GungHo Online Entertainment
Sony kauft sich bei GungHo ein - Taizo Son steigt komplett aus
Sony Music Entertainment (Japan) wird für rund 154 Millionen Euro grösster Anteilseigner beim «Puzzle & Dragons»-Publisher - und plant gemeinsame Spiele

- Sony Music Entertainment (Japan) übernimmt 23,29 Prozent der Stimmrechte an GungHo Online Entertainment und wird grösster Anteilseigner.
- Der Kaufpreis für die 12'006'500 Aktien liegt bei rund 28,6 Milliarden Yen (etwa 154 Millionen Euro), der Abschluss ist für den 30. Dezember 2026 geplant.
- Verkäufer ist der Gründerkreis um Taizo Son, der seinen kompletten Bestand abgibt.
- Parallel wurde eine Kapital- und Geschäftsallianz vereinbart - unter anderem für neue Spiele auf Basis von IP der SME-Gruppe.
Sony Music Entertainment (Japan) steigt bei GungHo Online Entertainment ein und wird grösster Anteilseigner des Publishers, der vor allem für «Puzzle & Dragons» bekannt ist. Übernommen werden 23,29 Prozent der Stimmrechte, bezogen auf die ausgegebenen Aktien ohne eigene Anteile sind es 22,93 Prozent. Die 12'006'500 Aktien wechseln ausserhalb der Börse den Besitzer, der Gesamtpreis liegt bei rund 28,6 Milliarden Yen - umgerechnet etwa 154 Millionen Euro. Der Vertrag wurde am 28. August geschlossen, abgeschlossen werden soll der Deal am 30. Dezember 2026, sofern die Behörden zustimmen.
23,29 %
der Stimmrechte gehen an Sony Music Entertainment (Japan)
154 Mio. €
Kaufpreis, rund 28,6 Milliarden Yen für 12'006'500 Aktien
30. Dez. 2026
geplanter Abschluss der Transaktion
Ein Ausstieg, kein Teilverkauf
Auf der Verkäuferseite steht SON Financial, bislang Grossaktionär von GungHo. Dahinter steht der Gründerkreis um Taizo Son, der bei SON Financial LLC als vertretender Gesellschafter geführt wird und bei der indirekt beteiligten Belleisle Japan Co., Ltd. Geschäftsführer sowie Alleineigentümer ist. Verkauft wird nicht ein Teilpaket, sondern der komplette Bestand. Mit dem Abschluss verlieren beide Gesellschaften ihren Status als Grossaktionär beziehungsweise als sonstiges verbundenes Unternehmen.
Belleisle galt bisher als offenlegungspflichtige, nicht börsennotierte Muttergesellschaft von GungHo. Diese Kategorie entfällt künftig, weil mit der Sony Group Corporation ein börsennotiertes Unternehmen nachrückt. Nach dem Vollzug gelten Sony Music Entertainment (Japan) und die Sony Group als sonstige verbundene Unternehmen von GungHo - in Japan eine Bilanzkategorie, die massgeblichen Einfluss beschreibt, aber keine Konsolidierung als Tochterfirma. GungHo bleibt eigenständig geführt und weiterhin im Prime Market der Tokioter Börse notiert.
Was die Allianz konkret prüfen soll
Parallel zum Aktienkauf haben beide Seiten eine Kapital- und Geschäftsallianz vereinbart, deren Details erst noch ausgehandelt werden. Laut Mitteilung stehen drei Felder auf der Prüfliste:
- gemeinsame Entwicklung und gemeinsamer Betrieb von Smartphone-, Konsolen- und PC-Spielen, die GungHo betreibt und vertreibt
- Kollaborationen und Crossover-Events in bestehenden GungHo-Titeln
- neue Spieleprojekte auf Basis geistigen Eigentums der SME-Gruppe, also von Sony Music Entertainment (Japan) samt Tochter- und verbundenen Unternehmen
Vor allem der letzte Punkt dürfte Spielerinnen und Spieler interessieren, denn die SME-Gruppe reicht weit über Musik hinaus. Zu ihr gehört unter anderem Aniplex, das mit «Fate/Grand Order» eines der erfolgreichsten Mobile-Games Japans betreibt. An der Spitze von SME steht mit Atsuhiro Iwakami zudem ein Aniplex-Veteran. Neu ist die Zusammenarbeit ohnehin nicht: GungHo lizenziert bereits heute Audio- und Videoinhalte der SME-Gruppe für eigene Spiele, ausserdem laufen gemeinsame Entwicklungsprojekte. Eine kapital- oder personalseitige Verflechtung gab es bislang jedoch nicht.
Unabhängig - aber mit Mitspracherechten
SME will die Managementunabhängigkeit von GungHo respektieren, solange das Unternehmen börsennotiert bleibt. Ganz ohne Einfluss bleibt der neue Grossaktionär trotzdem nicht. Dauerhaft zustimmungspflichtig sind Allianzen mit Dritten, welche die vereinbarte Zusammenarbeit spürbar behindern könnten. Zusätzlich erhält SME ein Bezugsrecht, um seinen Anteil bei künftigen Aktienemissionen halten zu können. Für die Übergangsphase bis zum Abschluss gilt ein Verwässerungsschutz: Aktienausgaben, Splits oder Zusammenlegungen, die SMEs Quote unmittelbar nach dem Vollzug unter 22,65 Prozent drücken würden, brauchen vorab eine schriftliche Zustimmung. Sämtliche Klauseln werden ausgesetzt, sollte der Stimmrechtsanteil der SME-Gruppe unter 15 Prozent fallen. GungHo selbst bewertet die Wirkung dieser Vorbehalte auf die Unternehmensführung jeweils als gering. Vereinbart wurde ausserdem eine Informationsabschottung: GungHo darf Massnahmen ergreifen, damit hochsensible Geschäftsinformationen zu Geschäften ausserhalb von GungHo und SME nicht bei SME landen.
Warum es bis Dezember dauert
Die Lücke von rund vier Monaten zwischen Vertragsschluss und geplantem Abschluss dürfte mit dem Kartellrecht zusammenhängen. Nötig sind eine Anmeldung bei der japanischen Fair Trade Commission nach dem Antimonopolgesetz, der Ablauf einer Wartefrist und die Bestätigung, dass keine Unterlassungsverfügung ergeht. Rechtlich gilt der Zukauf als Aktienansammlung, die einem Übernahmeangebot gleichsteht. Deshalb haben beide Seiten Pflichtmitteilungen veröffentlicht, GungHo hat zusätzlich eine Wertpapiermeldung beim zuständigen Finanzamtsbezirk Kanto eingereicht. Auf das eigene Ergebnis erwartet GungHo vorerst nur geringe Auswirkungen.
Einordnung: Für den Moment ändert sich für die Spielerschaft wenig - GungHo bleibt operativ eigenständig, die Studios arbeiten weiter, und der finanzielle Effekt wird als gering beziffert. Interessant wird es erst, wenn die Allianz mit Inhalten gefüllt wird. Denn wer sich einen Anteil in dieser Grössenordnung sichert und im selben Atemzug gemeinsame Konsolen- und PC-Projekte auf Basis eigener Marken prüft, denkt langfristiger als in Crossover-Events. Konkrete Titel gibt es bislang keine, die Details sollen erst noch ausgehandelt werden.
GungHo betreibt mit «Puzzle & Dragons» einen der langlebigsten Mobile-Hits Japans und veröffentlicht auch auf Konsole und PC. Mit Sony Music Entertainment (Japan) rückt ein Anteilseigner nach, zu dessen Gruppe Anime- und IP-Schwergewichte wie Aniplex gehören - genau daraus sollen laut Mitteilung neue Spieleprojekte und Crossover-Events entstehen.
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