Circana
Konsolen verkaufen sich wie 2020 — diesmal sind die Regale voll
Circana meldet für die USA den schwächsten Juli seit der Pandemie, und der Grund hat sich komplett gedreht

KURZFASSUNG
- Die US-Hardware-Ausgaben fielen im Juli 2026 um 29 Prozent auf 282 Millionen Dollar — der tiefste Juli-Wert seit 2020.
- Verkaufte Geräte gingen um 39 Prozent zurück, der Durchschnittspreis stieg um 16 Prozent auf 542 Dollar.
- Switch 2 (-51 %), Xbox Series (-18 %) und PS5 (-6 %) verloren alle; am 1. September 2026 wird die Switch 2 teurer.
- Neue Retail-Spiele erreichten mit 85 Millionen Dollar den tiefsten Juli-Wert seit Beginn der Erfassung 1995.
Der US-Spielemarkt hat im Juli einen Wert erreicht, den es seit dem ersten Pandemiesommer nicht mehr gab. Laut dem aktuellen Monatsbericht der Marktforscher von Circana sanken die Ausgaben für Spiele-Hardware in den Vereinigten Staaten auf 282 Millionen Dollar — ein Minus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der schwächste Juli seit 2020. Damals lag der Tiefstwert bei 163 Millionen Dollar. Der entscheidende Unterschied: 2020 gab es schlicht nichts zu kaufen, weil die Lieferketten zusammengebrochen waren. Heute stehen die Konsolen in den Regalen — sie sind nur zu teuer geworden.
282 Mio. $
Hardware-Umsatz im Juli 2026 in den USA, minus 29 Prozent
542 $
Durchschnittspreis einer verkauften Konsole, plus 16 Prozent
−39 %
Rückgang bei den verkauften Geräten gegenüber Juli 2025
Volle Regale, leere Kassen
Die Zahl, die den Zustand des Marktes am deutlichsten beschreibt, ist der Durchschnittspreis: 542 Dollar zahlten US-Käuferinnen und -Käufer im Juli im Schnitt für ein neues Gerät, 16 Prozent mehr als vor einem Jahr. Weil gleichzeitig 39 Prozent weniger Konsolen über die Ladentheke gingen, fiel der Umsatzrückgang mit 29 Prozent geringer aus als der Stückzahleinbruch. Anders gesagt: Der Markt schrumpft, aber die höheren Preise polstern den Absturz noch ab. Wie lange dieses Polster hält, ist offen.
Der Effekt ist praktisch derselbe wie 2020, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Damals verhinderte fehlende Ware den Kauf, heute verhindert ihn das Preisschild. Für den Handel ist das die unangenehmere Variante — leere Lager füllen sich irgendwann wieder, ein dauerhaft höheres Preisniveau nicht.
Alle drei Hersteller verlieren
Kein Anbieter kam im Juli mit einem Plus davon. Die Rückgänge fallen allerdings sehr unterschiedlich aus, und mindestens einer davon lässt sich weitgehend erklären.
- Nintendo Switch 2: minus 51 Prozent — allerdings im Vergleich zum Juli 2025, der noch im rekordverdächtigen Startfenster der Konsole lag
- Xbox Series: minus 18 Prozent bei den verkauften Geräten
- PlayStation 5: minus 6 Prozent — Sonys Konsole war zugleich die umsatzstärkste des Monats
- Bei den Stückzahlen lag weiterhin die Switch 2 vorn, die ihr Verkaufstempo zum gleichen Zeitpunkt im Lebenszyklus 11 Prozent über dem der ersten Switch hält
Circana warnt allerdings davor, alles auf den Vergleichszeitraum zu schieben. Die Analysten sehen einen strukturellen Grund hinter den Zahlen — und der wird sich in den kommenden Monaten eher verschärfen als auflösen.
Die RAM-Krise als eigentlicher Treiber
“Die Marktvergleichswerte sind weiterhin vom rekordverdächtigen Start der Nintendo Switch 2 im Juni 2025 beeinflusst. Die Probleme gehen jedoch weit über einfache Zyklik hinaus. Höhere Hardware-Preise, ausgelöst durch die RAM- und Komponentenkrise, haben die Verkaufsraten von PlayStation 5 und Xbox Series erheblich beeinträchtigt — hinzu kommt eine Preiserhöhung für die Nintendo-Switch-2-Hardware zum 1. September 2026.”
Damit benennt Circana den Zusammenhang, über den die Branche seit Monaten spricht. Speicherbausteine sind knapp und teuer, Hardwarehersteller haben bereits gewarnt, dass die RAM-Preise mindestens bis 2028 weiter steigen dürften. Die bisherigen Preisaufschläge bei Konsolen und Zubehör waren nach dieser Lesart nur der Anfang. Analysten rechnen mit weiteren Erhöhungen, und niemand in der Branche äussert derzeit die Erwartung, dass die Preise anschliessend wieder auf das alte Niveau zurückfallen. Für Kaufinteressierte heisst das konkret: Der 1. September 2026 ist die letzte Gelegenheit, eine Switch 2 zum bisherigen Preis mitzunehmen.
Retail-Spiele auf dem tiefsten Stand seit 1995
Der zweite Rekord des Monats ist ebenfalls einer nach unten. Neue physische Spiele setzten in den USA im Juli 85 Millionen Dollar um — der niedrigste Juli-Wert, seit Circana 1995 mit der Erfassung begann. Die Verteilung ist dabei bemerkenswert einseitig: 63 Prozent der bisherigen Jahresausgaben für neue Retail-Spiele entfielen auf Nintendo, 32 Prozent auf PlayStation. Xbox spielt im Ladenregal praktisch keine Rolle mehr.
Diese Zahlen bekommen zusätzliches Gewicht durch Sonys Ankündigung, ab Januar 2028 keine physischen Discs für PlayStation mehr fertigen zu lassen. Der Datenpunkt aus dem Juli liefert die kaufmännische Begründung praktisch nach — auch wenn Sammlerinnen und Sammler das anders bewerten dürften.
Ein 14 Jahre altes Call of Duty führt die Charts an
Beim Software-Umsatz gewann im Juli keine Neuerscheinung, sondern ein Port: Call of Duty: Black Ops 2 für PS4 und PS5 war das umsatzstärkste Spiel des Monats in den USA. Die Fassung erschien am 9. Juli als Shadowdrop für 40 Dollar, PS-Plus-Mitglieder zahlten bis zum 6. August nur 20 Dollar. Der ebenfalls veröffentlichte erste Teil landete auf Rang fünf; zusammen sollen beide Ports schätzungsweise elf Millionen Mal verkauft worden sein. Halo: Campaign Evolved kam auf Platz sechs und blieb damit deutlich hinter den Activision-Neuauflagen zurück. In den Top 10 tauchten ausserdem Assassin's Creed Black Flag Resynced, Splatoon Raiders und EA Sports College Football 27 auf.
Insgesamt sanken die US-Ausgaben für Spiele, Hardware und Zubehör um 10 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar. Rückgänge gab es quer über PC, Konsole und Mobile. Einzig die Abo-Dienste legten zu — wie schon im Juni — und wuchsen um 6 Prozent.
Einordnung
Der Juli zeigt ein Publikum, das rechnet. Wer bereits eine Konsole besitzt, kauft seltener neue Spiele und greift eher zu günstigen, vertrauten Titeln oder einem Abo als zu einer Vollpreis-Neuerscheinung. Wer noch keine Konsole hat, schreckt vor einem Durchschnittspreis von über 500 Dollar zurück. Beides zusammen ergibt eine Zurückhaltung, die sich mit der nächsten Preisrunde kaum auflösen dürfte. Die Zahlen stammen aus dem US-Markt, doch die Ursache — teurer Speicher, teurere Komponenten — kennt keine Landesgrenzen.
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WARUM DAS WICHTIG IST
Der Preisaufschlag durch die RAM- und Komponentenkrise schlägt inzwischen messbar auf die Kaufentscheidungen durch — Konsolen kosten im Schnitt über 500 Dollar, und Analysten rechnen mit weiteren Erhöhungen. Wer noch zu alten Preisen einsteigen will, hat mit dem 1. September 2026 ein konkretes Datum vor Augen. Gleichzeitig zeigt der Markt, dass viele lieber bei den Spielen bleiben, die sie schon besitzen.
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