Bethesda
«Früher gab es keine Entlassungen» - Bethesda-Artist über Microsoft
Bei der Aktion «Save Our Devs» beschreibt Artist Alex Nguyen, wie jährliche Stellenstreichungen das Wissen und die Moral bei Bethesda aushöhlen

- Bethesda-Artist Alex Nguyen sagt gegenüber Kotaku, unter Microsoft gebe es plötzlich jährliche Entlassungen - vorher habe es keine gegeben.
- Die Gewerkschaft OneBGS und die Communications Workers of America beteiligten sich an der Aktion «Save Our Devs» in den USA, Kanada und auf Twitch.
- Nguyen warnt vor dem Verlust institutionellen Wissens: Wenn die wenigen Leute gehen, die ein System kennen, muss das Team alles neu lernen.
- Xbox strich nach der Blizzard-Übernahme 1'900 Stellen, beim jüngsten «Reset» weitere 3'200.
Bethesda-Artist Alex Nguyen hat öffentlich beschrieben, wie sich die Arbeit in den Studios seit der Übernahme durch Microsoft verändert hat. Anlass war die Aktion «Save Our Devs», an der sich die Communications Workers of America (CWA) und die Bethesda-Gewerkschaft OneBGS vergangene Woche beteiligten. Nguyens Kernbefund gegenüber Kotaku: Entlassungen, die es früher schlicht nicht gab, seien inzwischen ein jährlich wiederkehrendes Ereignis.
1'900
Stellen strich Xbox nach der Blizzard-Übernahme
3'200
weitere Jobs fielen dem jüngsten «Reset» zum Opfer
1 Mrd.
Menschen täglich soll Xbox laut Chefin Asha Sharma unterhalten
Vom Ausnahmefall zum Jahresrhythmus
Nguyen zeichnet das Bild eines Arbeitsplatzes, der seine wichtigste Eigenschaft verloren hat: Verlässlichkeit. Für ihn ist das kein diffuses Bauchgefühl, sondern eine konkrete Zäsur zwischen dem Bethesda vor und dem nach der Übernahme durch den Tech-Konzern.
Seit wir unter Microsoft sind, fühlt es sich an, als hätte sich etwas verändert. Früher hatten wir keine Entlassungen, und plötzlich haben wir jährliche Entlassungen.
Die Aktionswoche selbst richtete sich nicht nur gegen einen einzelnen Arbeitgeber. CWA und OneBGS formulierten drei Punkte, die den Rahmen der Proteste absteckten:
- Kundgebungen in den USA und Kanada, begleitet von einem Stream auf Twitch
- Kritik an Entlassungswellen und an dem, was die Gewerkschaften als «Konzerngier» der Branche bezeichnen
- Die Forderung nach fairen ersten Tarifverträgen für die gewerkschaftlich organisierten Studios unter Microsofts Dach
Wenn das Wissen mit den Menschen verschwindet
Am schwersten wiegt für Nguyen ein Effekt, der auf keiner Bilanz auftaucht: der Verlust institutionellen Wissens. Grosse Rollenspiele und laufende Online-Titel bestehen aus gewachsenen Systemen, Werkzeugen und Eigenheiten, die oft nur eine Handvoll Leute wirklich durchschaut hat. Fallen diese Personen weg, muss ein Team Arbeit wiederholen, die längst erledigt war.
Wenn nur fünf Leute wussten, wie diese Sache funktioniert, und man lässt alle fünf gehen, dann ist das ein Moral-Killer, weil es heisst: Wir wussten das schon, und jetzt müssen wir es wieder lernen.
Fallout 76 und ESO als Gegenbeispiel
Nguyen verweist auf die beiden bekanntesten Comeback-Geschichten des Konzerns: Fallout 76 und The Elder Scrolls Online. Beide starteten holprig, beide entwickelten sich über Jahre zu Titeln mit treuer Fangemeinde. Genau das, so sein Argument, gelingt nur mit ausreichend Personal und ausreichend Zeit - zwei Ressourcen, die ein jährlicher Stellenabbau systematisch beschneidet.
Dazu kommt ein kultureller Bruch. Bei Bethesda und den ZeniMax-Studios habe es ein geteiltes Gefühl langfristiger Verbundenheit gegeben, sagt Nguyen. Viele Angestellte hätten das Studio als Ort betrachtet, an dem sie ihre Laufbahn beenden wollten - ein Vorteil in einer Branche, die für ihre Unsicherheit bekannt ist. Genau diese Haltung sieht er durch die aktuelle Konzernpraxis erstickt.
Deshalb waren so viele Leute so lange hier. Sie sagten: Ja, das ist der Ort, an dem ich in Rente gehen werde, oder: Hier höre ich auf, oder: Ich bin gerne hier, weil ich lange in der Branche bleiben will.
Grosse Worte, grosse Zahlen
Der Widerspruch, den die Beschäftigten anprangern, lässt sich an der Kommunikation der Xbox-Führung ablesen. Der frühere Xbox-Chef Phil Spencer erklärte im vergangenen Jahr, es sei von höchster Bedeutung, «kreative Teams zu fördern und zu schützen, die Risiken eingehen wollen» - keine zwei Jahre nach der Blizzard-Übernahme, in deren Folge 1'900 Stellen gestrichen wurden. Die heutige Xbox-Chefin Asha Sharma schlägt einen ähnlichen Ton an: Sie stellte in Aussicht, Xbox solle täglich über eine Milliarde Menschen unterhalten - und kündigte im selben Blogpost den «Reset» an, der 3'200 Jobs kostete.
Einordnung: Nguyens Schilderung liefert keine neuen Zahlen, aber die Innensicht auf das, was die Zahlen anrichten. Für Spielerinnen und Spieler ist der Zusammenhang direkt: Ansprüche, die immer höher geschraubt werden, treffen auf Teams, die immer wieder ausgedünnt werden. Ob sich daran etwas ändert, dürfte sich an den ersten Tarifverträgen in Microsofts Gaming-Studios zeigen - genau dem Punkt, den die Gewerkschaften bei «Save Our Devs» in den Mittelpunkt stellten.
Fallout 76 und The Elder Scrolls Online sind das beste Beispiel dafür, dass Spiele Jahre und stabile Teams brauchen, um aus einem Fehlstart ein Lieblingsspiel zu machen. Wenn erfahrene Leute in jährlichen Wellen gehen, trifft das direkt die Qualität und das Tempo künftiger Bethesda-Titel - und damit alles, was Fans von Elder Scrolls bis Fallout erwarten.
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