Epic Games Store
«Die Daten erzählen eine andere Geschichte» - Epic kontert Analysten
Ein Marktforscher nennt den Epic Games Store einen Ort, an dem man Gratisspiele abholt und wieder verschwindet - Epic hält Rekordzahlen dagegen

- Newzoo-Analyst Emmanuel Rosier bezeichnet den Epic Games Store als abgespeckte Steam-Alternative, die vor allem für Gratisspiele genutzt wird
- Epic-Store-Präsident Martin Keely widerspricht: 2,78 Milliarden Spielstunden mit Drittanbieter-Titeln im Jahr 2025
- Die Ausgaben für Drittanbieter-PC-Spiele wuchsen laut Epic um 57 Prozent auf einen Rekord von 400 Millionen Dollar
- Noch dieses Jahr soll ein überarbeiteter Launcher kommen, der rund fünfmal schneller sein soll
Der Epic Games Store liegt im Sterben - so ungefähr klingt die Diagnose, die Newzoo-Analyst Emmanuel Rosier gegenüber PC Gamer gestellt hat. Epic will das nicht auf sich sitzen lassen: Martin Keely, Präsident des Stores, meldete sich bei derselben Redaktion und legte Zahlen auf den Tisch, die ein deutlich anderes Bild zeichnen sollen. Zwei Deutungen desselben Ladens, die kaum weiter auseinanderliegen könnten.
2,78 Mrd.
Stunden, die Spielende 2025 laut Epic in Drittanbieter-Titel im Store steckten
+57 %
Wachstum der Ausgaben für Drittanbieter-PC-Spiele auf 400 Millionen Dollar
5x
So viel schneller soll der überarbeitete Launcher laut Epic werden
Die Analyse: eine Ausgabestelle für Gratisspiele
Rosier, bei Newzoo als Director of Market Intelligence für Marktdaten zuständig, beschreibt den Epic Games Store als abgespeckte Steam-Alternative - als Ort, an dem Leute wöchentlich vorbeischauen, ein Gratisspiel einsammeln und wieder verschwinden, ohne es je zu starten. Auch das angekündigte Launcher-Update, das die Software rund fünfmal schneller machen soll, hält er nicht für die Wende: Zum Marktstart wäre ein solches Tempo essenziell gewesen, heute komme es zu spät und sei zu wenig.
Diese Kritik trifft einen wunden Punkt, weil sie die gesamte Geschichte des Stores zusammenfasst. Seit dem Start 2018 hat Epic mit wöchentlichen Gratistiteln und teuren Exklusivdeals Reichweite gekauft, während Basisfunktionen lange fehlten und der Launcher als träge galt. Die Gratisaktion hat Millionen Bibliotheken gefüllt - nur eben nicht zwingend Spielzeit oder Kaufgewohnheiten erzeugt.
Die Antwort: Epic rechnet vor
Die Daten erzählen eine ganz andere Geschichte. 2025 haben Spielerinnen und Spieler rekordverdächtige 2,78 Milliarden Stunden mit Drittanbieter-Spielen im Epic Games Store verbracht, und die Ausgaben für Drittanbieter-PC-Spiele sind um 57 Prozent auf den Allzeitrekord von 400 Millionen Dollar gestiegen. Mit dem verbesserten Launcher, der dieses Jahr kommt, wird sich dieser Schwung nur noch beschleunigen.
Bemerkenswert ist die Betonung auf «Drittanbieter». Epic grenzt damit bewusst das Geschäft mit fremden Spielen von den hauseigenen Zugpferden ab - allen voran Fortnite, das für den Grossteil der Aktivität auf der Plattform sorgt. Genau dieser Zusatz macht die Zahlen aussagekräftiger, als es eine blosse Gesamtsumme wäre. Gleichzeitig fehlt der Vergleichswert, der die Einordnung erst rund machen würde: Steams Grössenordnung bleibt in Keelys Statement unerwähnt.
Was die Praxis erzählt
Destructoid-Autor Tiago Manuel, der den Schlagabtausch aufgegriffen hat, erkennt sich in der Analyse wieder statt in den Rekordzahlen: ein Gratisspiel pro Woche, ein einziger gekaufter Exklusivtitel, nie gespielt. Ein Kollege aus derselben Redaktion holt sich die Geschenke sogar ausschliesslich über die Webseite, ohne den Launcher überhaupt zu installieren - und kauft manche dieser Spiele später auf Steam noch einmal, weil er vergessen hat, dass er sie besitzt.
Das sind Anekdoten, keine Statistik, und sie widerlegen Epics Zahlen nicht. Sie zeigen aber, warum die Debatte so hartnäckig ist: Die Wahrnehmung des Stores hat sich von seinen Kennzahlen entkoppelt. Wer den Laden nur als Klick-Zwischenstopp erlebt, glaubt einer Milliardenzahl schlicht nicht - und wer ihn als Zweitbibliothek nutzt, findet die Kritik übertrieben.
Einordnung
Der Streit läuft auf eine simple Frage hinaus: Reicht Wachstum, wenn es von einer sehr kleinen Basis kommt? 400 Millionen Dollar Jahresumsatz mit fremden Spielen sind für einen Konkurrenten Valves kein Nichts, im Verhältnis zum PC-Gesamtmarkt aber überschaubar. Der schnellere Launcher wird darum kaum Köpfe drehen, solange er nur behebt, was jahrelang gestört hat. Interessant wird 2026 erst, ob Epic den Sprung schafft, den Rosier bezweifelt - vom Ort, an dem man Spiele geschenkt bekommt, zu dem Ort, an dem man sie kauft.
Der Epic Games Store ist die einzige ernsthafte PC-Alternative zu Steam mit nennenswerter Reichweite - und damit ein Preis- und Konditionshebel für alle, die auf dem PC kaufen. Ob der Laden wächst oder nur Gratisspiele verteilt, entscheidet mit darüber, wie viel Konkurrenzdruck Valve künftig spürt.
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