Secret Neighbor
Hacker löscht alle Fortschritte - und fordert Secret Neighbor aus dem Handel
Der Mehrspieler-Ableger von Hello Neighbor ist vorerst offline, weil ein Angreifer mit Admin-Zugang Spielerprofile gelöscht hat

- Secret Neighbor wurde nach einem Sicherheitsvorfall vorübergehend abgeschaltet
- Ein Angreifer erlangte Zugangsdaten mit Admin-Rechten und löschte Profile sowie Spielfortschritte
- Die Forderung: Das Spiel soll auf allen Plattformen aus dem Verkauf genommen werden
- Persönliche Daten sind laut Entwickler und Publisher nicht betroffen, ein Zeitplan für die Rückkehr fehlt
Secret Neighbor, der Mehrspieler-Ableger des Horrorspiels Hello Neighbor, ist derzeit nicht spielbar. Entwickler Hologryph und Publisher tinyBuild haben den Titel nach einem Sicherheitsvorfall vorübergehend vom Netz genommen: Ein Angreifer hatte sich vergangene Woche Zugangsdaten mit Administratorrechten verschafft, in die Backend-Systeme des Spiels eingegriffen und dort Spielerprofile, Fortschritte und weitere Daten gelöscht. Was den Fall von einem gewöhnlichen Datenverlust unterscheidet, ist die Forderung, die der Angreifer damit verbindet.
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2019
erschien Secret Neighbor als Ableger von Hello Neighbor (2017)
3 Mio. $
investierte tinyBuild 2020 in das Studio Hologryph
Ein Angriff über alle Plattformen hinweg
Laut der Stellungnahme auf Steam, auf die die Seite delistedgames aufmerksam machte, blieb es nicht bei einem einzelnen Eingriff. Hologryph und tinyBuild sprechen von einem koordinierten Vorgehen gegen ihre Serverinfrastruktur, das sich über sämtliche Plattformen erstreckte. Persönliche Daten oder Nutzerinformationen sollen dabei nach Angaben beider Unternehmen nicht kompromittiert worden sein - betroffen sind die spielinternen Datensätze.
Ein koordinierter Angriff auf unsere Serversysteme und unsere Infrastruktur.
Weil der Vorfall zum Zeitpunkt der Mitteilung noch andauerte, entschieden sich Studio und Publisher für die drastischste Option: Das Spiel bleibt so lange abgeschaltet, bis die Lücke geschlossen und die Ursache geklärt ist. Ein Datum für die Rückkehr nennen sie nicht. Im Steam-Shop ist Secret Neighbor unverändert gelistet und kann weiterhin gekauft werden - gespielt werden kann es aktuell nicht.
Die Forderung: kein Geld, sondern ein Verkaufsstopp
Ungewöhnlich ist das Motiv. Statt Lösegeld zu verlangen, verfolgt der Angreifer nach Darstellung der Verantwortlichen ein anderes Ziel.
Die Person hat erklärt, das Spiel und dessen Backend-Systeme weiter ins Visier zu nehmen, bis das Spiel auf allen Plattformen aus dem Verkauf genommen wird.
Damit steht nicht nur eine technische, sondern auch eine grundsätzliche Frage im Raum: Ein Titel soll durch fortgesetzte Angriffe so lange unbrauchbar gemacht werden, bis er vom Markt verschwindet. Hologryph und tinyBuild geben an, die zuständigen Behörden eingeschaltet zu haben.
Was mit den gelöschten Fortschritten passiert
Für die Rettung der Daten arbeiten beide Unternehmen mit PlayFab zusammen, dem Anbieter der Backend-Dienste von Secret Neighbor. Ob sich alle Profile und Fortschritte wiederherstellen lassen, ist offen - eine Garantie gibt es in der Mitteilung nicht, ebenso wenig einen Zeitrahmen. Zugesagt ist lediglich, dass die Community über den weiteren Verlauf informiert wird.
- Betroffen sind Spielerprofile, spielinterner Fortschritt und weitere Datensätze
- Persönliche Daten wurden laut Hologryph und tinyBuild nicht kompromittiert
- Die Wiederherstellung läuft über den Backend-Dienstleister PlayFab
- Behörden sind eingeschaltet, ein Termin für die Rückkehr des Spiels fehlt
Eine Marke, die zuletzt eher wuchs
Secret Neighbor erschien 2019 als asymmetrischer Mehrspieler-Ableger zum 2017 veröffentlichten Hello Neighbor. Ein Jahr nach dem Start steckte tinyBuild drei Millionen Dollar in Hologryph und wurde Mehrheitseigner; wenige Monate zuvor hatte der Publisher bereits Dynamic Pixels übernommen, das Studio hinter dem ersten Hello Neighbor. 2022 folgte der zweite Teil, ein dritter befindet sich Berichten zufolge in Arbeit. Serienschöpfer Nikita Kolesnikov beschreibt Hello Neighbor 3 als direkte Fortsetzung des Originals - beide Teile seien enger miteinander verbunden als alles andere in der Reihe.
Dass die Marke keineswegs am Ende ist, zeigte zuletzt der Erstling: Hello Neighbor verzeichnete im März dieses Jahres seinen bislang höchsten Wert an gleichzeitig aktiven Spielerinnen und Spielern. Ausgerechnet in dieser Phase trifft der Angriff einen der Nebentitel der Reihe.
Einordnung
Der Fall ist ein Lehrstück darüber, wie verwundbar Live-Service-Strukturen sind, wenn ein einziger privilegierter Zugang kompromittiert wird. Für die Community bleibt vorerst nur Warten - und die unangenehme Erkenntnis, dass jahrelang gesammelter Fortschritt in einem Online-Titel nie wirklich in den eigenen Händen liegt. Wie viel davon zurückkommt, entscheidet sich in den kommenden Tagen und Wochen bei PlayFab.
Wer Zeit in einen Online-Titel investiert, verlässt sich darauf, dass der Fortschritt auf fremden Servern sicher liegt. Der Fall Secret Neighbor zeigt, wie schnell diese Rechnung kippen kann - und wie wenig Spielerinnen und Spieler dagegen tun können, wenn ein einzelner Admin-Zugang in falsche Hände gerät.
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