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GTA 6

«Grand Theft Employment Rights» - Rockstar muss vor Gericht

Ab Donnerstag verhandelt ein britisches Arbeitsgericht fünf Wochen lang über 31 Kündigungen bei Rockstar North - kurz vor dem Release von GTA 6

Republic of Pixels Redaktion08. September 2026 · 13:05 Uhr4 Min. Lesezeit
«Grand Theft Employment Rights» - Rockstar muss vor Gericht
Bild: Eurogamer
Kurzfassung
  • Am Donnerstag, 10. September, beginnt die entscheidende Verhandlung vor einem britischen Arbeitsgericht - sie läuft bis 16. Oktober.
  • Es geht um 31 Mitarbeitende von Rockstar North, die Rockstar im Oktober des Vorjahres wegen angeblichen «gross misconduct» entliess.
  • Die Gewerkschaft IWGB spricht von rechtswidrigen Kündigungen und einer Blacklist wegen gewerkschaftlicher Organisation; Rockstar verweist auf verletzte Vertraulichkeitsvereinbarungen in einem privaten Discord-Kanal.
  • Rockstars Versuch, die Klagen früher im Jahr abweisen zu lassen, scheiterte vor dem Tribunal.

Zwei Wochen nach dem grossen Netflix-Auftritt von GTA 6 und wenige Monate vor dem Release muss sich Rockstar Games einem Verfahren stellen, das sich seit fast einem Jahr aufgebaut hat: Diese Woche beginnt vor einem britischen Arbeitsgericht die abschliessende Verhandlung im Streit zwischen dem Studio und 31 entlassenen Mitarbeitenden von Rockstar North. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe die Beschäftigten «rechtswidrig» gekündigt und wegen ihrer Gewerkschaftsmitgliedschaft auf eine Blacklist gesetzt. Erhoben hat ihn die Independent Workers Union of Great Britain (IWGB), der die Betroffenen angehören.

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31

gekündigte Mitarbeitende von Rockstar North, um die es im Verfahren geht

10. Sept.

Beginn der abschliessenden Verhandlung vor dem Arbeitsgericht

16. Okt.

geplantes Ende des Verfahrens - rund einen Monat vor dem Start von GTA 6

Fünf Wochen Verhandlung statt kurzer Anhörung

Der Termin ist kein Formalakt. Die Verhandlung startet am Donnerstag, 10. September, und ist bis zum 16. Oktober angesetzt - also über einen Monat hinweg, mit Ende gut vier Wochen vor dem Erscheinen von GTA 6. Rockstar hatte früher in diesem Jahr versucht, die Klagen abweisen zu lassen. Das Arbeitsgericht entschied gegen das Unternehmen, womit die Vorwürfe nun vollständig verhandelt werden.

Die IWGB verfolgt im Namen der Beschäftigten drei Ziele, wie sie in einer Medienmitteilung festhält:

  • Wiedereinstellung der Betroffenen - oder alternativ eine Entschädigung
  • eine gerichtliche Feststellung, dass die Kündigungen unfair waren
  • öffentliche Klärung der Abläufe, die zu den Entlassungen führten

Was im Oktober des Vorjahres geschah

Rockstar entliess im Oktober letzten Jahres 34 Mitarbeitende, 31 davon am schottischen Standort Rockstar North. Die Begründung des Unternehmens: «gross misconduct», also grobes Fehlverhalten. Konkret argumentiert Rockstar, die Betroffenen hätten Vertraulichkeitsvereinbarungen verletzt, indem sie in einem privaten Discord-Kanal der IWGB über das Unternehmen sprachen.

Die Beschäftigten widersprechen dieser Darstellung. Gegenüber dem Videojournalismus-Kanal People Make Games, der den Fall seit Monaten ausführlich begleitet, halten sie daran fest, dass es in dem Kanal um Löhne und HR-Themen mit direktem Bezug zum Arbeitsverhältnis ging - also genau um die Inhalte, die in einem gewerkschaftlichen Chat zu erwarten sind. Die 31 Mitarbeitenden von Rockstar North wurden mit sofortiger Wirkung freigestellt und aus dem Gebäude begleitet. Ein australischer Angestellter musste laut Angaben der IWGB nach Australien zurückkehren, nachdem Rockstar sein Arbeitsvisum widerrufen und ihn beim britischen Innenministerium gemeldet habe.

Fast ein Jahr lang wurde die Wahrheit über das, was uns passiert ist, von Rockstar begraben und von Spekulationen umgeben. Jetzt bekommen wir endlich die Chance, sie zu Protokoll zu geben. Keiner von uns hätte sich vorgestellt, dass Gespräche untereinander über unsere Arbeitsbedingungen unser Leben auf den Kopf stellen und uns ins Zentrum eines globalen Mediensturms katapultieren würden.
Jason Lewis, ehemaliger Rockstar-Mitarbeiter

Lewis beschreibt auch, was der Release-Countdown für die Betroffenen bedeutet: «Während sich die Welt auf die Veröffentlichung von GTA 6 vorbereitet, durchleben wir erneut den Schmerz, aus einem Projekt geworfen worden zu sein, in das wir so viel unseres Lebens gesteckt haben.» Verloren gegangen seien Jobs, Einkommen, das Umfeld - und die Möglichkeit, ein Spiel bis zum Release zu begleiten, an dem man Jahre mitgebaut habe.

Discord als Streitpunkt - und zwar zweimal

Bemerkenswert ist, dass Discord in diesem Fall gleich doppelt eine Rolle spielt. Einerseits ist der private Gewerkschaftskanal Kern der Kündigungsbegründung. Andererseits versucht Mutterkonzern Take-Two aktuell auf juristischem Weg, private Nutzerdaten von Discord zu erhalten - in diesem Fall im Zusammenhang mit den kürzlichen Leaks von GTA-6-Gameplay-Material. Der Plattform-Chat ist damit für Rockstar und Take-Two zugleich Beweismittel und Zielscheibe.

Vom britischen Parlament zur neuen Rockstar-Gewerkschaft

Die Entlassungen sorgten für breite Medienberichterstattung und Proteste. Der Fall wurde im britischen Parlament thematisiert, und der damalige Premierminister Keir Starmer äusserte sich dazu.

Das ist ein tief besorgniserregender Fall. Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten, und wir sind entschlossen, Arbeitnehmerrechte zu stärken und sicherzustellen, dass niemand unfaire Konsequenzen dafür tragen muss, Teil einer Gewerkschaft zu sein.
Keir Starmer, damaliger britischer Premierminister

Als Reaktion auf die Kündigungen entstand zudem eine Rockstar Game Workers Union, die laut Bericht weiter wächst. Sie hat gegen das Unternehmen weitere Vorwürfe erhoben: erzwungene Crunch-Phasen, Bonuszahlungen als Druckmittel und fehlende Aufarbeitung geschlechtsbezogener Lohnungleichheit. Belegt sind diese Punkte bislang nicht - sie sind Teil der gewerkschaftlichen Kritik, nicht Gegenstand des laufenden Verfahrens.

Wir sind überzeugt, dass Rockstar versucht hat, mit Grand Theft Employment Rights durchzukommen. Nach einem Jahr des Kampfes um Antworten hoffen wir, dass dieses Tribunal sie endlich in die Enge treibt und die Wahrheit ans Licht bringt.
Alex Marshall, Präsident der IWGB

Einordnung: ein Verfahren mit Signalwirkung

Für Rockstar ist der Zeitpunkt unangenehm: Während die Marketingmaschine für GTA 6 auf Hochtouren läuft, wird über fünf Wochen hinweg öffentlich verhandelt, wie das Studio mit gewerkschaftlich organisierten Angestellten umgegangen ist. Am Spiel selbst ändert das nichts - der Release-Fahrplan ist vom Verfahren unabhängig. Relevant ist es trotzdem, weil hier erstmals ein Gericht prüft, ob Vertraulichkeitsklauseln so weit reichen können, dass Gespräche über Löhne und Arbeitsbedingungen zur Kündigung berechtigen.

Genau das machen die Betroffenen zum Kern ihres Anliegens. Man habe sich bis hierher durchgekämpft, sagt Jason Lewis, nicht nur um für sich selbst Gerechtigkeit zu erreichen, sondern «um eine Linie im Sand zu ziehen für jeden Arbeitgeber, der glaubt, er könne Beschäftigte für gewerkschaftliche Organisation angreifen». Der Ausgang ist offen - fällt das Urteil zugunsten der Entlassenen aus, dürfte es in einer Branche mit chronischen Crunch-Debatten und wiederkehrenden Entlassungswellen als Referenzfall herangezogen werden. Ein Ergebnis ist frühestens nach dem 16. Oktober zu erwarten.

Warum das wichtig ist

GTA 6 ist das grösste Spielprojekt der Branche - und die Frage, unter welchen Bedingungen es entsteht, wird nun erstmals öffentlich vor einem Gericht geklärt. Für Spielerinnen und Spieler ist das der seltene Fall, in dem die Arbeitsrealität hinter einem Blockbuster nicht nur in Interviews, sondern in einem Verfahren mit Beweisaufnahme landet. Der Ausgang dürfte weit über Rockstar hinaus zum Referenzfall für gewerkschaftliche Organisation in der Games-Industrie werden.

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