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Mass Effect

«Lasst sie einfach machen» - Mass-Effect-Veteran kontert die Zweifler

Armando Troisi war Cinematic Designer der Original-Trilogie und hält die Untergangsstimmung rund um das nächste Mass Effect für übertrieben

Republic of Pixels Redaktion06. September 2026 · 05:02 Uhr3 Min. Lesezeit
«Lasst sie einfach machen» - Mass-Effect-Veteran kontert die Zweifler
Bild: PC Gamer
Kurzfassung
  • Armando Troisi, Cinematic Designer der Mass-Effect-Trilogie und Lead Cinematic Designer von Mass Effect 2, hält die Skepsis gegenüber dem nächsten Mass Effect für übertrieben.
  • Laut Troisi arbeiten noch immer viele Leute am Projekt, die schon die Original-Trilogie gebaut haben.
  • Seine Kernforderung: BioWare braucht keine Ratschläge von aussen, sondern Ruhe - man solle dem Team schlicht aus dem Weg gehen.
  • Hintergrund der Zweifel sind Anthem, Mass Effect Andromeda und die gespaltene Aufnahme von Dragon Age: The Veilguard.

Rund um das nächste Mass Effect hat sich in den vergangenen Jahren eine bemerkenswert düstere Grundstimmung festgesetzt. Manche Stimmen zweifeln inzwischen sogar daran, dass das Spiel überhaupt erscheint. Armando Troisi, Cinematic Designer der Original-Trilogie und Lead Cinematic Designer von Mass Effect 2, hält diese Untergangsstimmung für deutlich überzogen - und nennt in einem Gespräch mit FRVR auch, was BioWare seiner Ansicht nach jetzt braucht: schlicht Ruhe.

Woher die Skepsis kommt

Die Zweifel sind nicht aus dem Nichts entstanden. Mass Effect Andromeda und Anthem gelten weithin als Enttäuschungen, und Dragon Age: The Veilguard wurde von der Spielerschaft gespalten aufgenommen. Drei Projekte, drei unterschiedliche Problemlagen - aber in Summe ein Studio, dem viele den grossen Wurf nicht mehr zutrauen. Genau dieser Erwartungsstau lastet nun auf einem Spiel, von dem die Öffentlichkeit bislang nur wenig gesehen hat.

Interessant ist dabei die Vorgeschichte der einzelnen Fälle. Anthem gilt heute als Sinnbild für die Schwierigkeiten des Live-Service-Modells. Veilguard war ursprünglich ebenfalls als Live-Service-Titel angelegt und schwenkte erst spät in der Entwicklung auf ein Singleplayer-Rollenspiel um. Und Andromeda entstand unter Federführung jenes Teams, das zuvor für den Mehrspielermodus von Mass Effect 3 verantwortlich war. Das Muster, das sich daraus lesen lässt: Nicht das Rollenspiel-Handwerk war das Problem, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen es entstehen musste.

«Die Vision war immer klar»

Troisi beschreibt seine Zeit im Studio als eine Phase, in der allen Beteiligten klar war, worin BioWare am besten ist. Es habe eine Art Formel gegeben, an der man immer weiter gefeilt habe - mit dem Auftrag, cinematische Rollenspiele der Spitzenklasse abzuliefern.

Die Vision war immer klar. Es gab eine BioWare-Formel, und man wollte diese Formel weiter verfeinern und weiterhin cinematische Rollenspiele der Spitzenklasse abliefern - das war im Grunde der Auftrag. Und dann musste man die Live-Service-Ära durchleben, die noch immer anhält, vielleicht aber nicht mehr so dominant ist, und wir alle hängen von Konzernen und Anteilseignern und dem ganzen Rest ab.
Armando Troisi, Cinematic Designer der Mass-Effect-Trilogie, gegenüber FRVR

In dieser Lesart war der Umweg über Dauer-Onlinespiele kein Qualitätsproblem des Teams, sondern eine strategische Vorgabe von oben - eine, die BioWare nun hinter sich lassen könne.

Die «OGs» sitzen laut Troisi noch im Studio

Sein stärkstes Argument gegen die Schwarzmalerei ist personeller Natur. Am kommenden Mass Effect arbeiteten nach seiner Aussage noch immer viele Leute mit, die schon für die Originale verantwortlich waren. Er bezeichnet sie als die «OGs» und stellt klar, dass er ihnen kaum etwas beibringen könne, was sie nicht ohnehin wüssten. Ratschläge von aussen brauche das Team nicht - eher das Gegenteil.

Ich glaube, wenn BioWare es herunterbricht und dieses Singleplayer-Spiel macht, interaktiv, erzählgetrieben, mit tiefem Kampfsystem und Progression, dann gibt es wirklich niemanden, der an sie herankommt.
Armando Troisi gegenüber FRVR

Den Weg des Studios vergleicht Troisi mit einer Wanderung, an deren Ende man sich selbst wiederfindet und zurückkehrt. Was jetzt fehle, sei vor allem Zurückhaltung von aussen: Man solle dem Team aus dem Weg gehen und es das machen lassen, was es am besten kann.

Was das für die Erwartungen bedeutet

  • Troisi ist nicht mehr bei BioWare - seine Einschätzung ist die eines Veteranen von aussen, kein offizielles Statement des Studios.
  • Konkrete Informationen zu Umfang, Inhalt oder Erscheinungstermin des nächsten Mass Effect nennt er nicht.
  • Seine Aussage bezieht sich auf die Zusammensetzung des Teams und die kreative Ausrichtung, nicht auf den Entwicklungsstand.

Einordnung: Troisis Optimismus ist ein Stimmungsbild, keine Produktankündigung - und er selbst formuliert ihn ausdrücklich als Hoffnung, nicht als Garantie. Trotzdem verschiebt seine Argumentation den Blickwinkel: Wer BioWare pauschal abschreibt, misst das Studio an Projekten, die unter Live-Service-Vorgaben entstanden sind. Ob das kommende Mass Effect tatsächlich zur alten Formel zurückfindet, wird sich erst zeigen, wenn EA und BioWare handfestes Material vorlegen. Bis dahin bleibt Troisis Fazit die vielleicht ehrlichste Position: «Ich glaube, dass sie es schaffen können. Ich drücke ihnen die Daumen.»

Warum das wichtig ist

Das nächste Mass Effect ist eines der am meisten beobachteten Rollenspielprojekte überhaupt - und der Ruf von BioWare hängt daran. Wenn ein Veteran der Original-Trilogie erklärt, wer intern noch am Werk ist und woran es in den letzten Jahren wirklich gescheitert sein soll, hilft das beim Einordnen der eigenen Erwartungen.

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