Scalebound
«Lasst es uns machen!» - Kamiya bietet Xbox Scalebound an
Neun Jahre nach der Absage richtet der Bayonetta-Schöpfer einen offenen Appell an die neue Xbox-Chefin Asha Sharma - doch sein eigenes Studio steckt mitten in Okami 2

- Hideki Kamiya erklärt im Interview mit VGC, er sei jederzeit bereit, Scalebound zu Ende zu bringen - gesprochen hat er mit Xbox-CEO Asha Sharma bislang nicht.
- Auch Clovers-Präsident Kento Koyama sei an Bord; Kamiya bat die Redaktion sogar darum, altes Scalebound-Material einzubinden, damit Sharma es sich ansehen kann.
- Scalebound wurde 2014 als Xbox-One-Exklusivtitel angekündigt und nach rund vier Jahren Entwicklung 2017 von Microsoft gestrichen.
- Konkrete Pläne gibt es nicht: Clovers arbeitet derzeit mit Capcom an Okami 2, Xbox steckt selbst mitten im Umbau.
Neun Jahre nach der Absage hat Hideki Kamiya die wohl offenste Bewerbung seiner Karriere ausgesprochen - adressiert an Asha Sharma, seit Februar dieses Jahres CEO von Xbox. Gesprochen habe er mit ihr über Scalebound bislang nicht, sagte der Bayonetta-Schöpfer im Interview mit VGC. Also nutzte er das Gespräch kurzerhand als Kanal: Wenn Microsoft wolle, stehe er bereit.
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E3 2014
Ankündigung von Scalebound als Xbox-One-Exklusivtitel
rund 4 Jahre
Entwicklungszeit bis zur Streichung durch Microsoft
2017
Jahr, in dem Microsoft das Projekt endgültig beendete
«Ich meine das zu hundert Prozent ernst»
Auf die Frage, ob er Sharma bereits kontaktiert habe, antwortete Kamiya trocken mit Nein - um die Gelegenheit sofort zu nutzen: «Nun, nein, aber jetzt habe ich die Gelegenheit, es noch einmal zu sagen: Wenn sie es machen wollen, dann lasst es uns umsetzen!» Auch Kento Koyama, Präsident seines Studios Clovers, sei mit an Bord. Kamiya bat die Redaktion anschliessend sogar darum, etwas vom spärlichen öffentlich gezeigten Scalebound-Material in den Artikel einzubinden - damit Sharma es sich ansehen könne.
Natürlich ist es sehr bedauerlich, dass das Projekt letztlich nie das Licht der Welt erblickt hat. Das ist etwas, das ich auch heute noch sehr stark zu Ende bringen möchte, wenn es irgendwie möglich ist - und ich meine das zu hundert Prozent ernst.
Vom E3-Highlight zur Streichliste
Scalebound war 2014 als eines der grossen Versprechen der Xbox-One-Generation angekündigt worden: ein Action-Rollenspiel von PlatinumGames, in dem ein schwertschwingender Held mit Kopfhörern fast immer von einem riesigen Drachen begleitet wird, der Gegner verschlingt und das Schlachtfeld in Flammen setzt. Danach wurde es schnell still.
- E3 2014: Ankündigung als Xbox-One-Exklusivtitel - vor mittlerweile zwölf Jahren.
- gamescom 2015: erneuter Auftritt, danach kaum noch Lebenszeichen.
- Verschiebung auf 2017: erste offene Zweifel am Zustand des Projekts.
- 2017: Microsoft bestätigt offiziell das Aus nach rund vier Jahren Entwicklung.
- Später räumt PlatinumGames-CEO Atsushi Inaba ein, dass beide Seiten Anteil am Scheitern hatten.
Clovers steckt mitten in Okami 2
Kamiya arbeitet längst nicht mehr bei PlatinumGames. Ende 2024 gründete er das Studio Clovers mit, in dem heute etliche ehemalige Platinum-Leute arbeiten - aktuell an Okami 2 zusammen mit Capcom. Genau deshalb dämpft er die Erwartungen selbst: Clovers sei «vielleicht nicht in der Position», Scalebound «genau in diesem Moment» anzugehen. Aufgeben will er die Idee trotzdem nicht, und ausgerechnet Okami dient ihm als Beleg.
Ich glaube fest daran: Wenn man etwas stark genug will, findet man irgendwann einen Weg, es möglich zu machen. So ist es gerade mit Okami, wo sich nach all den Jahren erneut die Gelegenheit ergeben hat - und ich hoffe, dass das in Zukunft auch für Scalebound gilt.
Der Anlass für den Vorstoss war offenbar auch ein Abendessen mit ehemaligen Mitgliedern des Scalebound-Teams. Das gestrichene Spiel sei zwar nicht das einzige Thema gewesen, aber «ein paar Mal» zur Sprache gekommen - und alle hätten sich daran erinnert, wie viel Spass die Arbeit daran gemacht habe. «Obwohl es auch schwierige Zeiten gab, finde ich es als Director des Projekts sehr erfüllend, dass die Leute noch immer mit viel Freude auf diese Zeit zurückblicken», so Kamiya.
Einordnung: Xbox hat gerade andere Baustellen
Neu an der Sache ist vor allem die Adresse. Als Scalebound 2017 gestrichen wurde, führte Phil Spencer die Xbox-Sparte; seit Februar entscheidet Asha Sharma - und sie hat den Konzern in kurzer Zeit spürbar umgebaut. Manches kam gut an, etwa die vergangene Woche angekündigte Möglichkeit, physische Spiele zu digitalisieren. Anderes weniger: Im Juli strich Xbox 3'200 Stellen und trennte sich von Studios wie Double Fine und Ninja Theory.
Ob in diesem Umfeld Platz für ein neun Jahre altes, teures Action-Rollenspiel ist, ist völlig offen. Festzuhalten bleibt: Es gibt kein Projekt, keine Verhandlung und keinen Termin - nur ein öffentlich ausgesprochenes Angebot des Regisseurs an die neue Chefin. Immerhin ist es das erste, das an eine Person geht, die mit der damaligen Absage nichts zu tun hatte.
Scalebound gilt als eine der schmerzhaftesten Absagen der Xbox-One-Ära - ein Action-Rollenspiel mit Drachenbegleiter von einem der prägendsten Action-Designer Japans. Kamiyas Appell zeigt, dass die Tür auf Entwicklerseite offen steht, während bei Xbox mit Asha Sharma erstmals seit der Streichung eine andere Person entscheidet. Für Fans heisst das: Hoffnung ja, Ankündigung nein.
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