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«Ich sehe nicht, wie sie sich erholen» - Analyst über den Epic Store

Epic baut Launcher und Shop um, doch ein Newzoo-Marktforscher hält den Rückstand auf Steam für uneinholbar

Republic of Pixels Redaktion23. August 2026 · 04:06 Uhr4 Min. Lesezeit
«Ich sehe nicht, wie sie sich erholen» - Analyst über den Epic Store
Bild: PC Gamer
Kurzfassung
  • Epic überarbeitet Launcher und Storefront: schnellerer Start, personalisierte Empfehlungen, Schnellzugriffe und Patch Notes direkt im Shop.
  • Newzoo-Analyst Emmanuel Rosier hält eine Aufholjagd gegen Steam trotzdem für aussichtslos.
  • Sein Argument: Gratisspiele bringen Logins, aber kaum Spielzeit - Nutzer:innen sammelten eher, als zu spielen.
  • Deutlich optimistischer sieht Rosier Epics Zukunft als Entwickler - der Fokus solle auf Fortnite liegen.

Epic Games arbeitet seit Monaten daran, seinen Launcher und die dazugehörige Storefront aus dem Zustand von 2018 zu holen. Im Februar kündigte das Unternehmen den technischen Umbau an, im Juni folgte die Angabe, die Anwendung starte im Schnitt fünfmal schneller. Ob das reicht, um den Abstand zu Steam zu verkleinern, bezweifelt ein Branchenanalyst allerdings deutlich: Emmanuel Rosier, Director of Market Intelligence beim Marktforschungsunternehmen Newzoo, sieht laut einem Interview mit PC Gamer keinen realistischen Weg zurück ins Rennen.

schnellerer Start des Epic-Launchers laut Epic-Angabe vom Juni

2018

Ende dieses Jahres startete der Epic Games Store als Steam-Konkurrent

Was Epic am Store tatsächlich ändert

Der technische Umbau ist nur ein Teil des Pakets. Begleitet wird er von Funktionen, die andere Plattformen längst als Standard führen. Epic nennt unter anderem:

  • personalisierte Spielempfehlungen
  • Kategorien mit Schnellzugriff
  • Patch Notes direkt in der Storefront
  • einen Launcher, der laut Epic im Durchschnitt fünfmal schneller startet

Das ist eine ehrliche Aufholjagd bei den Grundlagen - und genau darin liegt das Problem. Es handelt sich um Funktionen, die dem Store bereits Ende 2018 gutgetan hätten, als er als Steam-Herausforderer mit Exklusivdeals und wöchentlichen Gratisspielen an den Start ging. Sieben Jahre später ist die Frage nicht mehr, ob der Shop besser wird, sondern ob Besserwerden allein noch etwas verschiebt.

«Steam ist so unausweichlich geworden»

Rosiers Einschätzung fällt eindeutig aus. Der Analyst argumentiert weniger mit Epics Fehlern als mit Valves Position: Steam sei für PC-Spieler:innen zur Standardadresse geworden, an der man nicht vorbeikomme.

Ich sehe wirklich nicht, wie sie das drehen können, weil Steam so unausweichlich geworden ist. Der Epic Games Store gewinnt Spieler über Gratisspiele, aber die Leute loggen sich ein, holen sich die kostenlosen Titel und spielen sie nicht einmal. Es ist fast so, als würden sie Spiele sammeln, statt sie tatsächlich zu spielen.
Emmanuel Rosier, Director of Market Intelligence bei Newzoo, gegenüber PC Gamer

Der paradoxe Nebeneffekt der Gratisspiele

Der Autor des PC-Gamer-Interviews widerspricht der These zumindest für sich selbst: Ohne Epics Verschenkaktionen hätte er Titel wie Control, Ghostwire: Tokyo, Vampyr, Assassin's Creed Syndicate, Guardians of the Galaxy oder Kardboard Kings vermutlich nie ausprobiert. Das ist eine Stichprobe von genau einer Person - aber es zeigt, dass das Programm Spielen durchaus Sichtbarkeit verschafft.

Interessanter ist ein anderer Effekt, den PC Gamer anführt: Eine Verschenkaktion im Epic Games Store kann die Verkäufe desselben Spiels auf Steam ankurbeln. Bei Blood West war das der Fall, weil viele Spieler:innen ihre Bibliothek nicht auf zwei Plattformen aufteilen wollen. Wer den Titel gratis bei Epic entdeckt, kauft ihn im Zweifel dort, wo der Rest der Sammlung liegt. Epic bezahlt also für Aufmerksamkeit, von der am Ende teilweise die Konkurrenz profitiert.

Zu viele Fronten gleichzeitig

Rosier führt Epics Lage auch auf die strategische Breite der vergangenen Jahre zurück. Neben dem Kampf um den PC-Markt hat sich das Unternehmen parallel mit den Betreibern der grossen Mobile-Plattformen angelegt.

Die Herausforderung, vor der Epic meiner Meinung nach steht, ist, dass sie in den vergangenen Jahren überall gewinnen wollten. Sie wollen gegen Steam gewinnen, gegen Apple, gegen Google Play - und wahrscheinlich ging ihnen die Kraft aus, weil sie nicht all diese Kämpfe gleichzeitig führen können.
Emmanuel Rosier, Newzoo

Fortnite statt Storefront

Deutlich positiver bewertet der Analyst Epics Rolle als Entwickler. Sein Rat: das Unternehmen solle sich auf das konzentrieren, was wirklich zähle - und das sei Fortnite. Man sehe dem Spiel an, wie viel Arbeit gerade hineinfliesse, und der Zustand heute sei besser als noch vor sechs oder zwölf Monaten.

Auffällig sei dabei die Öffnung gegenüber fremden Marken. Früher tauchten vor allem Epic-eigene Inhalte oder Titel aus dem Exklusiv-Umfeld wie Borderlands 3 im Battle Royale auf. Inzwischen stehen Sonic the Hedgehog, Pac-Man, Crash Bandicoot und Mega Man neben Sora aus Kingdom Hearts und Joker aus Persona 5 in der Rotation.

Das ist ein wichtiger Trend, den ich bei Fortnite sehe: Sie haben keine Angst vor anderen Spielen.
Emmanuel Rosier, Newzoo

Fortnite konkurriere kaum noch mit anderen Spielen, sondern werde zur Marketingfläche für sie, so Rosier. Er sei fast überrascht, dass GTA 6 keinen Fortnite-Event zur Trailer-Premiere veranstalte - warum eigentlich nicht, an diesem Punkt? Auch die neuen sammelbaren «Sprites» sieht er positiv, weil sie eine Beschäftigung jenseits des Siegens bieten: Es gehe dabei nicht so sehr ums Gewinnen, sondern darum, die Sammlung zu vervollständigen.

Einordnung

Rosiers Urteil ist eine Analystenmeinung, keine Bilanzzahl - Epic hat weder Nutzerzahlen vorgelegt, die dem widersprechen, noch bestätigt das Unternehmen einen Rückzug aus dem Storefront-Geschäft. Doch das Argument sitzt: Ein schnellerer Launcher und Patch Notes im Shop beheben Ärgernisse, verändern aber keine Gewohnheiten. Wer Freundesliste, Errungenschaften, Workshop-Inhalte und tausend Stunden Spielzeit auf Steam liegen hat, wechselt nicht wegen einer Kategorieleiste. Für Spieler:innen bleibt die unangenehme Konsequenz: Je selbstverständlicher Steam wird, desto weniger Grund hat Valve, an Preisen oder Konditionen etwas zu ändern - und desto mehr hängt der Wettbewerb auf dem PC an Anbietern wie GOG oder Itch.io. Epics Gratisspiele dürften also weiterlaufen. Nur ist unklar, ob sie noch dem Store nützen oder längst vor allem der Konkurrenz.

Warum das wichtig ist

Der Wettbewerb zwischen Epic und Steam entscheidet mit darüber, wie viel Auswahl PC-Spieler:innen beim Kauf haben und wie hoch die Abgaben sind, die Entwickler an eine Plattform zahlen. Bleibt Steam faktisch alternativlos, sinkt der Druck auf Valve, an Preisen und Konditionen etwas zu ändern.

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