Double Fine
Brütal Legend 2 für 100 Millionen Dollar - Double Fines unmögliches Versprechen
Nach dem Bruch mit Xbox finanziert das Studio seine Prototypen-Werkstatt wieder per Kickstarter - und lockt mit einem Stretch Goal, das niemand erreichen kann

- Double Fine hat sich von Xbox getrennt und finanziert seine Prototypen-Aktion Amnesia Fortnight 2026 wieder per Kickstarter
- Zum Redaktionszeitpunkt sind gut 275'000 von 400'000 US-Dollar zusammen, 29 Tage laufen noch
- Als Stretch Goal verspricht das Studio Brütal Legend 2 - allerdings erst bei 100 Millionen US-Dollar
- Über 25 Prototypen-Pitches stehen zur Wahl, die Unterstützenden stimmen ab, welcher gebaut wird
Double Fine ist zurück auf Kickstarter - dort, wo das Studio 2012 mit Broken Age schon einmal Crowdfunding-Geschichte geschrieben hat. Der Anlass ist diesmal weniger romantisch: Nach dem Ende der Zugehörigkeit zu Xbox und Entlassungen, die ein Viertel des Teams betrafen, finanziert Tim Schafers Studio seine traditionelle Prototypen-Werkstatt Amnesia Fortnight wieder aus eigener Kraft. Und als spektakulärstes Stretch Goal der Kampagne steht ein Versprechen, das schon beim Lesen unrealistisch wirkt: Brütal Legend 2 - bei 100 Millionen US-Dollar.
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100 Mio. $
Stretch Goal, ab dem Double Fine Brütal Legend 2 machen will
275'000 $
bereits gesammelt - das Ziel liegt bei 400'000 Dollar
25 %
des Teams verlor Double Fine nach dem Bruch mit Xbox
Vom Konzernstudio zurück zur Selbstfinanzierung
Double Fine, bekannt für Psychonauts und Costume Quest, gehörte zuletzt zum Xbox-Verbund und veröffentlichte in dieser Zeit unter anderem Kiln und Keeper. Mit dem Ende dieser Phase ist auch die Finanzierung durch Microsoft weggefallen - experimentelle Projekte muss das Studio nun selbst bezahlen. Immerhin: Beim Abschied blieben die Rechte am eigenen Backkatalog beim Studio, was Nachfolger zu älteren Marken zumindest rechtlich möglich macht.
Die Kampagne läuft ordentlich an. Zum Zeitpunkt des IGN-Berichts standen gut 275'000 US-Dollar auf dem Zähler, bei einem Ziel von 400'000 Dollar und noch 29 verbleibenden Tagen. Welche weiteren Stretch Goals zwischen dieser Marke und dem 100-Millionen-Scherz eingezogen werden, ist offen.
Was Amnesia Fortnight überhaupt ist
Amnesia Fortnight ist eine Hausmarke von Double Fine: zwei Wochen, in denen das Team eigenwillige Prototypen baut. Neu ist, dass die Community mitfinanziert und anschliessend abstimmt, welche der Ideen tatsächlich zu einem - wenn auch kleinen - Spiel ausgebaut wird. Über 25 Pitch-Videos stehen dafür auf der Kickstarter-Seite bereit. Ein Auszug aus der Liste:
- Bard Crawl: Online-Koop-Abenteuer, bei dem eine Kneipentour mit bis zu drei Freunden in einen Fantasy-Dungeon kippt
- Brouroboros: lokales Partyspiel, in dem alle Mitspielenden je einen Schlangenkopf an einem gemeinsamen Körper steuern
- Golem Hero: Roguelite zwischen Dynasty Warriors und Castle Crashers
- Tractor Takedown: Vier-Spieler-Prügelei mit aufgemotzten Traktoren gegen den Bau von Rechenzentren
- Insolation: Survival-Spiel, in dem ihr als wendiger Spinnen-Roboter die letzten überlebenden Pflanzenarten schützt
- Plot Armor: Mischung aus rundenbasiertem Rollenspiel und Visual Novel, in der eure Erzählentscheidungen die Kampfwerte beeinflussen
Der 100-Millionen-Haken
Realistisch betrachtet wird diese Kampagne keine 100 Millionen Dollar einspielen - was die Frage aufwirft, warum Double Fine überhaupt mit einem Nachfolger zum 2009er Echtzeit-Strategie-Rockmärchen mit Jack Black winkt. Noch vor einem Jahr hatte das Studio erklärt, an mehreren Projekten zu arbeiten, von denen keines ein Nachfolger sei. Das war allerdings vor der Trennung von Microsoft, und Pläne dürften sich seither deutlich verschoben haben. Double Fine stellte inzwischen klar, dass im Hintergrund weiterhin grössere Titel entstehen und die Kampagne vor allem die Gegenwart absichert.
Wir arbeiten weiterhin an grösseren Spielen! Das hier hilft, uns offen zu halten, während wir Finanzierung für diese grösseren Projekte suchen - und dem Team nach einem sehr langen, harten Sommer Spass mit einer unserer liebsten Traditionen zu ermöglichen.
Einordnung
Der 100-Millionen-Eintrag ist offensichtlich ein Gag - aber einer mit doppeltem Boden. Er hält die Marke Brütal Legend im Gespräch, kostet nichts und signalisiert gleichzeitig, dass die Rechte im Haus liegen. Ob eines der «grösseren Spiele» im Hintergrund tatsächlich ein Nachfolger ist, sagt das Studio nicht. Wer jetzt Geld gibt, sollte das also für das tun, was garantiert kommt: zwei Wochen Prototypen-Chaos und ein kleines Spiel, das die Community selbst auswählt. Alles andere bleibt vorerst Wunschdenken - und der 100-Millionen-Balken die vermutlich ehrlichste Art, das auch so zu sagen.
Double Fine gehört zu den bekanntesten Namen der Independent-Szene und war zuletzt Teil des Xbox-Verbunds - der Bruch zeigt, wie schnell aus Konzern-Sicherheit wieder Crowdfunding-Alltag wird. Für Fans hängt daran konkret, welches der über 25 Prototypen-Konzepte tatsächlich zum Spiel wird. Und wer auf einen Brütal-Legend-Nachfolger hofft, sollte genau lesen, an welche Bedingung das Studio dieses Versprechen knüpft.
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