Donkey Kong
«Die Namen, die in meinem Kopf waren» - Miyamoto vor Gericht
Die kompletten Akten zum Prozess Universal gegen Nintendo von 1983 sind jetzt öffentlich - inklusive Designdokumenten und einer handschriftlichen Namensliste

- Der YouTuber Gaming Historian hat sämtliche Gerichtsakten zum Verfahren Universal gegen Nintendo von 1983 veröffentlicht.
- Enthalten sind Beweismittel, Vernehmungsprotokolle, die Originaldesigns zu Donkey Kong und eine handschriftliche Namensliste zur späteren Super-Mario-Reihe.
- Nintendo argumentierte damals, Donkey Kong sei nicht von King Kong beeinflusst, weil das Projekt als lizenzierte Popeye-Umsetzung begann.
- Miyamoto und Yokoi verwiesen in ihren Aussagen jeweils auf den anderen - Nintendo gewann den Prozess.
Der Rechtsstreit zwischen Universal und Nintendo aus dem Jahr 1983 gehört zu den bekanntesten Kapiteln der Spielegeschichte - was genau im Gerichtssaal passierte, wussten bislang aber vor allem die Beteiligten. Das ändert sich jetzt: Der YouTuber Gaming Historian hat den gesamten Papierberg zum Verfahren öffentlich zugänglich gemacht, von den eingereichten Beweismitteln bis zu den Protokollen der Zeugenvernehmungen.
1983
Jahr des Verfahrens Universal gegen Nintendo um Donkey Kong
April
Monat, in dem Gaming Historian sein Karriereende und den Dokumenten-Dump ankündigte
Ein Abschiedsgeschenk statt eines Videos
Gaming Historian ist für aufwendig recherchierte Dokumentationen über Retro-Spiele bekannt - manche Fans vergleichen den Stil mit dem von Ken Burns. Anfang April kündigte der Kanalbetreiber unter Verweis auf Burnout an, keine weiteren Lehrvideos mehr zu produzieren. Statt eines letzten Films gibt es nun die Rohdaten: die vollständige Aktenlage des Falls, frei einsehbar für alle, die selbst graben wollen.
Worum es Universal ging - und warum Nintendo gewann
Universal warf Nintendo vor, mit Donkey Kong von King Kong abgekupfert zu haben. Nintendos Verteidigung setzte an einem anderen Punkt an: Das Projekt sei ursprünglich als lizenzierte Umsetzung von Popeye gestartet und habe seinen Affen deshalb nicht aus dem Kino übernommen. Der Ausgang ist bekannt - Nintendo behielt das Recht, den Namen weiter zu nutzen. Interessant ist heute weniger das Urteil als der Weg dorthin.
Denn um zu belegen, wie das Spiel entstand, legte Nintendo dem Gericht Material vor, das ansonsten nie öffentlich geworden wäre.
- die originalen Designdokumente zum ersten Donkey Kong
- die erste handschriftliche Liste möglicher Namen für die Reihe, die wir heute als Super Mario Bros. kennen
- dutzende Seiten, auf denen Gunpei Yokoi das erste Meeting beschreibt, in dem das Konzept des Leiterspiels entstand
- die Protokolle sämtlicher Zeugenvernehmungen
Miyamotos Aussage: viel gefragt, wenig erfahren
Das kurioseste Dokument ist die Vernehmung von Shigeru Miyamoto. Der Designer beteuerte immer wieder, sich nicht mehr zu erinnern, wann welche Idee entstand und von wem sie stammte - und verwies für Details regelmässig auf Yokoi. Der wiederum verwies in seiner eigenen Aussage zurück auf Miyamoto. Zusammen mit der Sprachbarriere ergab das zähe Wortwechsel, an deren Ende oft nur die Erkenntnis stand, dass Donkey Kong ein Gorilla ist. Ob irgendwo bei Nintendo während oder nach der Entwicklung die Worte «King Kong» notiert wurden? Möglich, so Miyamoto - über einen Vergleich nachgedacht habe er aber erst wegen des Prozesses. Auf die Frage, welche anderen Namen er für Donkey Kong erwogen habe, antwortete er:
Die Namen, die in meinem Kopf waren.
Der Anwalt, der zu einer rosa Kugel wurde
In den Protokollen taucht immer wieder ein «Mr. Kirby» auf - John Kirby, Nintendos Anwalt in diesem Verfahren und später Namenspate für eine der bekanntesten Nintendo-Figuren überhaupt. Der Ton im Gerichtssaal war entsprechend eigenwillig; an einer Stelle fällt der Satz «Man kann kein Pronomen für einen Gorilla haben». Wer sich je gefragt hat, wie Juristen über ein Arcade-Spiel mit Fässern diskutieren, findet hier die Antwort in Reinform.
Einordnung
Aus der Distanz wirkt der Streit fast absurd: King Kong ist heute bestens beschäftigt, unter anderem an der Seite von Godzilla, und Universal und Nintendo arbeiten längst gemeinsam an der Super-Mario-Filmreihe. Aus einem Gegner von 1983 wurde ein Geschäftspartner. Für die Spielegeschichte bleibt der Fall trotzdem zentral - er sicherte nicht nur einen Namen, sondern auch das Selbstbewusstsein eines Unternehmens, das damals gerade erst dabei war, den westlichen Markt zu erobern. Dass die Akten nun frei einsehbar sind, verschiebt die Erzählung von der Anekdote zur überprüfbaren Quelle. Wer wissen will, wie Donkey Kong wirklich entstand, muss künftig niemandem mehr glauben - er kann nachlesen.
Donkey Kong ist der Ursprung von Nintendos wichtigster Marke - ohne diesen Prozessausgang gäbe es Mario in der heutigen Form womöglich nicht. Die Akten zeigen erstmals im Detail, wie das Spiel entstand und wie Nintendo seine Rechte verteidigte. Für alle, die sich für Spielegeschichte interessieren, ist das eine Primärquelle statt einer nacherzählten Anekdote.
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