Naughty Dog
«Kein Nebenprojekt» — darum fehlt Naughty Dog seit 2020 ein neues Spiel
Jason Schreier ordnet ein, wie viel Personal wirklich an The Last of Us Online gebunden war — und wann Intergalactic überhaupt zum Hauptprojekt wurde

KURZFASSUNG
- Laut Bloomberg-Journalist Jason Schreier war The Last of Us Online kein Nebenprojekt, sondern band die Mehrheit von Naughty Dog.
- Intergalactic: The Heretic Prophet erhielt die Mehrheit der Belegschaft erst nach der Absage des Multiplayer-Spiels Ende 2023.
- Das Projekt lief rund sieben Jahre und wurde Berichten zufolge bei etwa 80 Prozent Entwicklungsstand gestoppt.
- Seit The Last of Us Part 2 (2020) hat Naughty Dog nur Remakes und Remaster veröffentlicht — Intergalactic wird gerüchteweise für nächstes Jahr erwartet.
Naughty Dog hat seit The Last of Us Part 2 im Jahr 2020 kein komplett neues Spiel veröffentlicht — und der Grund dafür ist nicht Intergalactic: The Heretic Prophet. Bloomberg-Journalist Jason Schreier stellt in einem neuen Video klar, dass das eingestellte The Last of Us Online kein Nebenprojekt war, sondern die Mehrheit des kalifornischen Studios beschäftigte. Erst nach der Absage Ende 2023 wechselte der Grossteil der Belegschaft auf das Sci-Fi-Projekt von Neil Druckmann.
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7 Jahre
arbeitete das Team laut Berichten am Multiplayer-Titel
ca. 80 %
Entwicklungsstand, als der Stecker gezogen wurde
2020
letztes komplett neues Spiel des Studios
Die Mehrheit des Studios, nicht eine Nebenmannschaft
Die verbreitete Annahme lautete bisher: The Last of Us Online sei ein Zwischenprojekt gewesen, das die Wartezeit bis zum nächsten grossen Einzelspieler-Titel überbrücken sollte, während der Kern des Studios längst an Intergalactic sass. Schreier dreht diese Darstellung um. Das Multiplayer-Spiel galt intern als grosse Veröffentlichung — und band entsprechend Personal.
“Viele Leute haben an diesem Spiel gearbeitet. Ich glaube, es gibt da draussen die Vorstellung, The Last of Us Online sei nur eine Art Nebenprojekt gewesen, während die meisten an Intergalactic arbeiteten. Nein, das Gegenteil ist der Fall. Intergalactic hatte nicht die Mehrheit der Belegschaft, bis The Last of Us Online eingestellt wurde. Danach wechselten die meisten im Studio zu Intergalactic. Viele im Studio – ich würde sagen: die Mehrheit – arbeiteten entweder an The Last of Us Online oder an den Remakes, die sie in den 2020er-Jahren gemacht haben. Deshalb haben wir seit 2020 kein komplett neues Spiel von ihnen gesehen.”
Warum das Projekt so kurz vor dem Ziel starb
Die Vorgeschichte beginnt bei The Last of Us Part 2: Naughty Dog strich den Mehrspieler-Modus aus dem Hauptspiel, um sich auf die Kampagne zu konzentrieren und dem Multiplayer-Projekt mehr Ressourcen zu geben. Aus dem geplanten Modus wurde ein eigenständiges Spiel, an dem das Team rund sieben Jahre arbeitete. Gegen Ende der Entwicklung setzte sich intern die Erkenntnis durch, dass ein Release nicht das Ende der Arbeit gewesen wäre: Ein solcher Titel hätte über Jahre hinweg Personal und Budget für den laufenden Betrieb gebunden — und damit die Einzelspieler-Projekte ausgebremst, für die das Studio bekannt ist. Berichten zufolge wurde das Spiel bei etwa 80 Prozent Fertigstellung gestoppt.
Bitter ist das vor allem, weil der Factions-Modus aus dem ersten The Last of Us bis heute eine treue Fangemeinde hat — wegen seines harten, improvisierten Nahkampfs und einer PvP-Idee, die es so kein zweites Mal gibt. Personen, die den Nachfolger hinter verschlossenen Türen anspielen durften, sollen sich durchweg begeistert geäussert haben. Ob das Spiel diesem Ruf gerecht geworden wäre, wird sich nie überprüfen lassen.
Sechs Jahre PS5 — und was in dieser Zeit erschien
Untätig war Naughty Dog nicht, nur eben nicht mit Neuem beschäftigt. Auf der aktuellen PlayStation-Generation stehen bislang ausschliesslich Neuauflagen im Katalog:
- The Last of Us — Remake für PS5
- The Last of Us Part 2 — Remaster für PS5
- Uncharted 4: A Thief's End — Remaster
- Uncharted: The Lost Legacy — Remaster
Zusammen mit dem eingestellten Multiplayer-Titel ergibt das die Lücke, die Fans seit Jahren beschäftigt: ein Studio mit hoher Schlagzahl in der PS3- und PS4-Ära, das auf der PS5 kein einziges neues Spiel abgeliefert hat.
Was als Nächstes ansteht
Über Intergalactic: The Heretic Prophet ist weiterhin kaum etwas bekannt. Neil Druckmann leitet das Projekt seit geraumer Zeit, konkrete Spielinhalte hat Naughty Dog bisher nicht gezeigt. Gerüchte sprechen von einem Release im nächsten Jahr, womöglich im Umfeld der PS6 — bestätigt ist davon nichts. Parallel arbeitet das Studio nach eigenen Angaben an mehreren Projekten; Spekulationen reichen von Uncharted 5 bis The Last of Us Part 3, belastbare Informationen dazu gibt es keine. Immerhin: Mehrere parallele Produktionen könnten verhindern, dass sich eine ähnlich lange Durststrecke wiederholt.
Einordnung: Die Absage von The Last of Us Online war nie nur der Verlust eines einzelnen Spiels — sie war der Moment, in dem sich Naughty Dogs gesamter Veröffentlichungsplan verschoben hat. Schreiers Angaben liefern dafür die bislang deutlichste Erklärung. Für die Leserschaft heisst das vor allem eines: Wer auf das nächste grosse Einzelspieler-Abenteuer aus diesem Haus wartet, wartet auch deshalb so lange, weil jahrelang an einem Spiel gearbeitet wurde, das nie erschienen ist.
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WARUM DAS WICHTIG IST
Wer sich fragt, warum eines der bekanntesten PlayStation-Studios seit sechs Jahren kein neues Spiel geliefert hat, bekommt hier die Erklärung: Nicht ein langwieriges Sci-Fi-Projekt hat die Zeit gefressen, sondern ein Multiplayer-Titel, den niemand spielen durfte. Das erklärt auch, warum Naughty Dogs nächste Veröffentlichungen so weit auseinanderliegen — und warum Sonys Live-Service-Kurs für Fans von Einzelspieler-Games spürbare Folgen hatte.
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