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«Herzzerreissend» - Rockstar bricht das Schweigen zu den GTA-6-Leaks

Das Studio warnt vor Spoilern und entschuldigt sich - allerdings nicht für den Leak selbst

Republic of Pixels Redaktion26. August 2026 · 16:03 Uhr4 Min. Lesezeit

Gerücht / Leak: unbestätigte Informationen - wir kennzeichnen, was gesichert ist.

«Herzzerreissend» - Rockstar bricht das Schweigen zu den GTA-6-Leaks
Bild: IGN
Kurzfassung
  • Rockstar hat sich am 26. August erstmals öffentlich zur Leak-Welle geäussert und nennt sie «herzzerreissend» für das Team.
  • Das Studio warnt, die beabsichtigte Spielerfahrung könne «durch einige Spoiler beeinträchtigt» sein - der Release am 19. November bleibt bestehen.
  • Wenige Minuten nach dem Statement tauchte Clip Nummer 15 auf, der erstmals eine Zwischensequenz mit Co-Protagonistin Lucia zeigen soll.
  • Laut Bloomberg weiss Rockstar weiterhin nicht, wie die Videos nach draussen gelangten oder wer dahintersteckt.

Rockstar Games hat sein Schweigen gebrochen. Rund eine Woche nachdem die ersten unautorisierten Gameplay-Videos aus Grand Theft Auto 6 im Netz aufgetaucht sind, meldet sich das Studio mit einem längeren Statement in den sozialen Medien zu Wort. Die Leaks seien «herzzerreissend» für das Team, heisst es darin - und die Spielerschaft solle damit rechnen, dass die beabsichtigte Spielerfahrung inzwischen «durch einige Spoiler beeinträchtigt» sein könnte. Am Erscheinungstermin ändert sich nichts.

EXTERNER INHALT VON YOUTUBE

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19. Nov.

Release für PS5 und Xbox Series X|S - unverändert

15

geleakte Clips seit Beginn der Leak-Welle

6 Std.

Netflix-Exklusivität für den offiziellen Extended Look

Eine Entschuldigung - aber nicht für den Leak

Bemerkenswert ist, wofür sich Rockstar in dem Text tatsächlich entschuldigt: nicht für den Vorfall, sondern für die eigene Informationspolitik. Das Studio bittet um Nachsicht dafür, wie lange alles gedauert habe - von der Fertigstellung des Spiels über weitere Details bis hin zu offiziellem Gameplay-Material. Ein für Rockstar ungewöhnlich offener Ton, der in dieser Form aus Sicht vieler Beobachter:innen bislang kaum vorkam.

Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass es für unser Team herzzerreissend war, Videos von Grand-Theft-Auto-6-Gameplay auf diese Weise geleakt zu sehen, und so sollt ihr das Spiel nach all der Zeit ganz offensichtlich nicht zu Gesicht bekommen.
Rockstar Games

Im selben Atemzug verweist das Studio auf den offiziellen Extended Look, der am 27. August erscheint und zunächst sechs Stunden lang exklusiv bei Netflix läuft, bevor er auf Plattformen wie YouTube nachgereicht wird. Man wisse, dass man die Erwartungen übertreffen müsse, schreibt Rockstar - und dankt jenen Teilen der Community, die dem Team in den vergangenen Tagen zugesprochen hätten.

Auch wenn es bedauerlich ist, dass die beabsichtigte Spielerfahrung nun durch einige Spoiler beeinträchtigt sein könnte, hoffen wir, dass alle noch ein wenig länger warten, um das Spiel am 19. November selbst zu erleben.
Rockstar Games

Minuten nach dem Statement: Clip Nummer 15 zeigt Lucia

Wie wenig Wirkung der Appell entfaltet, zeigte sich sofort. Nur Minuten nach der Veröffentlichung des Statements erschien laut IGN das 15. Video: eine nächtliche Autofahrt, gefolgt von einem kurzen Ausschnitt einer Zwischensequenz mit Lucia. Das ist deshalb heikel, weil bisher ausschliesslich Material mit Co-Protagonist Jason kursierte - der Leaker hatte zuvor in Aussicht gestellt, einen Story-Prolog rund um Lucia nachzuschieben. Kotaku beschreibt die Szene als abgebrochene Polizeiverfolgung, die in einen sehr kurzen Blick auf eine Cutscene mündet.

Die Videos sind mit Wasserzeichen versehen, die für eine Kryptowährung des Leakers werben: «Show support trade $Cyberleek» steht dort, dazu die Zielvorgabe «let's get 50m trading volume». Unabhängig verifiziert sind die Inhalte nicht - Rockstar bestätigt in seinem Statement lediglich, dass Gameplay-Videos geleakt wurden, geht aber auf keinen einzelnen Clip ein.

Der Leaker verkauft Abstimmungen - Rockstar erwähnt ihn mit keinem Wort

Die Person oder Gruppe hinter den Veröffentlichungen begründet ihr Vorgehen damit, auf das Ende physischer Datenträger und die Folgen für den Besitz von Spielen aufmerksam machen zu wollen. Gleichzeitig lässt sie Fans per Kryptowährung darüber abstimmen, welches Material als Nächstes erscheint - weshalb die Aktion breit als Geldbeschaffung gelesen wird. In Rockstars Statement kommt davon nichts vor.

  • Kein Wort zu den Massnahmen, mit denen Rockstar die Verbreitung stoppen will
  • Kein Hinweis auf die bereits eingeleiteten rechtlichen Schritte zur Identifizierung der Verantwortlichen
  • Keine Erwähnung der Krypto-Abstimmungen oder der Forderungen des Leakers
  • Keine Aussage dazu, ob mit weiteren Veröffentlichungen zu rechnen ist

Take-Two und Rockstar haben laut Rock Paper Shotgun längst begonnen, die Urheberschaft juristisch zu klären. Öffentlich kommuniziert wird das aber nicht - und die Formulierung, die Spielerfahrung könne «nun» beeinträchtigt sein, liest sich weniger wie eine Entwarnung als wie das Eingeständnis, dass kurzfristig weiteres Material zu erwarten ist.

Bloomberg: Wie die Videos entkamen, ist weiterhin unklar

Genau darin liegt das eigentliche Problem. Nach Informationen von Bloomberg weiss Rockstar bis heute weder, wie die Aufnahmen nach draussen gelangten, noch wer dahintersteckt. Intern herrsche Frust, das Management verschicke aufmunternde Mails an die Belegschaft. Am Netflix-Auftritt hält das Unternehmen dennoch fest. Der Kontrast zum grossen GTA-6-Leak von 2022 ist deutlich: Damals wurde die verantwortliche Person ermittelt, diesmal steht diese Aufklärung aus. Verbreitet sind inzwischen nicht nur einzelne Szenen, sondern laut Tom's Hardware auch die Karte des Spielgebiets rund um Leonida.

Einordnung: Grosser Schaden oder überschätzte Panik?

Nicht alle sehen darin eine Katastrophe. Obbe Vermeij, von 1995 bis 2009 technischer Direktor bei Rockstar North, relativierte die Folgen öffentlich: Der Hot-Coffee-Skandal sei für das Studio deutlich schädlicher gewesen als die aktuellen Videos. Kommerziell dürfte das stimmen - ein Grand Theft Auto verkauft sich nicht schlechter, weil vorab Handyaufnahmen einer Autofahrt kursierten.

Für die Leserschaft ist die praktische Konsequenz eine andere: Wer GTA 6 unvorbelastet erleben will, muss in den kommenden Wochen aktiv ausweichen, denn die Clips wandern erkennbar von harmlosem Herumfahren in Richtung Story. Rockstar setzt dagegen auf den einzigen Hebel, der ihm bleibt - eine kontrollierte, aufwendig produzierte Präsentation. Ob der Extended Look die Deutungshoheit zurückholt oder nur als offizielle Ergänzung zu bereits gesehenem Material wahrgenommen wird, entscheidet sich ab dem 27. August.

Warum das wichtig ist

Wer GTA 6 unvorbelastet erleben will, muss sich bis zum 19. November durch ein Minenfeld aus Clips und mutmasslichen Story-Schnipseln bewegen - und Rockstar räumt jetzt selbst ein, dass Spoiler unterwegs sind. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie wenig Kontrolle selbst das grösste Studio der Branche über die eigene Enthüllungsstrategie hat, wenn Material einmal draussen ist.

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