GTA 6
GTA 6 holt die sechste Fahndungsstufe zurück - und legt eine Akte über euch an
Rockstar baut das Wanted-System um: Die Polizei sucht nach Kleidung, Auto und Duo - und ein neues Criminal Profile merkt sich, wie weit ihr gehst

- Das Wanted-System kehrt zu sechs Sternen zurück - GTA 5 hatte nur fünf
- Die Polizei arbeitet mit Täterbeschreibungen: Kleidung, Fahrzeug und die Frage, ob ihr im Duo gesehen wurdet
- Neu ist das Criminal Profile, eine kontextsensitive Weiterentwicklung des Ehresystems aus Red Dead Redemption 2
- Autodiebstahl wird anspruchsvoller: Nicht jedes Fahrzeug lässt sich per Knopfdruck kurzschliessen
Kaum ein Feature ist so eng mit Grand Theft Auto verbunden wie die Sterne oben rechts im Bild. Aus der IGN-Vorschau und dem ausführlichen Netflix-Video zu GTA 6 wird nun deutlich, dass Rockstar genau diesen Kernbaustein umgebaut hat: Das Fahndungssystem kehrt zu sechs Stufen zurück, die Polizei arbeitet mit konkreten Täterbeschreibungen - und daneben führt das Studio ein zweites System ein, das sich langfristig merkt, wie brutal ihr vorgeht. Es heisst Criminal Profile.
6 Sterne
Fahndungsstufen in GTA 6 - GTA 5 hatte nur fünf
19. Nov.
Releasetermin für PS5 und Xbox Series X/S
Sechs Sterne: Rückkehr zu den Wurzeln
Bis einschliesslich GTA 4 reichte die Fahndungsskala der Serie bis sechs Sterne, GTA 5 kürzte sie auf fünf. GTA 6 macht diesen Schritt rückgängig - bestätigt wurde die sechsstufige Skala im Netflix-Gameplayvideo, nachdem sie zuvor bereits in Leaks aufgetaucht war. Was Jason und Lucia genau anrichten müssen, um die höchste Stufe zu erreichen, ist offen; naheliegend ist, dass dafür die schwersten Verbrechen nötig sind. Ein im Trailer gezeigtes Logo deutet zudem darauf hin, dass einzelne Vergehen künftig mit eigenen Symbolen angezeigt werden.
Die Polizei sucht nicht euch - sie sucht eine Beschreibung
Der eigentliche Umbau steckt darunter. Statt eines allwissenden Fahndungsradars arbeitet die Polizei mit Informationen, die sie tatsächlich hat. Die Täterbeschreibung umfasst laut den Vorschauen eure Kleidung, das gefahrene Fahrzeug und die Frage, ob ihr gemeinsam mit einer zweiten Person gesehen wurdet. Damit die Cops überhaupt aktiv werden, muss jemand das Verbrechen beobachten - oder die Tat wird gemeldet, etwa durch einen ausgelösten Alarm.
Das dreht die Fluchtlogik der Serie um: Wer entkommen will, muss nicht mehr nur schnell fahren, sondern vor allem aufhören, zur Beschreibung zu passen. Rockstar nennt dafür mehrere Wege.
- Fahrzeug wechseln, wenn die Polizei nach einem bestimmten Auto sucht
- Zu Fuss in einer belebten Gegend untertauchen
- Die Kleidung wechseln, um die Beschreibung zu entwerten
- Sich vom Partner trennen, falls explizit nach einem Duo gesucht wird
Criminal Profile: Kontext statt Moralbalken
Parallel zum Wanted-System läuft das neue Criminal Profile. Es funktioniert wie eine deutlich komplexere Variante des Ehresystems aus Red Dead Redemption 2 und spiegelt euer Verhalten über längere Zeit. Entstanden ist die Idee laut Rob Nelson, Co-Studio-Head von Rockstar North, aus dem Grundsatz, dass die Spielfigur nicht automatisch die gefährlichste Person der Welt ist - ein Ansatz, den das Studio bereits mit Red Dead Redemption 2 begonnen hatte. Anders formuliert: Ihr seid nicht die Einzigen, die zu Gewalt fähig sind.
Wenn ihr Fahrerflucht begeht, ein Verbrechen verübt und abhaut, Ärger macht und verschwindet, bevor die Cops da sind, und ihr nicht anfangt, auf Leute zu schiessen oder die Situation eskalieren zu lassen - was ihr natürlich jederzeit tun könnt, wenn ihr wollt -, dann passiert euch im Grunde nichts.
Erst wer dauerhaft über das Nötigste hinausgeht oder konsequent völlig unnötige Dinge tut, lenkt sein Profil laut Nelson in eine bestimmte Richtung. Der entscheidende Unterschied zu Red Dead Redemption 2: GTA 6 berücksichtigt den Kontext. In RDR2 liess sich der Ruf noch billig aufpolieren - Tiere streicheln, Leute grüssen, und schon war der Massenmord der letzten Stunde rechnerisch ausgeglichen. In GTA 6 soll das nicht mehr funktionieren.
Konkret heisst das: Wer sich in einem Streit verteidigt oder auf Verfolger zurückschiesst, wird nicht bestraft. Wer Situationen unnötig eskaliert, spürt Konsequenzen. Gute Taten fliessen weiterhin ein, etwa das Füttern von Streunern - aber als Teil eines Gesamtbildes, nicht als Währung zum Freikaufen.
Es gibt keine richtige oder falsche Art, dieses Spiel zu spielen. Aber eure Handlungen können beeinflussen, wie die Welt auf euch reagiert und wie sich die Geschichte entwickelt.
Musterbürger geht nicht
Eine Illusion räumt Rockstar dabei direkt aus dem Weg: GTA 6 ist kein Spiel, in dem ihr euch zum vorbildlichen Bürger entwickeln könnt. Ihr steuert ein kriminelles Duo, und das System setzt entsprechendes Verhalten voraus. Nelson beschreibt die erzählerische Erwartungshaltung so, dass es für Jason und Lucia am meisten Sinn ergibt, ihren Job zu erledigen, ohne unnötige Aufmerksamkeit zu erregen - auch wenn das manchmal unweigerlich passiert. Das Criminal Profile misst also nicht Gut gegen Böse, sondern professionelle Zurückhaltung gegen sinnlose Eskalation.
Auch der Autoklau wird zur eigenen Disziplin
Ins gleiche Bild passt eine weitere Änderung, die Rockstar in den Vorschauen bestätigt: Autos stehlen ist kein einzelner Knopfdruck mehr. Das Studio hat nach eigenen Angaben mehrere Abstufungen in die Fahrzeuge eingebaut - nicht jedes Auto lässt sich einfach kurzschliessen, für manche braucht es erst passendes Werkzeug, das ihr im Spielverlauf beschafft. Sowohl das Fahren als auch der Diebstahl sollen dadurch anspruchsvoller ausfallen als in früheren Teilen. Der spontane Griff zum nächstbesten Wagen bei drei Sternen Fahndung wird damit selbst zu einer Entscheidung mit Risiko - und greift direkt in die neue Fluchtlogik ein, die genau auf dem Fahrzeugwechsel aufbaut.
Einordnung
Zusammengenommen deuten die Details auf eine Serie hin, die ihre Machtfantasie bewusst dämpft: weniger überlegene Spielfigur, mehr Aufwand bei Diebstahl und Flucht, dazu ein Profil, das Muster erkennt statt Einzeltaten aufzurechnen. Für Spielerinnen und Spieler, die GTA als Chaossandbox nutzen, bleibt der Weg offen - Rockstar betont ausdrücklich, dass Eskalation jederzeit möglich ist. Wer dagegen den kalkulierten Weg wählt, dürfte erstmals mechanisch belohnt werden, statt nur schneller fertig zu sein. Wie stark sich das Criminal Profile am Ende auf Weltreaktionen und Erzählung auswirkt, lässt sich erst im fertigen Spiel beurteilen. GTA 6 erscheint am 19. November für PS5 und Xbox Series X/S.
Das Wanted-System ist die Mechanik, die jede GTA-Spielsession prägt - wer ihm entkommt, spielt anders als jemand, der sich durchschiesst. Rockstar verschiebt die Regeln erstmals seit Jahren wieder in Richtung Planung und Tarnung, statt reine Feuerkraft. Und weil das neue Criminal Profile auch die Erzählung beeinflussen soll, entscheidet euer Spielstil künftig mit, wie die Welt auf Jason und Lucia reagiert.
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