GTA 6
«32 Spieler» im Gerichtsakt - Rockstar spricht erstmals über GTA 6 Online
In den Unterlagen zum Kündigungsprozess gegen 34 Entwickler nennt Rockstar ein bislang streng vertrauliches Online-Format - und schildert Drohnenflüge und Erpressungsversuche

- In Gerichtsunterlagen zum Kündigungsprozess nennt Rockstar ein damals «streng vertrauliches» Online-Format für 32 Spieler.
- Es ist die erste öffentliche Erwähnung eines Online-Modus rund um GTA 6 durch das Studio selbst.
- Im selben Verfahren schildert Rockstar Erpressungsversuche von Hackergruppen und Drohnenflüge über den Studiogebäuden.
- Die Schlussverhandlung läuft fünf Wochen und endet frühestens am 15. Oktober.
Über die Zukunft des Grand-Theft-Auto-Mehrspielermodus hat Rockstar Games bislang kein einziges Wort verloren - kein Trailer, kein Blogpost, keine Andeutung. Gebrochen wurde dieses Schweigen nun an einem Ort, an dem niemand Marketing erwartet: in Gerichtsunterlagen. In den Akten zur Schlussverhandlung im Streit um die Entlassung von 34 Entwicklern erwähnt das Studio ein «Online-Format für 32 Spieler», das zum damaligen Zeitpunkt streng vertraulich gewesen sei. Es ist die erste öffentliche Bestätigung, dass rund um GTA 6 an einem Online-Angebot gearbeitet wird.
32
Spieler pro Session laut dem in den Akten genannten Online-Format
34
entlassene Entwickler, um deren Kündigung der Prozess geführt wird
15. Okt.
frühestes Ende der fünfwöchigen Schlussverhandlung
Ein Nebensatz, der mehr verrät als jeder Trailer
Die Passage steckt tief in einem umfangreichen Schriftsatz, den Rockstar Games und Take-Two Interactive laut Rock Paper Shotgun selbst per E-Mail an Redaktionen verschickt haben. Darin argumentiert das Unternehmen, entlassene Mitarbeitende hätten auf einem gewerkschaftlich betriebenen Discord-Server offen über Features in Entwicklung gesprochen - unter anderem über jenes Online-Format für 32 Spieler.
Mehr steht dort nicht. Die Beschreibung ist knapp und lässt offen, ob es sich um Sessions im neuen Spiel selbst handelt, um eine neue Version von GTA Online oder um ein separates Gerüst, das an den Serienteil angehängt wird. Was die Formulierung aber immerhin liefert, ist eine Grössenordnung - und die stammt diesmal nicht von Leakern, sondern aus einem Dokument des Publishers.
Warum Rockstar dieses Detail selbst öffentlich macht
Der Grund ist prozesstaktisch. Rockstar will belegen, dass die Kündigungen im vergangenen Jahr berechtigt waren, und stützt sich dabei auf den Vorwurf, die Betroffenen hätten vertrauliche Informationen in einem öffentlichen Forum geteilt. Um zu zeigen, wie schwer dieser Verstoss wog, muss das Unternehmen benennen, worum es inhaltlich ging - und landet damit selbst bei der Spielerzahl.
Teammitglieder dabei zu sehen, wie sie Details zu Online-Spielerzahlen für ein vertrauliches Projekt teilen, das noch nicht öffentlich war, war aussergewöhnlich alarmierend.
Verstärkt worden sei die Sorge durch einen Vorfall wenige Monate zuvor. In den Unterlagen heisst es weiter, es habe damals einen schädlichen Leak von Designentscheidungen und Namen der Hauptfiguren gegeben, der in der Fanwelt rund um GTA 6 für grosse Schlagzeilen sorgte und Elemente der Enthüllung verdorben habe, die Teil eines sorgfältig kuratierten Marketingansatzes sein sollten.
Auf der anderen Seite des Verfahrens steht die britische Independent Workers' Union of Great Britain (IWGB). Sie wirft Rockstar vor, die Entlassungen seien in Wahrheit ein Vorgehen gegen die gewerkschaftliche Organisation im Studio gewesen. Die Betroffenen argumentieren zudem, ihnen sei kein angemessenes Verfahren zugestanden worden, während Rockstar von grobem Fehlverhalten spricht. Die Schlussverhandlung ist auf fünf Wochen angesetzt und läuft mindestens bis zum 15. Oktober.
Drohnen am Fenster, Erpresser im Postfach
Im Zuge des Verfahrens hat Rockstar auch beschrieben, welchem Druck die Entwicklung ausgesetzt war. Angriffe seien regelmässig erfolgt - und auf teils erfinderische Weise. Laut den Aussagen des Unternehmens haben Hackergruppen noch in den vergangenen Wochen versucht, Rockstar zu erpressen. Parallel dazu seien Drohnen über den Studiogebäuden eingesetzt worden, um Screenshots oder Aufnahmen von Builds in Arbeit zu machen. Die Antwort darauf war handfest: Sichtschutzfolie an Fenstern und zusätzliche Schutzmassnahmen an den Gebäuden.
- Erpressungsversuche von Hackergruppen bis in die letzten Wochen hinein
- Drohnenflüge zur Aufnahme unfertiger Spielversionen
- Sichtschutzfolie an Studiofenstern als Gegenmassnahme
- Über ein Dutzend geleakte Spielclips im Vorfeld des ausführlichen Auftritts auf Netflix, verantwortet von der Gruppe Cyberleeks
Ob dieselben Akteure hinter Leaks und Erpressungsversuchen stehen, ist unklar. Und es bleibt eine gewisse Ironie: Ein Unternehmen, das die vorzeitige Bekanntgabe von Spielinhalten als gravierenden Vertrauensbruch darstellt, macht in denselben Dokumenten ein bislang geheim gehaltenes Feature öffentlich - und verschickt diese Dokumente anschliessend an Journalistinnen und Journalisten.
Was das für Spielerinnen und Spieler heisst
Konkret planbar ist noch nichts. Die Akten nennen eine Zahl, aber keinen Modus, keinen Umfang, kein Monetarisierungsmodell und keinen Termin. Wann ein Online-Bestandteil zu GTA 6 erscheint, ist ebenso offen wie die Frage, wann das Spiel überhaupt auf dem PC ankommt. Fest steht bislang nur der Konsolenstart im November - beides dürfte danach noch auf sich warten lassen.
Für die Community ist die Zahl 32 trotzdem ein Anhaltspunkt, an dem sich Erwartungen ausrichten lassen: an Session-Grössen, an das Verhältnis von Chaos und Übersicht in offenen Lobbys und daran, wie viel vom Sammelsurium aus dem Vorgänger überhaupt mitwandert. Wer sich in GTA Online regelmässig von fliegenden Raketenmotorrädern aus dem Verkehr genommen sah, wird vor allem darauf achten, welche Fahrzeuge und Waffen Rockstar überhaupt in das neue Gerüst übernimmt.
Einordnung
Die erste offizielle Erwähnung eines Online-Modus zu GTA 6 kommt nicht aus der Marketingabteilung, sondern aus einem Arbeitsgerichtsverfahren - und das sagt viel über den Zustand rund um dieses Spiel. Rockstar verteidigt eine Geheimhaltungspolitik, die durch Leaks, Drohnen und Erpressungsversuche unter Dauerdruck steht, und gibt dabei selbst ein Detail heraus, das Monate zuvor Kündigungen begründen sollte. Die inhaltliche Substanz für die Leserschaft ist überschaubar, der Kontext dafür umso grösser: Bis zum Ende der Verhandlung im Oktober dürften weitere Details auftauchen, die Rockstar unter anderen Umständen nie kommuniziert hätte.
Rockstar hat bis heute kein Wort dazu gesagt, wie es mit dem GTA-Mehrspielermodus nach dem Konsolenstart im November weitergeht. Die Zahl 32 ist der erste belastbare Hinweis darauf, in welcher Grössenordnung das Studio Online-Sessions plant - auch wenn sie aus einem Gerichtsdokument statt aus einem Trailer stammt. Gleichzeitig zeigt das Verfahren, unter welchem Druck die Entwicklung des wohl grössten Spiels der Branche steht.
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