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«Der Markt kauft sie weiter» - Ex-PlayStation-Chef zum Disc-Aus

Shawn Layden nennt eine PlayStation ohne Discs «deprimierend, aber lösbar» - und erklärt, warum die Lösung allein bei Sony liegt

Republic of Pixels Redaktion05. September 2026 · 12:04 Uhr3 Min. Lesezeit
«Der Markt kauft sie weiter» - Ex-PlayStation-Chef zum Disc-Aus
Bild: GamesRadar
Kurzfassung
  • Ab Januar 2028 erscheinen neue PlayStation-Spiele nicht mehr auf Disc - Retail-Hüllen enthalten dann Download-Codes.
  • Ex-Worldwide-Studios-Chef Shawn Layden nennt diese Zukunft «deprimierend, aber lösbar».
  • Der Haken: Sony besitzt das proprietäre Pressverfahren - ohne Lizenz an Drittanbieter geht laut Layden nichts.
  • Ein Bericht aus Österreich wurde korrigiert: Sony DADC erwartet ein Minus von 10 Prozent, nicht einen Rückgang auf 10 Prozent.

Shawn Layden, 25 Jahre lang Teil der Marke PlayStation und von 2016 bis 2019 Chef der Sony Worldwide Studios, hat sich erstmals ausführlich zum Ende der PlayStation-Disc geäussert. Im Gespräch mit dem Magazin Game (by Pad and Pixel) nennt er eine Zukunft ohne physische Datenträger «deprimierend, aber lösbar» - und macht zugleich deutlich, dass die Lösung ausschliesslich in Sonys Händen liegt. Hintergrund ist die Ankündigung von Anfang Juli: Ab Januar 2028 produziert Sony keine Discs für neue PlayStation-Spiele mehr. Physische Packungen im Handel enthalten dann nur noch Download-Codes.

Jan. 2028

ab dann keine Discs mehr für neue PlayStation-Spiele

10 %

erwarteter Rückgang des Gesamtvolumens bei Sony DADC - nicht auf 10 Prozent

25 Jahre

war Shawn Layden für die Marke PlayStation tätig

Ein Missverständnis rund um das Werk in Thalgau

Kurz nach Sonys Ankündigung sorgte ein Bericht aus Österreich für Aufregung: Er wurde vielerorts so gelesen, als würde Sony die Produktion im DADC-Werk auf zehn Prozent zusammenstreichen. Ein Sprecher von Sony DADC stellte das gegenüber Game inzwischen richtig.

Zur Klarstellung und um irreführende Informationen zu vermeiden: In dieser Aussage hat Dietmar einen Rückgang des gesamten Produktvolumens um 10 Prozent erwartet, nicht einen Rückgang auf 10 Prozent.
Sprecher von Sony DADC gegenüber Game

Ein Rückgang bleibt es also - aber ein deutlich kleinerer, als die ersten Meldungen nahelegten. Für die grundsätzliche Frage, wer nach 2028 überhaupt noch PlayStation-Discs pressen darf, ändert das allerdings nichts.

Warum kein Drittanbieter einspringen kann

Viele Fans hoffen auf spezialisierte Anbieter wie iam8bit, die Sammler-Editionen künftig in Eigenregie pressen könnten. Genau das hält Layden für ausgeschlossen, solange Sony seine Haltung nicht ändert: Der Konzern besitzt das proprietäre Verfahren zum Pressen der Discs. Stellt Sony die Fertigung ein, ist die PlayStation-Disc technisch am Ende.

Solange sie nicht entscheiden oder einen Weg finden, dies an einige dieser spezialisierten Disc-Hersteller zu lizenzieren, gibt es keine Möglichkeit, das umzusetzen.
Shawn Layden, ehemaliger Chef der Sony Worldwide Studios

Dass es anders ginge, zeigt die Konkurrenz: Microsoft lizenziert die Produktion von Xbox-Discs an externe Werke, die als «authorized replicators» zertifiziert werden. Auf Publisher-Seite ist der Druck ebenfalls spürbar - CD-Projekt-Red-Co-CEO Michał Nowakowski hat für The Witcher 4 eine physische Veröffentlichung zugesagt, selbst wenn eine Disc am Ende nicht möglich sein sollte.

Layden warnt: Die Rechnung geht nur auf dem Papier auf

Sein Hauptargument ist kein technisches, sondern ein markenstrategisches. Sammeln sei ein Grundbedürfnis der Spielerschaft, sagt Layden - und ausgerechnet die treuesten Fans würden nun etwas verlieren, das ihnen wichtig ist.

Ich glaube, dass physische Medien entscheidend und wichtig sind. Eines der Dinge, die uns zu Gamern machen, eine der zentralen Spielmechaniken seit Anbeginn der Zeit, ist das Sammeln von Dingen.
Shawn Layden

Dass die Einsparung rechnerisch Sinn ergibt, bestreitet er nicht. Er kritisiert vielmehr, dass in Führungsetagen niemand die Gegenrechnung aufmacht: «Wenn wir das machen, stimmen die Zahlen. Ich verstehe das. Das ist reine Mathematik. Aber was bedeutet das für die Marke?» Unternehmen müssten sich fragen, wie viel Unmut sie ihren eigenen Kunden zumuten könnten - und wann die Grenze überschritten sei. Sein Fazit fällt entsprechend spitz aus:

Der Markt hat gesagt, dass er sie weiterhin kaufen wird. Ihr sagt nur, dass ihr sie nicht mehr herstellen wollt.
Shawn Layden

Was «Eigentum» künftig noch bedeutet

Layden greift zudem die Sorge auf, die in der Community am lautesten diskutiert wird: Wem gehört ein Spiel, das nur noch als Download existiert? Aus seiner Sicht verschiebt sich das Modell vom Besitz zur blossen Verfügbarkeit. Seine Download-Bibliothek könne niemand weiterverkaufen - und daraus leitet er die entscheidende Frage ab: «Wenn man es nicht weiterverkaufen kann - gehört es einem dann wirklich?»

  • Kein Weiterverkauf: Digitale Käufe lassen sich weder verkaufen noch verleihen oder verschenken.
  • Kein Archiv: Ohne Disc hängt die Verfügbarkeit eines Titels dauerhaft am Store-Angebot.
  • Keine Alternative: Ohne Sony-Lizenz können Drittanbieter laut Layden keine PlayStation-Discs pressen.

Einordnung

Laydens Wortwahl ist bemerkenswert präzise: «lösbar» heisst, dass es einen Weg gäbe - nämlich Lizenzen für externe Presswerke, wie Microsoft sie längst vergibt. Sony hat sich zu dieser Möglichkeit bislang nicht geäussert. Bis dahin bleibt es bei der Faktenlage vom Juli: Ab Januar 2028 ist die PlayStation-Disc Geschichte, und wer physisch sammeln will, hat rund zwei Jahre Zeit, sein Regal zu füllen.

Warum das wichtig ist

Mit dem Ende der Disc-Produktion verlieren Spielerinnen und Spieler auf PlayStation den Gebrauchtmarkt, das Verleihen und das langfristige Archivieren ihrer Sammlung. Ob Sammler-Editionen künftig überhaupt noch Discs enthalten können, entscheidet allein Sony - über eine Lizenzfrage, die bisher offen ist.

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