GTA 6
«Boykottiert GTA 6 nicht» — entlassene Rockstar-Devs bitten anders um Hilfe
Statt Kaufverzicht wünschen sich die «Rockstar 34» Geld für ihren Prozess — der im September in Glasgow in die entscheidende Runde geht

KURZFASSUNG
- Die 34 im November 2025 entlassenen Rockstar-Mitarbeitenden rufen ausdrücklich NICHT zum Boykott von GTA 6 auf.
- Stattdessen verkauft die Gewerkschaft IWGB «Rockstar 34 Solidarity»-Shirts für 25 Pfund, deren Erlös in einen Fighting Fund für die Prozesskosten fliesst.
- Die letzte Verhandlungsrunde beginnt am 10. September in Glasgow; Rockstar beharrt darauf, wegen Leaks und nicht wegen Gewerkschaftsarbeit gekündigt zu haben.
- Parallel läuft der Antrag auf freiwillige Anerkennung der Rockstar Games Workers Union — bisher hat in Grossbritannien nur ZA/UM eine anerkannte Gewerkschaft.
Wenige Wochen vor dem entscheidenden Verhandlungstermin melden sich die ehemaligen Rockstar-Mitarbeitenden, die seit November 2025 gegen ihre Kündigung kämpfen — mit einer Bitte, die viele Unterstützerinnen und Unterstützer überraschen dürfte: Bitte keinen Boykott von GTA 6. Wer den Betroffenen helfen wolle, solle stattdessen Geld in ihre Prozesskasse fliessen lassen und ein Solidaritäts-Shirt kaufen.
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34
entlassene Rockstar-Mitarbeitende, 31 in Grossbritannien und 3 in Kanada
25 £
kostet ein «Rockstar 34 Solidarity»-Shirt, der Erlös geht in den Fighting Fund
10. Sept.
beginnt in Glasgow die letzte Verhandlungsrunde des Verfahrens
Ein Shirt statt einer Kaufverweigerung
Die Independent Workers' Union of Great Britain (IWGB) hat gemeinsam mit den Betroffenen ein Video veröffentlicht, in dem sie ihren Fall schildern und die Boykott-Frage direkt adressieren. Die Antwort fällt eindeutig aus: Ein Kaufverzicht sei nicht das Mittel der Wahl. Gefragt sei Geld für die Rechtskosten, gesammelt über einen sogenannten Fighting Fund.
Konkret geht es um die «Rockstar 34 Solidarity»-Shirts, die über die Website der IWGB Game Workers vorbestellt werden können. Der Preis liegt bei 25 Pfund, die Vorbestellphase läuft bis zum 30. August, der Versand soll nach Angaben der Gewerkschaft ab Mitte September starten — also kurz nach Beginn der Verhandlung.
“Wir haben Jahre unseres Lebens hineingesteckt, um dieses Spiel mitzubauen. Wir wollen nicht, dass ihr es boykottiert. Wir wollen, dass ihr uns hilft, für Gerechtigkeit zu kämpfen. Kauft eines unserer T-Shirts. Damit helft ihr, Gerechtigkeit für uns zu erreichen und das Recht von Arbeitnehmenden überall zu verteidigen, sich zusammenzuschliessen und zu organisieren. So könnt ihr GTA 6 im November geniessen und wisst dabei, dass ihr den Leuten den Rücken gestärkt habt, die es gemacht haben.”
Was im November 2025 geschah
Ausgangspunkt des Streits sind die Kündigungen vom November 2025. Insgesamt 34 Personen verloren ihre Stelle, 31 in Grossbritannien und drei in Kanada. Auslöser war Berichten zufolge eine Diskussion über eine neue firmeninterne Slack-Richtlinie, die in einem von der Gewerkschaft betriebenen Discord-Server geführt wurde. Rockstar wertete das als Verbreitung «vertraulicher Informationen in einem öffentlichen Forum», die IWGB sprach von Union Busting — also dem gezielten Vorgehen gegen gewerkschaftliche Organisierung.
Die Entlassungen lösten Proteste aus: vor dem Büro von Rockstar North in Edinburgh, wo GTA 6 entwickelt wird, und vor der Londoner Niederlassung des Mutterkonzerns Take-Two.
Rockstars Gegendarstellung: Leaks, nicht Gewerkschaft
Rockstar bestreitet den Vorwurf und beharrt darauf, dass die Kündigungen nichts mit Organisierungsversuchen zu tun hätten. Nach Darstellung des Studios wurden über Discord Spielfeatures kommender und unangekündigter Titel weitergegeben. Dazu sollen konkrete Features, Einschätzungen zum Entwicklungsfortschritt von GTA 6, Zeitpläne bis zum Launch sowie IT-Sicherheitsprotokolle des Unternehmens gehört haben. Rockstar hält diese Informationen für gewichtig genug, dass sie im Fall einer Veröffentlichung grosse Gaming-Schlagzeilen produziert und womöglich den Aktienkurs von Take-Two beeinflusst hätten.
Wie empfindlich dieser Kurs auf Rockstar-Nachrichten reagiert, zeigte die offizielle Ankündigung der sechsmonatigen Verschiebung von GTA 6 auf den 19. November 2026: Der Börsenwert von Take-Two brach an einem einzigen Tag um 3,75 Milliarden Dollar ein. Das Studio verweist zudem auf eine seit Jahren praktizierte Null-Toleranz-Linie bei Leaks und nennt weitere Fälle:
- April 2025: Kündigung einer Person im britischen Lincoln, die laut Rockstar vertrauliche GTA-6-Informationen an Dritte weitergab, die sie in sozialen Medien veröffentlichten
- November 2023: Kündigung eines Mitarbeitenden in den USA wegen Informationsweitergabe
- November 2025: ein weiterer Fall in Indien, laut Rockstar unabhängig vom US-Vorfall
Glasgow, Anerkennung und die offene Streikfrage
Die letzte Verhandlungsrunde des Verfahrens beginnt am 10. September in Glasgow. Parallel dazu haben die verbliebenen Rockstar-Entwickler gemeinsam mit der IWGB die Rockstar Games Workers Union gegründet und im Juni die freiwillige Anerkennung durch das Unternehmen beantragt. Gelingt das, wäre Rockstar erst das zweite britische Spielestudio mit einer anerkannten Gewerkschaft — bislang ist das nur bei ZA/UM, dem Studio hinter Disco Elysium, der Fall.
Eine Anerkennung würde einen formalen Rahmen für Kollektivverhandlungen schaffen, etwa zu Lohntransparenz, flexiblem Arbeiten und exzessiven Überstunden. Die IWGB gibt an, einen «erheblichen Teil» der Rockstar-Belegschaft in Edinburgh, Dundee, Lincoln, Leeds und London zu vertreten, und rechnet sich an, «beispiellose» durchschnittliche Lohnerhöhungen sowie erstmals finanzielle Ausgleiche für Crunch mit erreicht zu haben.
“Wir haben die Anfrage einer Gewerkschaft erhalten, die über eine freiwillige Anerkennung sprechen möchte. Wir schätzen einen offenen und konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten und werden ein Treffen arrangieren.”
Ein erstes Gespräch zwischen Union und Management hat inzwischen stattgefunden und wurde von der Gewerkschaft als «Schritt in die richtige Richtung» bewertet. Rockstar kann die Anerkennung aber auch ablehnen. Dann bliebe der IWGB der Weg über eine gesetzliche Anerkennung durch das Central Arbitration Committee des Department for Business and Trade. Ob es zu Arbeitskampfmassnahmen kommen könnte, liess die Gewerkschaft offen: Über die Strategie entscheiden laut IWGB die Mitglieder selbst.
Einordnung
Dass ein Boykott GTA 6 wirtschaftlich nicht gefährdet hätte, ist offensichtlich — Take-Twos Konzernchef bezeichnete die Vorbestellungen bereits als «beispiellos». Die Entlassenen nutzen diese Realität geschickt: Statt eine Kampagne zu führen, die ohnehin nicht verfangen wäre, kanalisieren sie die Solidarität in eine konkrete, überprüfbare Finanzierung ihres Verfahrens — und halten sich gleichzeitig bis zur Verhandlung im Gespräch. Für Spielerinnen und Spieler löst das ein Dilemma auf, das viele in den vergangenen Monaten umgetrieben hat. Und für die Branche steht in Glasgow mehr auf dem Spiel als 34 Arbeitsverhältnisse: Der Ausgang wird mitbestimmen, wie weit gewerkschaftliche Kommunikation in britischen Studios künftig reichen darf, bevor sie als Leak gilt.
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WARUM DAS WICHTIG IST
GTA 6 erscheint im November und wird für viele das Spiel des Jahres — mit dem Wissen, dass hinter den Kulissen ein Arbeitsgerichtsverfahren läuft. Die Entlassenen nehmen ihrer eigenen Unterstützerschaft die Boykott-Frage ab und verlagern den Konflikt weg vom Kaufverhalten. Wie das Verfahren in Glasgow endet, prägt zudem, wie sicher Entwicklerinnen und Entwickler in Grossbritannien künftig gewerkschaftlich organisiert sein können.
QUELLEN (2)
- Rather than calling for GTA 6 boycott, fired Rockstar workers urge players to support them in their legal battle against the studio by buying union merch — Rock Paper Shotgun
- Do Not Boycott GTA 6, Fired Rockstar Workers Tell Fans: 'There’s a Better Way to Support Us and Hold Rockstar to Account' — IGN
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