappy-Bird-Verschnitt namens «Flappy Bill» und ein Snake-Ableger mit dem Titel «Rio Run» bereit. Andere Einträge lassen Spielende an der Grenze zum Rio Grande patrouillieren oder ein sogenanntes «Trump Account» für Kinder füllen. In den Spielen werden laut Berichten auch Menschen dargestellt, die bei der Grenzüberquerung festgenommen werden sollen - mehrere US-Medien bezeichnen die Inhalte deshalb offen als rassistisch. Nachschub ist angekündigt: Die Seite verweist auf weitere Spiele.
- «Build the Wall» - Tetris-Prinzip, Blöcke werden zur Grenzmauer gestapelt
- «Flappy Bill» - Flappy-Bird-Klon
- «Rio Run» - Snake-Variante
- Grenzpatrouille am Rio Grande
- Ein Spiel, in dem das «Trump Account» der Kinder gefüllt wird
Auffällig ist auch die Bewerbung: Im Ankündigungsvideo tauchten laut Berichten weitere fremde Markenzeichen auf, darunter das GameCube-Logo von Nintendo. Auch Sega wurde in dem Clip aufgegriffen - eine Stellungnahme des Unternehmens gab es bis zuletzt nicht.
Tetris widerspricht - deutlich, aber ohne Klage
Über die offiziellen Tetris-Kanäle stellte die Rechteinhaberin klar, dass sie an «Build the Wall» nicht beteiligt war. Dazu kam ein Satz, der in der Branche aufhorchen liess: «Wir nehmen Urheberrechtsverletzungen sehr ernst.»
Bei Tetris glauben wir an die Kraft der Verbindung und daran, Menschen zusammenzubringen, nicht sie zu spalten. An unsere Fans überall: Wir lieben euch, wir sehen euch, und wir sind dankbar, euch in unserer Community zu haben.
Kerri Brusca von der Tetris Company wurde gegenüber The Verge noch konkreter - und liess durchblicken, dass eine Prüfung läuft.
Seit mehr als 40 Jahren bringt Tetris über Generationen und Kulturen hinweg Menschen durch Spiel und Freude zusammen. Das Ziel des Spiels war immer, mit Bedacht zu stapeln, um so viele Linien wie möglich zu räumen. Wir prüfen die Angelegenheit derzeit.
Konkrete rechtliche Schritte sind bislang nicht bekannt, «Build the Wall» bleibt öffentlich spielbar. Welche Massnahmen das Unternehmen erwägt, liess es offen. In der Community kam die Wortmeldung trotzdem gut an - in den Kommentaren unter dem Statement wird vor allem eine Pointe geteilt: In Tetris geht es traditionell darum, Reihen abzubauen, nicht Mauern aufzubauen.
Von Halo bis Pokémon: das Muster wiederholt sich
Neu ist die Methode nicht. Die Trump-Regierung hat in den vergangenen Jahren wiederholt Spielemarken für politische Botschaften in sozialen Netzwerken genutzt, unter anderem mit Bezügen zur Halo-Reihe. Microsoft schwieg damals. Zu Wort meldeten sich stattdessen andere: The Pokémon Company distanzierte sich, ebenso Steve Downes, die Stimme von Master Chief. Eine Klage gegen das Weisse Haus hat bislang kein Spieleunternehmen eingereicht - obwohl einige der betroffenen Firmen ihre Marken sonst ausgesprochen konsequent verteidigen.
Einordnung
Sollte die Tetris Company tatsächlich urheberrechtlich vorgehen, wäre das der erste offen ausgetragene Konflikt eines grossen Spieleunternehmens mit dem Weissen Haus in dieser Sache. Realistisch bleibt die Wirkung offen: Selbst eine erfolgreiche Beschwerde müsste durchgesetzt werden, und Kritik von Kunstschaffenden hat die Administration bisher konsequent ignoriert. Für Spielende bleibt vorerst ein unangenehmer Befund - Marken, mit denen ganze Generationen aufgewachsen sind, lassen sich offenbar mit wenig Aufwand politisch vereinnahmen, und der Widerspruch der Rechteinhaber kommt spät, leise oder gar nicht.
Bekannte Spielemarken werden hier ohne Zustimmung für politische Botschaften eingesetzt - das betrifft jede Community, deren Lieblingsspiel plötzlich als Werbefläche auftaucht. Die Reaktion von Tetris ist der erste laute Widerspruch aus der Branche und zeigt, wie wenig Kontrolle Rechteinhaber in solchen Fällen faktisch ausüben.
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