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Kingdom Hearts

Disney plante ein eigenes Smash Bros. - dann siegte die Vorsicht

Ein früherer Concept Artist von Disney Interactive erzählt, wie Kingdom Hearts den Weg für «Disney's Action Figure Face Off» ebnete

Republic of Pixels Redaktion03. September 2026 · 02:05 Uhr2 Min. Lesezeit
Disney plante ein eigenes Smash Bros. - dann siegte die Vorsicht
Bild: Eurogamer
Kurzfassung
  • Ex-Concept-Artist Ken Christiansen berichtet im Interview mit Time Extension von einem gestrichenen Disney-Prügelspiel
  • Arbeitstitel: «Disney's Action Figure Face Off» - Actionfiguren aus Tarzan, Der König der Löwen und Der Schatzplanet sollten gegeneinander antreten
  • Erst der Erfolg von Kingdom Hearts machte Disney für Crossover-Projekte empfänglich - zuvor gab es laut Christiansen Reibereien
  • Das Spiel kam nie über Prototypen hinaus, Disney setzte lieber auf sicherere Film-Umsetzungen

Kingdom Hearts hat Disney nicht nur einen unerwarteten Verkaufserfolg beschert, sondern beinahe auch ein eigenes Prügelspiel im Stil von Super Smash Bros. Davon berichtet Ken Christiansen, ehemaliger Concept Artist bei Disney Interactive, der auch am allerersten Kingdom Hearts mitgearbeitet hat, in einem Interview mit Time Extension. Der Arbeitstitel des Projekts: «Disney's Action Figure Face Off».

Kingdom Hearts 1

wurde eines der meistverkauften Spiele der PlayStation 2

Kingdom Hearts 4

soll laut Eurogamer Ende nächsten Jahres erscheinen

Erst musste Disney überzeugt werden

Dass Disney seine Figuren heute quer durch alle Marken mischt, war Anfang der 2000er alles andere als selbstverständlich. Die Entwicklung des ersten Kingdom Hearts gestaltete sich laut Christiansen schwierig, weil der Konzern die Vermischung seiner Filmwelten kritisch sah. Die Vorstellung, dass die populärsten Figuren des Hauses ständig aufeinandertreffen, sei intern schwer zu verdauen gewesen.

Weil Disney so zögerlich war, was die Möglichkeit anging, Der König der Löwen mit der Welt von Arielle zu kreuzen.
Ken Christiansen, ehemaliger Concept Artist bei Disney Interactive, gegenüber Time Extension

Es habe deshalb «ein klein wenig Streit» während der Produktion gegeben, erinnert sich Christiansen - obwohl die meisten Entwicklerinnen und Entwickler die Idee für «die grossartigste der Welt» gehalten hätten. Der kommerzielle Erfolg beendete die Debatte: Das erste Kingdom Hearts entwickelte sich zu einem der meistverkauften Spiele der PlayStation 2 und liess die Führungsetage plötzlich sehr viel offener auf Crossover-Konzepte blicken.

Toy Story, aber mit Faustkampf

In dieser neuen Stimmung ging «Disney's Action Figure Face Off» in die Vorproduktion. Die Grundidee stammte laut Christiansen von den Produzenten und war denkbar direkt: Man nehme die Prämisse von Toy Story - lebendig gewordenes Spielzeug - und lasse die Figuren aufeinander losgehen.

Dann können wir all diese Actionfiguren von Disney-Charakteren aus Tarzan, Der König der Löwen und Der Schatzplanet haben, und es kann so ein Smash-Brothers-artiges Ding werden.
Ken Christiansen, ehemaliger Concept Artist bei Disney Interactive, gegenüber Time Extension

Die Parallele ist pikant: Auch das erste Super Smash Bros. auf dem Nintendo 64 rahmte seine Kämpfe als Spielzeugschlacht ein, in der Puppen von Kinderhänden in die Arena gestellt werden. Disneys Variante hätte dieselbe Idee mit einem Figurenpool bespielt, der damals kaum eine Konkurrenz gefürchtet hätte.

Warum das Projekt in der Schublade blieb

Über das Prototypenstadium kam «Action Figure Face Off» allerdings nie hinaus. Der Konzern habe sich stattdessen auf das sicherere Geschäft mit Film-Umsetzungen konzentrieren wollen - also auf Spiele, die parallel zu den Kinostarts erschienen und deren Zielgruppe klar definiert war. Ein markenübergreifendes Prügelspiel war 2000er-Disney offenkundig einen Schritt zu experimentell.

Die Idee selbst überlebte trotzdem. In den Jahren danach entstanden gleich mehrere Projekte, die Disneys Marken unter einem Dach zusammenführten:

  • Disney Infinity - Toys-to-Life-Sandbox mit Sammelfiguren und offenen Spielwelten
  • Disney Speedstorm - Kart-Racer mit Figuren aus zahlreichen Disney- und Pixar-Marken
  • Disney Dreamlight Valley - Lebenssimulation, die Franchise-Grenzen komplett ignoriert

Einordnung: Eine Anekdote mit langem Nachhall

Christiansens Schilderung ist eine persönliche Erinnerung eines Beteiligten und keine offizielle Bestätigung durch Disney - Bildmaterial oder Dokumente zum Projekt gibt es bislang nicht. Als Zeitzeugenbericht ergänzt sie aber ein bekanntes Muster: Disney musste erst durch einen fremden Erfolg lernen, dass das Aufeinandertreffen der eigenen Figuren kein Sakrileg, sondern ein Geschäftsmodell ist.

Die Serie, die diese Entwicklung angestossen hat, läuft derweil weiter. Kingdom Hearts 4 soll Ende nächsten Jahres erscheinen, zusätzlich befindet sich eine Anime-Serie für Disney Plus in Produktion. Ein Prügelspiel mit Disney-Actionfiguren steht dagegen bis heute nicht auf dem Plan - und bleibt damit eines der reizvollsten Was-wäre-wenn der Konzerngeschichte.

Warum das wichtig ist

Disney-Crossover sind heute selbstverständlich - von Disney Infinity bis Dreamlight Valley. Die Erzählung zeigt, wie knapp diese Öffnung war und dass ausgerechnet ein japanisches Rollenspiel den Konzern überzeugen musste. Für Fans bleibt die Frage, welches Prügelspiel uns dadurch entgangen ist.

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