Pokémon
«Äusserst ungerecht» - Weltmeister fliegt von Pokémon Worlds
Drei Spieler drängeln sich in die Merch-Schlange - und verlieren am Ende nicht nur den Zugang zum Pokémon Center, sondern zum kompletten Turnier

- Luca Ceribelli, VGC-Weltmeister 2024, wurde zusammen mit Ruben Gianzini und Luca Lussignoli von den Pokémon World Championships 2026 in San Francisco ausgeschlossen.
- Auslöser war laut Ceribelli, dass Gianzini in der Warteschlange zum Merch-Stand zu den beiden anderen dazustiess - nach Ceribellis Angaben wegen einer Behinderung, die ihm dichtes Gedränge sehr schwer macht.
- Die Sicherheitskräfte zogen die Event-Pässe ein; mehrfach sei zugesichert worden, dass sie neu gedruckt werden könnten. Später hiess es, ein Neudruck sei nicht möglich.
- The Pokémon Company hat sich bislang nicht öffentlich geäussert, eine Anfrage von Kotaku blieb zunächst unbeantwortet.
Die Pokémon World Championships und die Fan-Convention Pokémon XP laufen dieses Wochenende in San Francisco - für die kompetitive Szene ist es der Höhepunkt des Jahres. Drei italienische Spieler erleben ihn allerdings von aussen: Luca Ceribelli, Ruben Gianzini und Luca Lussignoli wurden vom Event ausgeschlossen. Der Grund ist kein Cheating, kein Regelverstoss im Match und kein Fehlverhalten am Spieltisch, sondern eine Warteschlange vor dem Merchandise-Stand. Besonders brisant: Ceribelli ist Ex-Weltmeister - er gewann 2024 die Masters Division im Videospiel-Wettbewerb.
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2024
Jahr, in dem Ceribelli den WM-Titel in der Masters Division gewann
3
Spieler, denen die Event-Pässe abgenommen wurden
8 Monate
so lange konnte Ceribelli nach eigener Aussage keine Turniere besuchen
Was am Merch-Stand geschah
Ceribelli hat den Ablauf in einem ausführlichen Statement geschildert. Demnach standen er und Lussignoli in der Schlange vor dem Pokémon-Center-Store und liessen Gianzini zu sich dazustossen. Als Grund nennt Ceribelli ausdrücklich eine Behinderung seines Mitspielers, die ihm den Aufenthalt in dichtem Gedränge äusserst unangenehm macht. Das Sicherheitspersonal reagierte, indem es den drei Spielern die Event-Pässe abnahm - laut Ceribelli mit dem Ziel, ihnen den Zutritt zum Store zu verwehren.
Genau an diesem Punkt beginnt der eigentliche Konflikt. Nach Ceribellis Darstellung wurde der Gruppe «mehrfach» versichert, die Pässe liessen sich neu ausdrucken, sodass an den folgenden Turniertagen nichts im Weg stehe. Später habe es dann geheissen, ein Neudruck sei nicht möglich - womit die drei nicht nur vom Verkaufsstand, sondern vom gesamten Veranstaltungsgelände ausgeschlossen waren.
«Whether intentionally or not» - der Vorwurf der Irreführung
Ich halte das für äusserst ungerecht, weil es das Vergehen nicht im Geringsten widerspiegelt. Obendrein wurden wir - ob absichtlich oder nicht - dazu gebracht, eine derart absurde Entscheidung nicht anzufechten. Als wir das Personal vor Ort damit konfrontierten, hiess es, man könne nichts mehr tun, um unsere Pässe zurückzubekommen, sodass wir am Ende nicht mehr auf das Gelände kamen.
Ceribelli nimmt in seinem Statement selbst vorweg, dass die Geschichte kaum zu glauben ist: Die Situation wirke so absurd, dass es aussehe, als erzähle er nicht die ganze Wahrheit - er hoffe aber, dass man ihm glaube, dass es nicht mehr zu erzählen gebe. Persönlich trifft ihn der Ausschluss hart: Das Jahr sei emotional extrem schwierig gewesen, acht Monate lang habe er keine Turniere besuchen können und sich entsprechend auf ein weiteres Worlds gefreut. Dass ihm das nun auf diese Weise genommen werde, sei «gelinde gesagt niederschmetternd».
Die Community stellt eine sehr simple Frage
Innerhalb weniger Stunden wurde der Fall zum Gesprächsthema der Pokémon-Szene. Die Kritik dreht sich weniger um die Frage, ob Vordrängeln in Ordnung ist - sondern um die Verhältnismässigkeit und um die technische Begründung. Zusammengefasst lauten die Vorwürfe aus der Community:
- Ein Vorfall an einem Verkaufsstand zieht eine Konsequenz nach sich, die den sportlichen Wettbewerb betrifft.
- Dass sich ein Zugangspass angeblich nicht neu ausdrucken lässt, wirkt für viele Fans wenig plausibel.
- Der Umgang mit Gianzinis Behinderung wird als schlechtes Signal für Barrierefreiheit bei Grossveranstaltungen gelesen.
- Mehrere Stimmen fordern, dass The Pokémon Company den Fall zumindest öffentlich erklärt.
Dass man für einen eurer ehemaligen WELTMEISTER angeblich keinen Zugangspass neu ausdrucken kann, ist ein ganz schlechtes Bild für Pokémon. Da sollte man wirklich etwas unternehmen.
Einordnung
Wichtig bleibt: Bislang liegt ausschliesslich Ceribellis Version vor. The Pokémon Company hat sich nicht öffentlich geäussert, eine Anfrage der Kollegen von Kotaku beim Pokémon Center war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unbeantwortet. Ob es weitere Gründe für den Passentzug gab, ist damit offen. Unabhängig davon zeigt der Fall ein strukturelles Problem: Merchandise-Ausgabe und Turnierbetrieb hängen bei Worlds am selben Zugangspass - und der Andrang auf exklusive Artikel ist dieses Jahr ohnehin ein Reizthema, Scalper inklusive. Wer viel Geld und Monate an Qualifikation investiert, sollte nicht durch eine Schlange vor einem Laden aus dem Wettbewerb fallen. Eine Stellungnahme wäre das Mindeste.
Die Pokémon-WM ist der wichtigste Wettbewerb des Jahres - wer sich qualifiziert, investiert Monate an Reise-, Trainings- und Punkteaufwand. Wenn ein Vorfall an einem Verkaufsstand zum kompletten Turnierausschluss führt und die Kommunikation dazu unklar bleibt, betrifft das jede Spielerin und jeden Spieler, die auf faire und nachvollziehbare Regeln vor Ort angewiesen sind.
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