Square Enix
Square Enix dementiert den Börsen-Abschied - der Kurs sprang trotzdem
Ein Bericht des Wirtschaftsmagazins Sentaku trieb die Aktie um bis zu zwölf Prozent nach oben, doch der Publisher widerspricht noch am selben Tag
Gerücht / Leak: unbestätigte Informationen - wir kennzeichnen, was gesichert ist.

- Das japanische Wirtschaftsmagazin Sentaku berichtete über einen möglichen Rückzug von Square Enix von der Börse - inklusive Interesse ausländischer Investmentfonds.
- Die Aktie an der Tokioter Börse legte daraufhin um sieben bis zwölf Prozent zu.
- Square Enix dementierte noch am selben Tag: Ein Going Private werde im Unternehmen derzeit nicht erwogen.
- Als möglicher Auslöser der Spekulation gilt Grossaktionär 3D Investment Partners mit rund 18,5 Prozent der Anteile.
Square Enix hat sich gezwungen gesehen, ein Gerücht öffentlich zu dementieren: Der Publisher hinter Final Fantasy, Dragon Quest und Kingdom Hearts prüfe keinen Rückzug von der Börse. Vorausgegangen war ein Bericht des japanischen Wirtschaftsmagazins Sentaku, wonach das Unternehmen ein sogenanntes Going Private ausloten solle - und wonach ausländische Investmentfonds Interesse an einem Deal hätten. Die Reaktion an der Tokioter Börse liess nicht lange auf sich warten.
7-12 %
Kursplus der Square-Enix-Aktie nach dem Sentaku-Bericht
18,5 %
Anteil des Grossaktionärs 3D Investment Partners
100+
Stellen, die Square Enix in den USA und Grossbritannien strich
Ein Bericht, ein Kurssprung, ein Dementi
Der Bericht erschien in der September-Ausgabe von Sentaku und trieb den Kurs an der Tokioter Börse noch am selben Tag um sieben bis zwölf Prozent nach oben. Square Enix reagierte umgehend mit einer offiziellen Stellungnahme, die keinen Interpretationsspielraum lässt.
Die September-Ausgabe des Monatsmagazins Sentaku enthielt einen Bericht über die Möglichkeit, dass die Square Enix Holdings Co., Ltd. (das «Unternehmen») von der Börse genommen wird. Diese Information wurde jedoch nicht vom Unternehmen bekannt gegeben. Innerhalb des Unternehmens werden derzeit keine Überlegungen angestellt, das Unternehmen von der Börse zu nehmen.
Damit ist die Sache formal erledigt - Dementis dieser Art sind an japanischen Börsen üblich, wenn Berichte den Kurs bewegen. Interessanter ist die Frage, warum das Gerücht überhaupt so schnell Glauben fand.
Ein unzufriedener Grossaktionär als möglicher Auslöser
Als möglicher Nährboden der Spekulation gilt laut Investing.com der Grossaktionär 3D Investment Partners, der rund 18,5 Prozent der Square-Enix-Anteile hält. Die Investmentgesellschaft hatte zuvor bereits den Managementplan des Publishers kritisiert und den Verwaltungsrat aufgefordert, die Unternehmensstrategie zu überdenken. Ein aktivistischer Investor mit einem derart grossen Paket ist ein klassisches Signal dafür, dass an einem Unternehmen strukturell etwas in Bewegung geraten könnte - auch ohne konkrete Übernahmepläne.
Vier Jahre Umbau: Warum das Szenario plausibel klang
Square Enix hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verkleinert und neu ausgerichtet. Wer die Etappen nebeneinanderlegt, versteht, warum ein Eigentümerwechsel für viele nicht abwegig wirkte:
- 2022: Verkauf der westlichen Studios Crystal Dynamics, Eidos Montreal und Square Enix Montreal an die Embracer Group
- Mehrere Entlassungsrunden in den vergangenen vier Jahren im Zuge eines Umbaus von Konzern- und Entwicklungsstrukturen
- Drei Jahre nach dem Studioverkauf: über 100 gestrichene Stellen in den USA und Grossbritannien
- Bündelung von Publishing und Entwicklung in Japan
Ein Unternehmen, das sich derart konsequent zusammenzieht, wird an der Börse schnell zum Spekulationsobjekt. Dass ausländische Fonds Interesse haben sollen, passt in dieses Bild - bestätigt ist davon jedoch nichts.
Was ein Going Private wirklich bedeuten würde
Ein Rückzug von der Börse ist teuer: Wer Square Enix übernehmen wollte, müsste sämtliche Aktien zurückkaufen und obendrauf eine Prämie zahlen. Wie ein solcher Deal ausgehen kann, hat zuletzt Electronic Arts vorgeführt. Nach der Übernahme durch den saudischen Staatsfonds Public Investment Fund und dem Abschied von der Börse steht der Publisher mit Schulden in Milliardenhöhe da - eine Last, deren Abbau Jahre dauern dürfte und mit hoher Wahrscheinlichkeit deutliche Strategiewechsel erzwingt.
Genau das ist der Punkt, an dem eine Finanzmeldung für Spielerinnen und Spieler relevant wird: Schuldenlast bedeutet Renditedruck, und Renditedruck entscheidet darüber, welche Projekte grünes Licht bekommen, welche Marken wiederbelebt werden und welche Studios eingespart werden.
Einordnung
Stand jetzt gilt das offizielle Dementi: Ein Börsenrückzug wird bei Square Enix nach eigener Aussage derzeit nicht geprüft. Das schliesst nicht aus, dass der Druck des Grossaktionärs anhält - die Kritik am Managementplan liegt schliesslich auf dem Tisch. Bis es belastbare Belege für ein Going Private gibt, bleibt die Sentaku-Meldung, was sie ist: ein unbestätigter Bericht, der einen Kurs bewegt hat. Wer wissen will, wohin Square Enix steuert, achtet vorerst besser auf die Spiele-Pipeline als auf die Aktionärsstruktur.
Wem ein Publisher gehört, entscheidet mittelfristig darüber, welche Spiele finanziert werden und welche nicht. Square Enix steckt seit Jahren in einem Umbau mit Studioverkäufen und Entlassungen - ein Eigentümerwechsel würde diesen Kurs zusätzlich beschleunigen oder komplett umwerfen. Für Fans von Final Fantasy, Dragon Quest und Kingdom Hearts hängt daran mehr als eine Börsenmeldung.
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