Kingdom Hearts 4
Kingdom Hearts 4 bekommt weniger Welten - dafür doppelt so viel Skript
Tetsuya Nomura und Tai Yasue erklären im Famitsu-Interview, warum die Zahl der Disney-Welten sinkt und wie weit die Entwicklung wirklich ist

- Kingdom Hearts 4 enthält laut Tetsuya Nomura weniger Welten als frühere Serienteile - dafür sollen sie detaillierter ausfallen als je zuvor
- Das Skript ist nach Nomuras Angaben fast doppelt so umfangreich wie jenes von Kingdom Hearts 3; die japanische Sprachaufnahme ist fertig, die englische zu 60 bis 70 Prozent
- Coco ist die erste enthüllte Disney-Welt und war die erste, die das Team fertig konzipiert hat - inklusive Keyblade-Gitarre und mehr vertikalen Bewegungsmöglichkeiten
- Die Dandelions aus Union χ treten in Quadratum als Organisation auf, die mit der dortigen Regierung zusammenarbeitet
Nach dem ausführlichen Trailer, den Square Enix Anfang des Monats auf Disneys D23-Showcase gezeigt hat, haben sich Serienschöpfer Tetsuya Nomura und Co-Director Tai Yasue mit dem japanischen Magazin Famitsu zusammengesetzt. Die wichtigste Auskunft betrifft eine Frage, die Fans seit Jahren umtreibt: Wie gross wird Kingdom Hearts 4 eigentlich? Die Antwort fällt zweigeteilt aus. Das Spiel bietet weniger Welten als frühere Teile - erzählt dafür aber deutlich mehr.
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2x
so umfangreich ist das Skript im Vergleich zu Kingdom Hearts 3
60-70 %
der englischen Sprachaufnahmen sind abgeschlossen
Feb. 2027
startet die Kingdom Hearts Ausstellung in Japan
Weniger Schauplätze, mehr Aufwand pro Welt
Nomura begründet die geringere Anzahl an Welten mit dem gestiegenen Produktionsaufwand. Jede einzelne soll dichter und aufwendiger ausfallen als alles, was die Reihe bisher geboten hat - und das geht offenbar nur über die Menge.
Das sind die detailliertesten und poliertesten Welten der Serie bis heute. Um das zu erreichen, gibt es in diesem Spiel nicht so viele Welten wie in anderen Teilen.
Damit hängt auch die Enthüllungspolitik zusammen. Weil einen Tag vor dem Kingdom-Hearts-Panel bereits ein Überraschungstrailer erschienen war, hofften viele Fans auf eine zweite Weltenankündigung auf der Bühne. Die war nie geplant: Bei einer so hohen Schlagzahl, so Nomura, hätte dem Team lange vor dem Release der Gesprächsstoff gefehlt. Coco sei ohnehin früher gezeigt worden als ursprünglich vorgesehen - schlicht, weil D23 die passende Gelegenheit war.
Coco: Keyblade als Gitarre, Skelette als Design-Chance
Die Welt zum Pixar-Film war laut Nomura jene, die er am dringendsten dabeihaben wollte - entsprechend wurde sie als erste finalisiert und in Produktion genommen. Yasue hebt vor allem das mexikanische Setting und die Musik hervor, die Coco im Serienkontext ungewöhnlich machen.
Es ist eine visuell beeindruckende Welt, und da hier alle Skelette sind, bewegen sich auch alle auf sehr eigene Weise.
Spielerisch schlägt sich das in zwei Punkten nieder. Zum einen hat das Team die Zahl der Attraktionen erhöht, mit denen sich Sora durch den Raum und vor allem vertikal bewegt - Erkundung sei ein Schwerpunkt gewesen. Zum anderen greift die Musik direkt in die Kämpfe ein: Im Gefecht an der Seite von Hector lässt sich das Keyblade zur Gitarre umfunktionieren. Weitere Ideen für die Welt behält Yasue vorerst für sich.
Doppelt so viel Text - und ein Lore-Aufpasser im Team
Der grössere Erzählumfang ist die zweite Kernaussage des Interviews. Nomura beziffert das Skript auf fast das Doppelte von Kingdom Hearts 3, was die Aufnahmeplanung erheblich erschwert habe. Trotzdem musste er kürzen: Es habe weitere Passagen gegeben, die er gern eingebaut hätte, doch er habe die Grenze bereits überschritten. Das Skript ist fertig, die japanische Sprachausgabe komplett aufgenommen, die englische Fassung liegt bei 60 bis 70 Prozent.
Erzählerisch rückt das Mobile-Spiel Kingdom Hearts Union χ stark in den Vordergrund. Figuren wie Sigurd und Strelitzia tauchen im Shibuya-artigen Quadratum auf, und die Dandelions sind hier keine lose Gruppe von Keyblade-Trägern mehr, sondern eine Organisation, die mit der Regierung von Quadratum zusammenarbeitet - unterstützt von Sora und den anderen Keyblade-Trägern. Details zu ihrer Rolle bleiben offen.
Weil die Kontinuität nach 25 Jahren kaum noch von einer Person zu überblicken ist, hat das Team gegengesteuert: Ein Mitarbeiter, der bei Union χ die Serien-Lore in verständlicher Form zusammengetragen hat, wurde für Kingdom Hearts 4 verpflichtet. Er erklärt die Geschichte gegenüber Disney und liest laut Nomura alles gegen - notwendig, da die Union-χ-Handlung diesmal stark eingebunden ist. Auch die neuen Namen rund um die auf der D23 angekündigte Anime-Serie profitieren davon.
Entwicklung läuft laut Yasue so rund wie nie
Wann die nächste Enthüllung folgt, weiss das Team selbst noch nicht. Dafür wiederholen beide die Zusicherung, dass die Produktion planmässig läuft: Yasue bezeichnet den Fortschritt als reibungsloser als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Seriengeschichte, Nomura betont, das Spiel werde deutlich vor dem Releasetermin fertig sein und das Zeitfenster nicht verschoben. Parallel läuft die Vorbereitung auf das 25-jährige Jubiläum - neben dem Anime ist ab Februar 2027 eine Ausstellung mit Artworks und weiterem Material in Japan geplant.
Einordnung: Für eine Reihe, deren Vorgänger 2019 erschien und die seit dem Reveal 2022 von Warteschleifen lebt, sind das ungewöhnlich konkrete Angaben. Die Rechnung «weniger Welten, mehr Tiefe» ist allerdings erst dann eingelöst, wenn man sie spielt - und sie steht im Spannungsfeld zu einem Serienreflex, in dem die schiere Zahl an Disney-Auftritten lange als Kaufargument galt. Bestätigt ist bislang nur eine Welt. Wie viele es am Ende sind, bleibt die offene Frage.
Seit 2019 warten Fans auf einen neuen nummerierten Serienteil, und die Frage nach dem Umfang hängt seither über dem Projekt. Nomuras Aussage beantwortet sie erstmals konkret: weniger Schauplätze, dafür mehr Inhalt pro Welt und deutlich mehr Erzählung. Wer sich auf eine lange Liste an Disney-Filmen gefreut hat, muss die Erwartung jetzt anpassen.
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