Circana
Konsolenverkäufe brechen um 39 Prozent ein - und der PC leidet mit
Circana- und Mercury-Zahlen zeichnen dasselbe Bild: Speicher- und Bauteilpreise drücken Konsolen wie Desktop-PCs gleichzeitig ins Minus

- Die US-Konsolenverkäufe fielen im Juli um 39 Prozent auf rund 520'000 Geräte, der Durchschnittspreis stieg um 16 Prozent auf 542 Dollar.
- Switch 2 verlor 51 Prozent Stückzahlen, Xbox Series 18 Prozent, PS5 nur 6 Prozent - dank der April-Preiserhöhung stiegen Sonys Umsätze trotzdem um 29 Prozent.
- Für physische Spiele gaben US-Kundinnen und -Kunden 85 Millionen Dollar aus - der tiefste Juli-Wert seit Beginn der Erhebung 1995.
- Parallel schrumpfte der Desktop-CPU-Markt laut Mercury Research um über 20 Prozent im Jahresvergleich; AMD gewinnt trotzdem Rekordanteile.
Der US-Konsolenmarkt hat im Juli einen der härtesten Rückschläge seiner jüngeren Geschichte einstecken müssen. Nach Circana-Daten, die Analyst Mat Piscatella am 20. August veröffentlicht hat, sanken die verkauften Stückzahlen gegenüber dem Vorjahresmonat um 39 Prozent. Gleichzeitig stieg der Durchschnittspreis, den Käuferinnen und Käufer für eine neue Konsole zahlten, um 16 Prozent auf 542 Dollar. Piscatella verknüpft den Einbruch erstmals ausdrücklich mit den Preiserhöhungen, die aus der RAM- und Bauteilkrise resultieren.
-39 %
weniger verkaufte Konsolen in den USA im Juli gegenüber Vorjahr
542 $
Durchschnittspreis pro neu gekaufter Konsole, plus 16 Prozent
85 Mio. $
Umsatz mit physischen Spielen - tiefster Juli-Wert seit Erhebungsbeginn 1995
Weniger Geräte, mehr Geld pro Gerät
In Dollar gerechnet setzte die Hardware im Juli 282 Millionen um, ein Minus von 29 Prozent und der schwächste Juli seit 2020. Rechnet man Umsätze und Durchschnittspreise gegeneinander, ergeben sich rund 520'000 verkaufte Konsolen über alle Plattformen hinweg - vor einem Jahr waren es noch etwa 850'000. Der gesamte US-Videospielmarkt aus Inhalten, Hardware und Zubehör schrumpfte um 10 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar.
Die drei Plattformen trifft es unterschiedlich hart. Die PS5 verlor bei den Stückzahlen lediglich 6 Prozent, spielte aber 29 Prozent mehr Umsatz ein - eine Folge der Preiserhöhung um 100 Dollar über die gesamte PS5-Reihe im April, die das Standardmodell auf 599 und die PS5 Pro auf 899 Dollar hob. Sony führte den Monat beim Umsatz an, die Switch 2 bei den Stückzahlen.
- PlayStation 5: -6 Prozent Stückzahlen, +29 Prozent Umsatz
- Xbox Series: -18 Prozent Stückzahlen, -18 Prozent Umsatz
- Switch 2: -51 Prozent Stückzahlen, -52 Prozent Umsatz
- Switch (1. Generation): -62 Prozent Stückzahlen, -61 Prozent Umsatz
Der drastische Switch-2-Rückgang braucht Kontext: Der Vergleichsmonat war der rekordverdächtige Launch-Zeitraum ab Juni 2025. Piscatella weist darauf hin, dass Nintendos neue Konsole zeitbereinigt weiterhin 11 Prozent vor dem Tempo der originalen Switch liegt.
Der Speicher treibt die Preise
Die Switch 2 war zum Zeitpunkt der Erhebung die einzige der drei aktuellen Plattformen ohne US-Preiserhöhung - das ändert sich am 1. September, wenn das Gerät für 499 Dollar über die Ladentheke geht, 50 Dollar mehr als bisher. Hintergrund sind Nintendos Speicherkosten, die Ende letzten Jahres um 41 Prozent gestiegen sind. Berichten zufolge kürzte das Unternehmen im März zudem die geplante Produktion um zwei Millionen Einheiten.
Microsoft hat die Preise innerhalb von zwei Jahren bereits zum dritten Mal angehoben, diesmal über sämtliche Xbox-Modelle hinweg, und die Series X mit 2 TB aus dem Programm genommen. Xbox-Chefin Asha Sharma hat erklärt, dass der Konzern 2027 fünfmal so viel für Speicher und Massenspeicher bezahlen werde wie zwei Jahre zuvor. Wer auf eine Entspannung der Konsolenpreise hofft, findet in diesen Zahlen keinen Anlass dazu.
Discs auf dem tiefsten Stand seit 1995
Noch deutlicher ist der Bruch beim physischen Handel: 85 Millionen Dollar Umsatz mit Spiele-Discs bedeuten laut Circana den tiefsten Juli-Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995. Das Restgeschäft ist zudem ungleich verteilt. Auf Nintendo-Plattformen entfallen 2026 bislang 63 Prozent der US-Ausgaben für physische Spiele, auf PlayStation 32 Prozent - für Xbox bleiben etwas mehr als 4 Prozent übrig, wenn man PC-Sammlereditionen herausrechnet. Sony hat bereits angekündigt, die Disc-Produktion für neue PlayStation-Titel im Januar 2028 einzustellen.
Der PC zeigt dieselben Symptome
Dass es sich nicht um ein reines Konsolenproblem handelt, zeigt ein Blick auf die Prozessorzahlen. Mercury Research beschreibt den Desktop-x86-Markt für das zweite Quartal 2026 schlicht als «hässlich»: Die Stückzahlen brachen im Jahresvergleich um über 20 Prozent ein. Als Ursachen nennt der Bericht die schlechte Verfügbarkeit von Grafikkarten sowie die hohen Preise für Mainboards, Speichermodule und SSDs - exakt jene Bauteile, die auch die Konsolenhersteller teuer zu stehen kommen.
Trotz eines ausgesprochen düsteren Ausblicks der Hersteller für Client-Prozessoren im zweiten Quartal fielen die tatsächlichen Ergebnisse für x86- und Arm-CPUs im zweiten Quartal 2026 deutlich besser aus, mit einem sequenziellen Quartalswachstum des Gesamtmarkts von über 10 Prozent - weit über den normalen saisonalen Trends, die für dieses Quartal einen leichten Rückgang erwarten lassen.
Getragen wurde dieses Wachstum von Rechenzentren und Notebooks, nicht vom Desktop. Auf Jahressicht schrumpfte der CPU-Markt in Stückzahlen sogar - unter anderem, weil AMDs Konsolengeschäft mit SoCs zurückgeht, was den Kreis zu den schwachen Hardware-Verkäufen schliesst. AMD selbst erreichte mit 30,7 Prozent Anteil am x86-Markt einen Rekordwert und legte in jedem grossen Segment zu. Im Desktop-Bereich stieg der Anteil auf 34,9 Prozent, allerdings nicht wegen boomender Verkäufe: AMD lieferte selbst weniger Desktop-CPUs aus als zuvor, nur eben weniger stark rückläufig als Intel.
Blinde Flecken in den Daten
Zur Gemengelage gehört, dass die Marktbeobachtung selbst löchriger wird. Microsoft teilt seine Digitalverkäufe seit dem Juli-Bericht nicht mehr mit Circana, wie Piscatella bestätigt hat; EA verliess das Digital-Panel rund um den Zeitpunkt seines Rückzugs von der Börse. Circana schätzt digitale Verkäufe für Xbox-, Activision- und Bethesda-Titel damit nur noch, statt sie zu messen - betroffen ist auch Call of Duty: Black Ops II, das die Juli-Charts mit seiner neuen PS4- und PS5-Portierung anführte.
Einordnung
Die Juli-Zahlen beschreiben keinen Nachfrageeinbruch aus Desinteresse, sondern einen Markt, der sich am Preis verschluckt. Konsolen werden teurer, Aufrüstteile für den PC ebenfalls, und beides hat dieselbe Wurzel im Speichermarkt. Für Spielerinnen und Spieler heisst das kurzfristig: Wer eine Anschaffung plant, sollte sie eher vorziehen als aufschieben - Sharmas Prognose bis 2027 deutet nicht auf sinkende Preise hin. Und wer physische Spiele sammelt, sieht mit dem 85-Millionen-Tief und Sonys Ausstiegsdatum 2028 gleich zwei Wegweiser in dieselbe Richtung.
Die Speicherkrise ist keine Randnotiz für Hardware-Nerds mehr, sondern schlägt direkt auf die Ladenpreise durch - bei Konsolen genauso wie bei Aufrüstteilen für den Spiele-PC. Wer 2026 neu einsteigen oder aufrüsten will, zahlt spürbar mehr und findet gleichzeitig immer weniger Spiele auf Disc.
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- Spending on physical games falls to lowest on record since 1995 — US console sales plunge 39% in July as memory costs push average price to $542 - Tom's Hardware
- Desktop CPU shipments crater 20% amid high component costs, but AMD gains record share despite 'ugly' desktop processor market — Intel floods laptop market with millions of CPUs, but AMD still sets all-time share records - Tom's Hardware
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