PlayStation 5
PS5-Blackout gestartet - doch 56 Prozent spielen weiter
Der Protest gegen Sonys Disc-Aus soll die aktiven Nutzerzahlen drücken - eine Umfrage zeigt, wie gross die Bewegung wirklich ist

- Der als «PS Blackout» angekündigte Protest hat begonnen: Teilnehmende trennen ihre PS5 vom Strom, offizieller Start war 19 Uhr Ortszeit.
- Ziel ist es, Sonys monatlich aktive Nutzerzahl zu drücken - mindestens bis zum 30. August, ohne Logins, ohne Spielzeit, ohne Käufe im PS Store.
- Auslöser ist das angekündigte Ende der Disc-Produktion im Januar 2028, dazu kommt allgemeiner Unmut über den Kurs von PlayStation.
- Sony meldete zuletzt rund 125 Millionen monatlich aktive Nutzer - mit steigender Tendenz gegenüber dem Vorjahr.
Rund um den Globus ziehen PS5-Besitzer:innen seit heute den Netzstecker. Der als «PS Blackout» angekündigte Protest gegen Sony sollte offiziell um 19 Uhr Ortszeit beginnen, viele Teilnehmende haben ihre Konsolen aber schon vorher abgeklemmt. Die Idee dahinter ist ungewöhnlich präzise für eine Community-Aktion: Getroffen werden soll nicht die Stimmung, sondern eine Kennzahl - die Zahl der monatlich aktiven Nutzer, die Sony seinen Investoren berichtet.
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125 Mio.
monatlich aktive Nutzer meldete Sony zuletzt - mit Zuwachs gegenüber dem Vorjahr
30. Aug.
bis zu diesem Datum sollen die Konsolen laut Organisatoren mindestens ausgesteckt bleiben
32 %
der Teilnehmenden einer Umfrage von Push Square geben an, ihre Konsole getrennt zu haben
Was der Blackout konkret verlangt
Die Organisator:innen fordern von Teilnehmenden mehr als eine symbolische Geste. Wer mitmacht, soll die Konsole vom heutigen Tag an bis mindestens zum 30. August komplett aus dem Netz nehmen. Das bedeutet in der Praxis:
- keine Logins ins PlayStation Network
- keine Spielzeit auf der PS5 - auch nicht offline
- keine Käufe im PS Store, weder Spiele noch Zusatzinhalte
- der 30. August gilt ausdrücklich als Minimum, nicht als Endpunkt
Der Hauptauslöser ist Sonys Entscheidung, die Produktion physischer Datenträger im Januar 2028 einzustellen. Die Kampagne bleibt aber nicht bei diesem einen Punkt: Die Initiator:innen werfen dem Konzern vor, sich generell «weiter von seiner Fanbasis entfernt» zu haben.
Eine Zahl, die kaum zu bewegen ist
Die Rechnung der Protestierenden hat einen Haken, und der ist gross. Im jüngsten Finanzbericht wies Sony rund 125 Millionen monatlich aktive Nutzer aus - ein Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit müsste die Beteiligung in einer Grössenordnung liegen, die eine spontan organisierte Kampagne kaum erreichen dürfte, um überhaupt einen sichtbaren Ausschlag in der Statistik zu erzeugen.
Entsprechend gelassen klingt es aus der Konzernspitze. Auf Nachfragen von Investoren zu möglichen Boykotten und Kündigungen von PS-Plus-Abos antwortete Finanzchefin Lin Tao bereits, man sehe keine Auswirkungen.
Wir sehen keine Auswirkungen auf unser Geschäft.
Genau deshalb gilt der breit angekündigte Blackout als beste - womöglich einzige - Gelegenheit der Kritiker:innen, überhaupt Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ein einzelner abgemeldeter Account verschwindet im Rauschen, eine koordinierte Aktion mit Datum und klaren Regeln lässt sich immerhin messen.
Die Community selbst ist gespalten
Wie weit die Bewegung trägt, deutet eine laufende Leserumfrage von Push Square an. Bei 452 abgegebenen Stimmen erklärten 32 Prozent, ihre Konsole ausgesteckt zu haben. 56 Prozent gaben an, wie gewohnt weiterzuspielen, 13 Prozent waren unentschlossen. In den Kommentaren dominieren zwei Lager: Wer die Aktion ablehnt, verweist auf den vollen Spieleherbst oder auf die eigene Zufriedenheit mit einer rein digitalen Bibliothek. Andere praktizieren einen abgeschwächten Protest - etwa, indem sie PlayStation-Exklusivtitel nur noch gebraucht kaufen, Käufe im PS Store meiden oder ihr PS-Plus-Abo auslaufen lassen.
Der Unmut speist sich dabei nicht allein aus dem Disc-Thema. Erst diese Woche kam in einer weiteren Umfrage von Push Square heraus, dass 92 Prozent der Teilnehmenden einen Führungswechsel bei PlayStation Studios für sinnvoll halten. Anlass waren Berichte über einen Neustart der Entwicklung am Spin-off Horizon Hunters Gathering.
Einordnung
Der Blackout ist ein Stimmungstest, kein Hebel. Selbst bei überdurchschnittlicher Beteiligung dürfte die Delle in Sonys Nutzerstatistik im Rauschen der Ferienzeit verschwinden - und mehrere Kommentierende bemängeln bereits, dass der Zeitpunkt mitten in einer Phase ohne grossen Exklusivrelease liegt. Interessanter als die Zahl ist deshalb, was sich hinter ihr abzeichnet: eine Kernklientel, die das Ende der physischen Datenträger als Symptom eines grösseren Vertrauensverlusts liest. Ob Sony darauf reagiert, wird sich weniger an diesem Wochenende zeigen als am Umgang mit der nächsten Konsolengeneration.
Der Blackout ist der erste breit organisierte Versuch, Sony nicht über Meinungsäusserungen, sondern über eine Geschäftskennzahl unter Druck zu setzen. Für alle, die weiterhin Spiele auf Datenträgern kaufen, verleihen oder weiterverkaufen wollen, entscheidet sich hier, ob Konsumkritik überhaupt noch Wirkung entfaltet - oder ob Plattforminhaber solche Kampagnen künftig getrost ignorieren können.
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