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SteamDB

«Das Internet, das wir liebten, ist weg» - SteamDB verkauft

Nach 13 Jahren geben xPaw und Marlamin ihre Steam-Datenbank ab - übernommen hat sie ausgerechnet die Firma hinter Nexus Mods

Republic of Pixels Redaktion02. September 2026 · 15:03 Uhr4 Min. Lesezeit
«Das Internet, das wir liebten, ist weg» - SteamDB verkauft
Bild: Rock Paper Shotgun
Kurzfassung
  • Die Community-Datenbank SteamDB wurde von Chosen übernommen, der Firma, der auch Nexus Mods gehört
  • Gründer xPaw nennt Burnout als Hauptgrund: Das Hobbyprojekt sei über 13 Jahre zu einem Vollzeitjob geworden
  • SteamDB behält Name, Marke, Community und Identität - kurzfristig soll sich für Nutzende nichts ändern
  • Chosen will die Seite kostenlos halten und statt Werbebannern auf Partnerschaften und Affiliate-Links setzen

SteamDB, die inoffizielle Datenbank, die Preisverläufe, Patch-Notizen, Depot-Änderungen und Spielerzahlen aus Steam aufbereitet, hat neue Eigentümer. Wie beide Seiten mitteilen, haben die Gründer xPaw und Marlamin die Seite nach 13 Jahren an Chosen übergeben - jene Firma, der seit Juni des vergangenen Jahres auch Nexus Mods gehört. Der Grund für den Rückzug ist bemerkenswert offen formuliert: Burnout.

13 Jahre

führten xPaw und Marlamin SteamDB in Eigenregie

Kostenlos

bleibt der Zugriff auf SteamDB laut den neuen Eigentümern

Vom Hobbyprojekt zum Vollzeitjob

In seinem Abschiedsposting beschreibt xPaw, wie aus einem Nebenbei-Projekt eine Infrastruktur wurde, auf die nicht nur Spielerinnen und Spieler zugreifen, sondern in den letzten Jahren zunehmend auch Entwicklerstudios und Publisher. Mit der Nützlichkeit sei das Wachstum gekommen - und das gebe es nicht gratis.

Was als Hobbyprojekt begann, wurde zu etwas, das ich mir nie hätte vorstellen können. Ich war immer stolz darauf, was für einen hilfreichen Dienst ich für alle Arten von Gamern und in späteren Jahren für Entwickler und Publisher aufbauen und erhalten konnte.
xPaw, Mitgründer von SteamDB

Er habe SteamDB stets als Hobby betrachtet, schreibt xPaw, doch die Zahl der investierten Stunden entspreche längst einem Vollzeitjob. Steam wachse weiter - bei Spielen, bei Spielerzahlen und bei der Zahl neuer Funktionen, die Valve laufend nachschiebt. All das allein im Blick zu behalten, sei kaum noch zu leisten gewesen. Besonders deutlich wird er bei der Frage, wann die Motivation gekippt ist.

Nach Covid und mit dem Aufstieg der KI ist das Internet, das wir einst liebten, verschwunden - und mit ihm meine Leidenschaft. Ich habe angefangen, bei dem Projekt Burnout zu erleben, aber ich habe mich durchgekämpft.
xPaw, Mitgründer von SteamDB

Bereits vor einigen Jahren habe er nach Nachfolgern gesucht, aber kein Team gefunden, dem er genug vertraute - also machte er allein weiter. Die mentale Last sei seither nur gewachsen. Statt die Seite still auslaufen zu lassen oder abzuschalten, entschieden sich die Gründer für einen Verkauf an einen aus ihrer Sicht «würdigen Partner».

Was sich kurzfristig ändert - und was nicht

Victor Folmann, CEO von Chosen, versucht in seiner Ankündigung vor allem, Befürchtungen zu dämpfen. SteamDB werde nicht in Nexus Mods aufgehen, sondern eigenständig weiterlaufen.

Wenn du die Seite nutzt, keine Sorge: Es bleibt SteamDB und behält seinen eigenen Namen, seine Marke, seine Community und seine Identität. Wir gliedern es nicht einfach in Nexus Mods ein - kurzfristig solltet ihr sogar kaum etwas bemerken.
Victor Folmann, CEO von Chosen

xPaw bleibt in den kommenden Monaten an Bord, um den Übergang zu begleiten. Die Veränderungen sollen zunächst hinter den Kulissen stattfinden - dort, wo bislang eine Ein-Mann-Kapelle gespielt hat. Konkret nennt Chosen mehrere Baustellen:

  • Ein bezahltes, fest finanziertes Team statt eines einzelnen Betreibers
  • Bessere Infrastruktur, Sicherheit und Skalierbarkeit
  • Abarbeiten lange liegengebliebener Verbesserungen
  • Pflege und Weiterentwicklung der Browser-Erweiterung
  • Höhere Abdeckung bei Spielen, deren Daten bisher lückenhaft sind

Ein praktisches Detail betrifft die Steam-Keys: SteamDB war bisher darauf angewiesen, dass die Community Schlüssel spendet, um Spieldateien und Depots verfolgen zu können. Chosen will künftig selbst Keys für Titel finanzieren, die nicht ohnehin auf der eigenen Plattform landen. Beiträge aus der Community bleiben laut Folmann wichtig, gerade bei Spielen, die sich Nutzende besser abgedeckt wünschen - die Abdeckung soll aber nicht mehr ausschliesslich von Spenden abhängen.

Geld verdienen, ohne die Seite zu ruinieren

Die naheliegende Frage nach der Monetarisierung beantwortet Chosen in einem begleitenden FAQ. SteamDB bleibt frei zugänglich, gleichzeitig sucht die Firma aktiv nach Wegen, die Seite wirtschaftlich tragfähig zu machen. Klassische Werbebanner schliesst Folmann dabei ausdrücklich aus: Man könne einfach Anzeigen schalten, halte das aber nicht für den richtigen Ansatz. Stattdessen sollen «leichtgewichtigere» Modelle geprüft werden - Partnerschaften, Integrationen und Affiliate-Links zu Publishern, wenn jemand nach einem Besuch auf SteamDB ein Spiel kauft. Solche Konstruktionen seien aufwendiger und zeigten nicht sofort Wirkung, schreibt Folmann, diesen Nachteil nehme man aber in Kauf, um es richtig zu machen.

Warum ausgerechnet die Nexus-Mods-Eigentümer?

Aus Sicht von Chosen ist der Kauf kein reines Portfolio-Geschäft. Für eine Modding-Plattform ist es zentral, Spiel-Updates lückenlos nachverfolgen zu können - genau das liefert SteamDB seit Jahren. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein stiller Patch eine funktionierende Mod-Sammlung zerlegt, kennt den Wert dieser Daten. Folmann schliesst denn auch eine spätere Annäherung beider Seiten nicht aus: Denkbar sei, dass Nutzende von einem Spiel auf SteamDB zu dessen Modding-Community geführt werden, dass Informationen aus der Datenbank in Nexus Mods einfliessen oder dass Versionsdaten im Hintergrund das Installieren und Warten von Mods erleichtern. Wie eng die Verzahnung am Ende ausfällt, ist offen - der CEO spricht von einem Prozess, den man über die Zeit ausloten wolle.

Einordnung: Ein Muster, das sich wiederholt

Der Ablauf kommt bekannt vor. Chosen hatte Nexus Mods erst im Juni des Vorjahres übernommen, auch dort trat mit Gründer Robin «Dark0ne» Scott eine prägende Einzelperson zur Seite. Zwei der wichtigsten inoffiziellen PC-Infrastrukturen gehören damit derselben Firma. Das ist kein Skandal, aber eine Konzentration, die man im Blick behalten sollte: Beide Dienste sind gross geworden, weil sie unabhängig von Storefronts und Publishern arbeiteten. Für Nutzende zählt kurzfristig vor allem, dass SteamDB kostenlos, werbefrei und funktional bleibt - und dass die Kernaufgabe, Steam ehrlich zu protokollieren, nicht mit kommerziellen Interessen kollidiert. Die Zusagen liegen auf dem Tisch. Wie belastbar sie sind, zeigt sich erst, wenn die ersten Affiliate-Links auftauchen und die erste Nexus-Integration live geht.

Warum das wichtig ist

SteamDB ist für viele PC-Spielerinnen und -Spieler die erste Anlaufstelle für Preisverläufe, Patch-Historien und Spielerzahlen - und für Modder eine zentrale Quelle für Versions- und Depot-Daten. Wenn eine solche Infrastruktur von einem Zwei-Personen-Projekt in Firmenhand wechselt, steht die Frage im Raum, wie unabhängig und kostenlos sie bleibt. Die neuen Eigentümer haben dazu bereits konkrete Zusagen gemacht.

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