GTA 6
113 GB angebliches GTA 6 - davon sind 50 KB ein Virus
Community-Analysen zerlegen eine kursierende ISO-Datei, die den angeblich geleakten Build des Rockstar-Spiels enthalten soll
Gerücht / Leak: unbestätigte Informationen - wir kennzeichnen, was gesichert ist.

- Eine angeblich 113 GB grosse GTA-6-ISO kursiert laut Berichten auf Torrent-Seiten
- Community-Analysen sprechen von 99,99 Prozent leeren Nullen plus einem rund 50 KB grossen Schadprogramm
- Der Code soll Windows Defender aushebeln und Sicherheitssoftware beenden - bestätigt ist das nicht
- Hintergrund sind die täglichen Leaks von Cyberleek und die Ermittlungen von Take-Two
Nur wenige Tage nach den ersten GTA-6-Leaks kursiert im Netz eine ISO-Datei, deren Dateiname suggeriert, es handle sich um den kompletten Build des Spiels. 113 Gigabyte gross, angeblich spielbar, angeblich echt. Wer die Datei jedoch auseinandernimmt, findet laut mehreren Community-Analysen fast nichts - ausser einem winzigen Schadprogramm.
EXTERNER INHALT VON X
Beim Laden werden Daten an X übermittelt, und X kann Cookies setzen.
113 GB
Grösse der kursierenden ISO-Datei
50 KB
mutmasslicher Schadcode darin
99,99 %
sollen laut Analyse leere Nullen sein
Wie die Datei auffiel
Aufmerksam machte auf den Download der X-Nutzer @GTAGolden_, der seine Follower halb im Scherz aufforderte, sich für die Allgemeinheit zu opfern und zu prüfen, ob es sich um einen echten Build handelt. Woher die Datei stammt, nannte er nicht; berichtet wird, dass sie über diverse Torrent-Seiten verbreitet wurde. Kurz darauf meldete sich der Nutzer @Aidas29506493 mit einer ersten Einschätzung.
Ich habe etwas Reverse Engineering betrieben. Es ist komplett gefälscht und voller Viren.
In weiteren Antworten präzisierte er, wie die enorme Dateigrösse zustande kommen soll: Es handle sich nicht um 100 Gigabyte echten Code, sondern um einen winzigen 50 Kilobyte grossen Virus, aufgefüllt mit 99,99 Prozent leerem Müll - nach seiner Beschreibung schlicht endlose Nullen. Genau dieses Auffüllen sorgt dafür, dass der Download auf den ersten Blick plausibel wirkt: Ein modernes Open-World-Spiel dieser Grössenordnung ist nun einmal riesig.
Was der Code angeblich anrichtet
Interessanter als die Grösse sind die Befehle, die laut der Analyse im dekompilierten Bytecode stecken sollen. Beschrieben werden zwei klassische Schritte moderner Windows-Malware:
- Ein PowerShell-Befehl (Add-MpPreference -ExclusionPath), der das gesamte Laufwerk C:\ als Ausnahme in Windows Defender einträgt
- Ein taskkill-Aufruf mit Force-Parameter, der laufende Sicherheitssoftware beendet
Beides zusammen würde bedeuten: Der Schutzmechanismus wird nicht umgangen, sondern abgeschaltet, bevor überhaupt etwas passiert. Wichtig zur Einordnung - diese Befunde stammen von Privatpersonen aus der Community und sind bislang weder von Sicherheitsfirmen noch von offizieller Seite bestätigt. Dass eine als Vorab-Build getarnte Torrent-Datei Schadsoftware enthält, ist trotzdem das wahrscheinlichste Szenario.
Der Nährboden: Cyberleek und tägliche Leaks
Die gefälschte ISO fällt in eine Phase maximaler Aufmerksamkeit. Eine Person oder Gruppe unter dem Namen Cyberleek veröffentlicht seit Tagen Gameplay-Schnipsel und hat auch die komplette Karte von Leonidas gezeigt, dem Schauplatz des Spiels. Als Begründung nennt Cyberleek Rockstars Entscheidung, digitale Vorverkäufe anzubieten - für den Leaker ein Vorgehen gegen die Interessen der Spielerschaft. Man werde weiter Material veröffentlichen, bis sich der Publisher öffentlich entschuldige und verspreche, es besser zu machen.
Take-Two Interactive hat bereits reagiert und im Rahmen der Ermittlungen die Geräte-IDs sämtlicher Mitglieder von drei Discord-Servern angefordert, um die Quelle zu stopfen oder juristisch zu verfolgen. Schnell dürfte das nicht gehen - während die Identifizierung läuft, erscheinen die Leaks weiterhin praktisch täglich. Parallel bereitet Rockstar den nächsten offiziellen Schritt vor: Am 27. August soll auf Netflix ein ausführlicher Blick auf das Spiel folgen.
Einordnung: Warum der Zeitpunkt kein Zufall ist
Kriminelle brauchen keine echte Datei, sie brauchen nur eine glaubwürdige Geschichte - und die liefern die Leaks gerade frei Haus. Solange im Umlauf ist, dass ein kompletter Build existieren könnte, funktioniert jeder Dateiname, der so klingt. Wer nach einer vermeintlichen Vorabversion sucht, hat den Sicherheitsreflex ohnehin schon ausgeschaltet.
Die nüchterne Konsequenz: Ein unveröffentlichtes Spiel per Torrent zu laden, ist noch einmal deutlich riskanter als übliche Raubkopien, weil es schlicht keine legitime Datei geben kann, die dem entspricht. Wer GTA 6 spielen will, wartet bis zum Release im November - und schaut sich vor dem Kauf in Ruhe die Tests an, statt 113 Gigabyte Nullen auf die eigene SSD zu ziehen.
Der Hype um GTA 6 ist gerade so gross, dass viele Spielerinnen und Spieler aktiv nach angeblichen Builds suchen - genau darauf zielen die Verbreiter der Datei ab. Wer eine solche ISO öffnet, riskiert laut den kursierenden Analysen ein System, dessen Virenschutz gezielt ausgeschaltet wird. Der Fall zeigt, wie schnell aus einem Leak-Ereignis eine Malware-Welle wird.
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