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Project Helix

Kein Wort zum Laufwerk - Xbox redet lieber über den Preis

Asha Sharma weicht bei Project Helix der Disc-Frage aus und verspricht stattdessen, dass eure alte Sammlung die Generation überlebt

Republic of Pixels Redaktion27. August 2026 · 01:03 Uhr4 Min. Lesezeit
Kein Wort zum Laufwerk - Xbox redet lieber über den Preis
Bild: Kotaku
Kurzfassung
  • Xbox-CEO Asha Sharma wollte im BBC-Interview nicht bestätigen, ob Project Helix ein Disc-Laufwerk bekommt
  • Stattdessen betont sie Effizienz und Erschwinglichkeit als Leitlinien der nächsten Generation
  • Sony stellt die Produktion neuer PlayStation-Discs ab Januar 2028 ein - der PS6 dürfte das Laufwerk fehlen
  • Xbox kündigte an der Gamescom ein Programm an, das Discs von Xbox One und Series X/S in digitale Lizenzen umwandelt

Es ist derzeit die grösste offene Frage rund um die nächste Konsolengeneration - und Xbox-Chefin Asha Sharma hat sie an der Gamescom schlicht nicht beantwortet. Im Gespräch mit der BBC wurde sie direkt gefragt, ob die kommende Xbox-Hardware mit dem Arbeitstitel Project Helix noch ein Disc-Laufwerk besitzt. Statt eines Ja oder Nein kam eine Antwort, die vor allem eines verrät: Microsoft rechnet gerade sehr genau.

4 %

Anteil von Xbox am US-Umsatz mit neuen physischen Spielen im bisherigen Jahr 2026 (Circana)

Jan. 2028

ab dann stellt Sony die Produktion neuer PlayStation-Discs ein

1000 $

Preismarke, die Beobachter bei Next-Gen-Konsolen inzwischen für realistisch halten

Eine Frage, eine Ausweichantwort

Sharma verlagerte das Thema von der Hardware-Ausstattung auf die Kostenfrage. Die Prioritätenliste, die sie dabei aufmachte, liest sich wie eine Vorwarnung an alle, die sich einfach eine schnellere Box mit Laufwerk wünschen.

In dieser nächsten Generation müssen wir neben der Leistung auch über Effizienz und Erschwinglichkeit nachdenken.
Asha Sharma, CEO von Xbox, gegenüber der BBC

Später ergänzte sie, es sei die Aufgabe von Xbox, «zu berücksichtigen, was in der Welt passiert, und die beste Erfahrung für unsere Spielerinnen und Spieler zu bauen». Konkreter wurde sie beim Zustand der Branche: Die gesamte Industrie müsse anfangen, bei Erschwinglichkeit und Effizienz zu innovieren - etwas, das man bisher nicht habe tun müssen. «Aber mit der Krise, die derzeit bei Hardware und Komponenten herrscht, ist das absolut etwas, worüber wir alle nachdenken müssen», so Sharma. Ziel sei, den Leuten mehr Auswahl zu geben, wie sie ihre Konsole spielen und wie sie sie kaufen.

Warum das Laufwerk zum Kostenfaktor geworden ist

Ein optisches Laufwerk ist keine Kleinigkeit in der Stückliste einer Konsole - und es ist ein Bauteil, das ein wachsender Teil der Kundschaft nie benutzt. Genau deshalb bietet Sony das Laufwerk bei der PS5 Pro nur noch als optionales Zubehör an, und genau deshalb existiert die Xbox Series S seit jeher ohne Schacht, während es die Series X in einer Disc-Variante gibt. Die Series S ist dabei die meistverkaufte der beiden Varianten.

Dazu kommt der Preisdruck von aussen: Speicher- und Storage-Kosten sind massiv gestiegen, angetrieben vom KI-Wettrüsten der Tech-Konzerne - Microsoft eingeschlossen. Auf die Frage, ob der eigene Arbeitgeber die nächste Xbox unbezahlbar mache, soll Sharma geantwortet haben, KI verändere derzeit vieles grundlegend. Dass Konsolen der kommenden Generation die 1000-Dollar-Marke touchieren könnten, gilt in der Branche längst nicht mehr als Panikmache. Als Fingerzeig taugt auch die berichtete - und bislang unbestätigte - Preisangabe von 900 Dollar für die transluzent-grüne Jubiläums-Xbox. Ein weiterer Bericht von Insider Gaming legt nahe, dass sich die Lieferkette für optische Laufwerke ausdünnt, weil immer mehr Hardware rein digital ausgeliefert wird - was den Bauteil-Verzicht zusätzlich befeuern dürfte.

Sonys Vorlage - und Microsofts Gegenangebot

Sony hat seine Karten bereits offen auf den Tisch gelegt: Ab Januar 2028 werden keine neuen PlayStation-Discs mehr produziert, womit ein Laufwerk in einer PS6 kaum noch Sinn ergäbe. Der Schritt hat einen Teil der eingefleischten Fangemeinde verärgert - und Microsoft eine Lücke geöffnet. Verschärft wurde die Stimmung dadurch, dass PSN-Nutzerinnen und -Nutzer mitten in der Debatte Erinnerungen an die Nutzungsbedingungen erhielten, in denen es sinngemäss heisst: Die Software werde einem lizenziert, nicht verkauft.

Xbox nutzte die Gunst der Stunde im eigenen Gamescom-Stream. Die Moderation stieg mit dem Hinweis ein, es werde derzeit viel über Eigentum und Rechte an gekauften Spielen diskutiert. Jason Ronald, bei Xbox für die nächste Generation zuständig, lieferte den passenden Satz nach.

Auch wenn sich Technologie und Formate ändern - eure Bibliothek sollte das nicht.
Jason Ronald, Head of Next-Gen bei Xbox

Disc-to-Digital: Sammlung retten statt Laufwerk retten

Das dazugehörige Programm soll Discs von Xbox One und Xbox Series X/S in digitale Lizenzen umwandeln. Sharma begründet das mit Wahlfreiheit - und mit einem sehr konkreten Bild: Bei allen stünden Stapel von Spielen im Regal.

Ich weiss, dass Spielerinnen und Spieler physische Medien lieben, und ich weiss, dass digitale Medien viele Vorteile haben - ich will sicherstellen, dass die Leute eine Wahl haben.
Asha Sharma, CEO von Xbox

Genau hier liegt aber auch der strategische Kern: Ein Disc-zu-Digital-Weg ist die eleganteste Lösung, um Abwärtskompatibilität zu retten, wenn die nächste Hardware gar kein Laufwerk mehr hat. Sharma verweist selbst darauf, dass Xbox Abwärtskompatibilität seit Jahren vorangetrieben habe und man das «auch in den kommenden Generationen» weiter sehen werde. Was das Programm nicht löst: Wer seine Discs in Lizenzen verwandelt, tauscht ein Regalexemplar gegen einen Kontoeintrag - genau jener Punkt, an dem sich die Debatte um digitalen Besitz gerade entzündet.

Was für ein laufwerksloses Helix spricht

  • Xbox-Spiele machten 2026 in den USA laut Circana nur 4 Prozent des Umsatzes mit neuen physischen Spielen aus
  • Die laufwerkslose Series S verkauft sich besser als die Series X mit Disc-Schacht
  • Sony stoppt ab Januar 2028 die Produktion neuer PlayStation-Discs - der Handel für Konsolen-Discs schrumpft insgesamt
  • Ein Laufwerk verteuert die Fertigung in einer Phase, in der Speicherpreise ohnehin explodieren
  • Das angekündigte Disc-zu-Digital-Angebot liefert bereits eine Brücke für bestehende Sammlungen

Einordnung

Offiziell bestätigt ist nichts: Microsoft hat weder ein Laufwerk ausgeschlossen noch eines zugesagt, und Project Helix bleibt ein Arbeitstitel ohne Datum und Preis. Doch die Signale zeigen alle in dieselbe Richtung. Wer eine Disc-Sammlung hat, sollte die kommenden Monate aufmerksam verfolgen - vor allem die Frage, welche Titel das Umwandlungsprogramm tatsächlich abdeckt. Denn wenn beide grossen Plattformen das Laufwerk streichen, entscheidet nicht mehr das Regal darüber, was ihr in fünf Jahren noch starten könnt, sondern der Kontostand eurer Bibliothek.

Warum das wichtig ist

Ob die nächste Konsolengeneration noch Scheiben liest, entscheidet darüber, was mit euren Regalen voller gekaufter Spiele passiert - und ob Weiterverkauf und Verleih überhaupt noch eine Rolle spielen. Gleichzeitig hängt am Laufwerk ein Stück Preisschild: Jede eingesparte Komponente ist in einer Zeit explodierender Speicherpreise ein Argument gegen die gefürchtete 1000-Dollar-Konsole.

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