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Metro 2039

«Wir mussten unsere Story neu denken» - der Krieg schrieb Metro 2039 um

4A Games verwarf nach dem russischen Überfall auf die Ukraine grosse Teile der Handlung und begann die Entwicklung praktisch von vorn

Republic of Pixels Redaktion26. August 2026 · 09:04 Uhr4 Min. Lesezeit
«Wir mussten unsere Story neu denken» - der Krieg schrieb Metro 2039 um
Bild: Insider Gaming
Kurzfassung
  • Metro 2039 erscheint im Februar 2027 und ist der vierte Hauptteil der Reihe - acht Jahre nach Metro Exodus
  • Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine verwarf 4A Games grosse Teile der geplanten Story; die Entwicklung begann praktisch von vorn
  • Neuer Protagonist ist «The Stranger» - erstmals in der Hauptreihe eine vollständig vertonte Hauptfigur
  • Statt der Sandbox-Areale aus Exodus gibt es eine Rückkehr in die klaustrophobischen Tunnel von Moskau

Metro 2039 erscheint im Februar 2027 - und es ist nicht das Spiel, das 4A Games ursprünglich bauen wollte. Der ukrainische Entwickler hat nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 grosse Teile der geplanten Handlung verworfen und die Entwicklung im Kern ein zweites Mal begonnen. Das bestätigte Executive Producer Jon Bloch in einem Interview mit Polygon. Parallel haben mehrere Redaktionen den vierten Hauptteil erstmals ausführlich angespielt - von zwei Stunden bis zu einer zehnstündigen Session.

Feb. 2027

geplanter Release von Metro 2039

8 Jahre

Abstand zum letzten Hauptteil Metro Exodus (2019)

1 Mio.

Wunschlisten-Einträge in den ersten zwei Wochen

Der Krieg schrieb das Drehbuch um

4A Games entwickelt Metro 2039 überwiegend in der Ukraine - mitten im laufenden Krieg. Laut Eurogamer erscheint das Team zur Arbeit, ohne zu wissen, ob der Strom hält oder ob es vor einem Drohnenangriff in Deckung gehen muss. Diese Realität liess sich nicht ausblenden, und sie hat das Projekt umgeworfen.

Wir mussten unsere Story neu denken. Ideen, die wir für die erste Fassung des Spiels hatten und richtig hinbekommen wollten, haben sich vollständig verändert - jetzt sollte die Story das Wichtigste sein. Wir mussten im Grunde alle Emotionen des Teams und alles, was das Team und alle in der Ukraine durchmachen, aufnehmen und einen Weg finden, die richtige Geschichte zu erzählen.
Jon Bloch, Executive Producer bei 4A Games, gegenüber Polygon

Viele der ursprünglichen Ideen fielen weg. Im Zentrum steht nun die Frage nach den Folgen von Krieg. Deep Silver und 4A Games hatten in einem Blogpost früher im Jahr bereits angekündigt, dass sich das Spiel um «die Kosten des Schweigens, die Schrecken der Tyrannei und den Preis der Freiheit» dreht. Creative Director Andriy Shevchenko fasst es knapper: Metro 2039 sei «ein Spiel ohne Helden» - weil es in einer Welt ohne Helden stattfinde.

Ein neuer Protagonist, der endlich redet

Artyom, Hauptfigur aller früheren Hauptteile, tritt ab. Gespielt wird The Stranger, ein namenloser Spartaner-Ranger, den eine dunkle Vergangenheit zurück in die Ruinen von Moskau zieht. Anders als sein Vorgänger ist er vollständig vertont - in der Hauptreihe eine Premiere. Artyom kommentierte allenfalls in Ladebildschirmen; der Stranger äussert Meinungen und Motive im Spiel selbst. Vorgemacht hatte das der Ableger Metro Awakening, in dem der Protagonist ebenfalls sprach.

Angetrieben wird er nicht von Altruismus, sondern von persönlichen Motiven. Polygon beschreibt eine frühe Szene, in der eine Verhandlung mit einem rivalisierenden Fraktionsvertreter scheitert - und der Stranger seinem eigenen Anführer anbietet, das Problem auf seine Weise zu lösen.

Zurück in die Enge - die Novoreich herrscht

Nach dem halboffenen Exodus, das die Reihe 2019 aus Moskau hinausführte, geht es wieder unter die Erde. Die Entwickler grenzen Metro 2039 ausdrücklich von den «Sandbox»-Arealen des Vorgängers ab und benutzten im Gespräch mit Polygon mehrfach das Wort «klaustrophobisch». Auch Rock Paper Shotgun beschreibt das Spiel als Hybrid, der das enge Tunnelspiel von Metro 2033 und Last Light wiederbelebt und einzelne Exodus-Ideen behält - etwa die Waffen-Individualisierung, die laut GamesRadar zurückkehrt.

Erzählerisch greift 2039 tief in die Serienhistorie. Hunter, der Katalysator von Metro 2033, ist zurück - diesmal als Anführer der Novoreich. Diese Fraktion vereint die früheren Machtblöcke der Metro unter einem Banner: die einflussreiche Hansa, die sowjetisch geprägte Rote Linie und das faschistische Vierte Reich. Die Novoreich hat sich aus den Tunneln nach oben ausgedehnt und beherrscht die Stadt, was oberirdische Militäranlagen als neue Schauplätze ermöglicht.

Was die Anspielberichte über das Spielgefühl sagen

Wer laut vorgehen will, kann das: mit Waffen, Granaten und Molotowcocktails. Wer leise bleibt, findet Alternativen. Der Militärkomplex, in dem ein grosser Teil der Demo spielt, hat nach Angaben der Entwickler drei bis vier Zugänge - ein Standard, der laut Studio für viele Orte der Kampagne gilt.

  • Mehrere Wege pro Schauplatz, auch innerhalb der Stealth-Route
  • Neue Mechaniken zum Aufbrechen von Türen, Wänden, Schlössern und Kisten
  • Tag-Nacht-Wechsel: nachts wird die Oberfläche deutlich gefährlicher
  • Ressourcen-Knappheit als Dauerdruck - Filter und Medipacks teilen sich Materialien
  • Balancing noch in Arbeit; im fertigen Spiel soll es mehr Ressourcen und zusätzliche Anzüge geben

Die Filter sind dabei mehr als ein Zähler: Wer sich verläuft oder zu viele Medipacks bastelt, steht ohne Atemluft da - und stirbt. Polygon berichtet von reihenweise schnellen Toden. PC Gamer bringt das Frustpotenzial auf den Punkt: erst köstlich, bis man merkt, dass der ganze Gasmasken-Vorrat für eine Schranktür draufgegangen ist.

Wir schreiben tendenziell nicht viele Design-Dokumente. Wir sprechen über Ideen, bauen dann Prototypen und machen sie. Und wenn sie keinen Spass machen, entwickeln sie sich zu etwas völlig anderem - oder sie verschwinden.
Jon Bloch, Executive Producer bei 4A Games, gegenüber Polygon

Einordnung

Metro 2039 ist damit doppelt bemerkenswert: als Rückkehr zu den engen Wurzeln der Reihe - und als Spiel, dessen Kernbotschaft direkt aus der Lebensrealität seines Teams stammt. Die Vorschauen fallen durchweg positiv aus, von «Rückkehr zur Form» bis hin zu Insider Gamings Urteil, dies sei die authentischste Metro-Erfahrung überhaupt. Belastbare Aussagen zu Umfang, Balancing und Story-Auflösung sind aber noch nicht möglich: Alle Berichte basieren auf abgeschirmten Demos, die Plot-Details bewusst verbergen. Bis zum Release im Februar 2027 bleibt genug Zeit, die Ressourcen-Schraube zu justieren - die Wunschlistenmarke von einer Million in zwei Wochen zeigt jedenfalls, dass das Interesse acht Jahre nach Exodus nicht verflogen ist.

Warum das wichtig ist

Metro gehört zu den wenigen Shooter-Reihen, die Atmosphäre über Spektakel stellen - und Metro 2039 verhandelt erstmals offen die Erfahrung eines Studios, das mitten im Krieg entwickelt. Für Fans ist zugleich die grosse Frage beantwortet, in welche Richtung die Reihe nach dem halboffenen Exodus geht: zurück in die engen Tunnel.

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