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Blizzard-Belegschaft setzt Vertrag durch - KI nur nach Verhandlung

Knapp 1900 Beschäftigte ratifizieren nach über zwei Jahren ihren ersten Tarifvertrag mit Microsoft - mit Regeln zu generativer KI, Credits und Entlassungen

Republic of Pixels Redaktion09. September 2026 · 16:04 Uhr2 Min. Lesezeit
Blizzard-Belegschaft setzt Vertrag durch - KI nur nach Verhandlung
Bild: Kotaku
Kurzfassung
  • Knapp 1900 Blizzard-Beschäftigte haben ihren ersten Tarifvertrag mit Microsoft ratifiziert - verhandelt wurde über zwei Jahre.
  • Der Einsatz von KI-Technologie, der die Arbeit gewerkschaftlich vertretener Angestellter wesentlich verändert, muss vorher verhandelt werden.
  • Bei Entlassungen gelten 60 Tage Vorlauf, eine Woche Abfindung pro sechs Monate Beschäftigung und 14 Monate Rückrufrecht.
  • Die vielen kleinen Gewerkschaftsgruppen bei Blizzard werden zu drei grossen Verhandlungseinheiten zusammengelegt.

Knapp 1900 Beschäftigte von Blizzard Entertainment haben ihren ersten Tarifvertrag mit dem Mutterkonzern Microsoft ratifiziert. Nach über zwei Jahren am Verhandlungstisch stehen darin verbindliche Regeln zu generativer KI, zur namentlichen Nennung in den Credits, zu Homeoffice und zum Ablauf von Entlassungen. Gleichzeitig werden die vielen kleinen Gewerkschaftsgruppen im Studio zu drei grossen Verhandlungseinheiten zusammengelegt.

1900

Beschäftigte werden vom neuen Vertrag abgedeckt

2 Jahre

wurde bis zur Ratifizierung verhandelt

14 Monate

Rückrufrecht nach einer Entlassung

Aus vielen kleinen Gewerkschaften werden drei Einheiten

Bislang war die gewerkschaftliche Landschaft bei Blizzard zersplittert: Diablo, Overwatch, die Qualitätssicherung und weitere Bereiche organisierten sich in getrennten Einheiten und mussten entsprechend getrennt verhandeln. Der neue Vertrag bündelt sie in drei Gruppen, die für alle künftigen Gespräche mit Microsoft gelten:

  • Einheit 1: das gesamte World-of-Warcraft-Team, die Qualitätssicherung von Blizzard sowie Hearthstone
  • Einheit 2: Plattform- und Technologieteam, Kundendienst und Lokalisierung sowie Story- und Franchise-Entwicklung
  • Einheit 3: die zuvor getrennt organisierten Teams von Diablo und Overwatch

Der unterzeichnete Vertrag deckt alle drei Gruppen ab und läuft je nach Verhandlungseinheit vier bis fünf Jahre. Die Beschäftigten der Qualitätssicherung, die bereits früher in diesem Jahr einen eigenen Vertrag abgeschlossen hatten, werden in die neue, konsolidierte Vereinbarung überführt.

KI-Artikel: Werkzeug ja, Alleingang nein

Der eigene Artikel zu künstlicher Intelligenz dürfte über Blizzard hinaus Beachtung finden. Er hält zunächst fest, dass KI-Werkzeuge in der Spieleentwicklung nützlich sein können, um menschliches Urteilsvermögen und Kreativität zu unterstützen - und formuliert dann eine klare Grenze.

KI-gestützte Arbeitsabläufe bleiben einer angemessenen menschlichen Kontrolle und Überprüfung auf Richtigkeit und Qualität unterworfen.
Auszug aus dem Tarifvertrag, zitiert von Kotaku

Entscheidend ist der zweite Teil: Jede Einführung von KI-Technologie, die die Arbeit gewerkschaftlich vertretener Angestellter wesentlich beeinflussen würde, muss vor der Umsetzung in ihren Auswirkungen verhandelt werden. Microsoft kann generative Werkzeuge also nicht mehr ohne Rücksprache in die Produktionspipeline der betroffenen Teams schieben.

Credits, Homeoffice und der Fall der Entlassung

Die weiteren Kapitel greifen Reizthemen auf, über die die Branche seit Jahren streitet:

  • Credits: Aktuelle und ehemalige Beschäftigte werden namentlich in allen Spielen genannt, an denen sie gearbeitet haben.
  • Homeoffice: Bestimmte Rollen sind als Hybridmodell definiert, zusätzlich gibt es ein festes Verfahren, mit dem Einzelne eine vollständig ortsunabhängige Arbeit beantragen können.
  • Entlassungen: 60 Tage Vorlauf oder eine Zahlung anstelle der Frist, eine Woche Abfindung für jeweils sechs Monate Beschäftigung und 14 Monate Rückrufrecht.
  • Nachfolgeklausel: Sollte Blizzard je von einem anderen Unternehmen übernommen werden, bleibt der Vertrag bestehen.

Der vierte Vertrag in Microsofts Studio-Landschaft

Es ist der vierte Tarifvertrag, den Microsoft mit Beschäftigten eines eigenen Studios abgeschlossen hat. Vorausgegangen waren im letzten Jahr die Vereinbarungen mit den Testerinnen und Testern von ZeniMax sowie mit Raven Software, in diesem Jahr folgte die Qualitätssicherung von Blizzard. Damit entsteht bei einem der grössten Publisher der Branche schrittweise ein Regelwerk, das über einzelne Abteilungen hinausreicht.

Für Spielerinnen und Spieler ist der Vertrag mehr als eine arbeitsrechtliche Fussnote. Die Teams hinter World of Warcraft, Diablo, Overwatch und Hearthstone gehören zu jenen, die in den vergangenen Jahren Umstrukturierungen und Entlassungswellen erlebt haben - der 60-Tage-Vorlauf, die Abfindungsformel und das 14-monatige Rückrufrecht legen nun fest, unter welchen Bedingungen solche Schritte ablaufen. Die namentliche Nennung in den Credits macht sichtbar, wer an einem Spiel tatsächlich mitgewirkt hat. Und die KI-Klausel ist ein konkreter Präzedenzfall in einer Debatte, die bisher vor allem aus Absichtserklärungen bestand: Sie verbietet den Einsatz generativer Werkzeuge nicht, verschiebt die Entscheidung darüber aber an den Verhandlungstisch. Wie belastbar das in der Praxis ist, wird sich in den vier bis fünf Jahren Laufzeit zeigen.

Warum das wichtig ist

Hinter World of Warcraft, Diablo und Overwatch stehen Teams, die seit Jahren von Umstrukturierungen und Entlassungswellen betroffen sind - der Vertrag legt nun fest, wie solche Schritte ablaufen müssen. Für Spielerinnen und Spieler besonders greifbar: Alle Mitwirkenden werden künftig namentlich in den Credits genannt, und der Konzern kann generative KI nicht mehr im Alleingang in die Produktionspipeline schieben.

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