Electronic Arts
EA soll im Saudi-Konzern aufgehen - einen Monat nach dem Kauf
Laut einem unbestätigten Bloomberg-Bericht prüft der saudische Staatsfonds PIF eine Fusion von Electronic Arts mit der Savvy Games Group
Gerücht / Leak: unbestätigte Informationen - wir kennzeichnen, was gesichert ist.

- Laut Bloomberg prüft Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF, EA mit der eigenen Savvy Games Group zu verschmelzen - bestätigt ist nichts, EA und PIF wollten sich nicht äussern.
- Ziel wäre ein einziges Vehikel für Zukäufe, Spieleentwicklung und die Verwertung von Marken; ob EA als eigene Firma bestehen bliebe, ist offen.
- Vor dem Abschluss von Savvys 6 Milliarden Dollar schwerem Kauf des Moonton-Studios soll keine Entscheidung fallen.
- Die 55-Milliarden-Übernahme brachte EA rund 20 Milliarden Dollar zusätzliche Schulden - Beschäftigte fürchten Entlassungen und Einfluss auf Projektfreigaben.
Einen Monat nach dem Abschluss der Übernahme von Electronic Arts prüft Saudi-Arabiens Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) offenbar bereits den nächsten Schritt: EA soll mit der Savvy Games Group verschmolzen werden, dem eigenen Spielekonglomerat des Fonds. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Insider. Bestätigt ist davon nichts - der Bericht beschreibt ausdrücklich frühe Überlegungen, endgültige Entscheidungen sollen nicht gefallen sein. Sowohl EA als auch der PIF lehnten eine Stellungnahme ab.
55 Mrd. $
Kaufpreis für EA - der grösste Leveraged Buyout der Geschichte
20 Mrd. $
zusätzliche Schulden, die die Übernahme mitbringt
6 Mrd. $
Savvys Zukauf von Moonton, der dem Bericht zufolge zuerst abgeschlossen werden muss
Ein Konzern statt zwei Baustellen
Laut Bloomberg wägen Führungskräfte innerhalb des PIF Pläne ab, eines der grössten Spieleunternehmen der Welt zu formen - vor allem, um die eigenen Beteiligungen besser aufeinander abzustimmen. Eine Fusion würde Saudi-Arabiens Vorstoss in die Spielebranche ein einziges Vehikel geben: für Zukäufe, für die Entwicklung neuer Spiele und für die Verwertung von Marken über die gesamte Industrie hinweg. Offen ist dem Bericht zufolge, wie eine solche Struktur konkret aussehen würde - ob EA als eigenständige Firma unter dem Dach weiterbestünde, in Savvy aufgenommen würde oder umgekehrt.
Zur Erinnerung: Der Verkauf von EA an ein Konsortium aus dem PIF, Affinity Partners und Silver Lake wurde Anfang August abgeschlossen. Der Staatsfonds hält dabei die kontrollierende Mehrheit. Der Deal nahm EA nach rund drei Jahrzehnten von der Börse und gilt mit 55 Milliarden Dollar als grösster Leveraged Buyout der Geschichte - finanziert unter anderem über rund 20 Milliarden Dollar zusätzliche Schulden, die auf dem Unternehmen lasten.
Was Savvy Games Group überhaupt ist
Savvy Games wurde 2021 vom PIF gegründet und ist seither zum Sammelbecken für die saudischen Spiele-Investitionen geworden - Milliardenbeträge flossen in Zukäufe, unter anderem 38 Milliarden Dollar in den Aufbau der Gruppe. Auf der Website des Staatsfonds wird das Ziel unmissverständlich formuliert.
Die Führungsrolle in der Spieleindustrie bis 2030 erreichen.
Im Portfolio stehen laut PIF unter anderem folgende Beteiligungen:
- ESL FACEIT Group, laut PIF das weltweit grösste E-Sport-Unternehmen
- Scopely, laut PIF die Nummer eins im US-Mobilespielmarkt - im Portfolio stecken Pokémon Go und Monopoly Go!
- Moonton, das chinesische Studio hinter Mobile Legends - der 6 Milliarden Dollar schwere Kauf ist noch nicht abgeschlossen
Geht die Fusion durch, lägen EAs Sportmarken und Scopelys Mobile-Erfolge erstmals in derselben Konzernstruktur. Die geprüfte Konstellation wirkt damit stark handylastig - der PIF hat EA aber offensichtlich nicht nur wegen Telefonspielen gekauft. Am Ende stünde ein Unternehmen, das über Konsole, PC, Mobile und E-Sport hinweg zu den grössten der Branche zählen würde.
Warum vor Moonton nichts passiert
Der Bericht nennt eine klare Bedingung: Eine Entscheidung sei frühestens zu erwarten, wenn Savvy die Übernahme von Moonton abgeschlossen hat. Für 6 Milliarden Dollar soll das Studio hinter dem Mobile-MOBA Mobile Legends in die Gruppe wandern. Solange dieser Deal offen ist, dürfte sich an der Struktur nichts ändern - was bedeutet, dass eine Fusion, sollte sie überhaupt kommen, noch Monate entfernt wäre.
Die Hürde heisst Regulierung
Selbst wenn der PIF sich entscheidet, wäre ein Zusammenschluss dieser Grössenordnung genehmigungspflichtig. Und die Ausgangslage ist ungewöhnlich: Einen der grössten US-Publisher für 55 Milliarden Dollar zu kaufen und ihn anschliessend mit dem eigenen Mobile-Konglomerat zu verschmelzen, in das zuvor 38 Milliarden Dollar geflossen sind, dürfte Wettbewerbshüter mindestens aufmerksam machen. Die Übernahme selbst war schon abgeschlossen - eine Fusion müsste die Prüfungen jedoch erneut durchlaufen, und zwar in mehreren Jurisdiktionen gleichzeitig.
Die Sorgen im Unternehmen sind älter als der Bericht
Bereits die Übernahme selbst hatte Befürchtungen über grosse Entlassungswellen und mögliche Studioschliessungen ausgelöst - nicht zuletzt, weil die aufgenommenen Schulden abgetragen werden müssen. Gesprächspartner von Insider Gaming äusserten im vergangenen Jahr entsprechende Sorgen. Die EA-Führung hatte dagegen beschwichtigt.
Unsere kreative Freiheit und unsere Werte, die die Spielerschaft zuerst stellen, bleiben intakt.
Innerhalb der Belegschaft gibt es dennoch die Befürchtung, dass künftig inhaltlich mitregiert wird - konkret bei der Frage, welche Projekte überhaupt eine Freigabe bekommen.
Projekte werden einfach nicht freigegeben, weil sie nicht explizit mit dem übereinstimmen, was die saudische Regierung will.
Eine vollständige Verschmelzung mit dem staatlich aufgebauten Spielekonglomerat würde diese Sorgen naturgemäss nicht kleiner machen - unabhängig davon, ob sie sich am Ende bestätigen.
Einordnung
Wichtig bleibt: Es gibt bislang keine Ankündigung, keine Bestätigung und keinen Zeitplan. Was vorliegt, ist ein Bericht über Überlegungen in einem Staatsfonds, der eine ausdrücklich formulierte Zielmarke für 2030 hat und dafür bereits zwei Milliardenwege parallel geht. Dass diese Wege irgendwann zusammengeführt werden, wäre strategisch nachvollziehbar - die spannendere Frage ist, was danach mit EAs Spieleplänen passiert. Für Spielerinnen und Spieler entscheidet sich daran, ob der Publisher weiter grosse Einzelspielerprojekte finanziert oder ob der Schwerpunkt in Richtung Live-Service und Mobile kippt. Antworten dürfte es erst geben, wenn der Moonton-Deal durch ist.
EA steht für Battlefield, Mass Effect, die Sims und den grössten Sportspiel-Katalog der Branche - wer über Budgets und Projektfreigaben entscheidet, entscheidet über die Spiele der nächsten Jahre. Eine Fusion mit dem Mobile-Schwergewicht Savvy Games würde diese Entscheidungen in einem Konzern bündeln, der bislang vor allem durch Handyspiele und E-Sport gewachsen ist. Für die Leserschaft geht es damit um die Frage, welche Art von EA-Spielen künftig überhaupt noch grünes Licht bekommt.
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